Bislama wird häufig zur Verständigung zwischen Menschen von verschiedenen Inseln und in städtischen Gebieten verwendet. Englisch und Französisch spielen wichtige Rollen in Bildung, Regierung, Recht und anderen formellen Einrichtungen. Die Verfassung erkennt alle drei als Amtssprachen an und schützt lokale Sprachen als Teil des nationalen Erbes. Sie verbietet außerdem Diskriminierung aufgrund der Sprache. Bürgerinnen und Bürger haben verfassungsmäßig das Recht, Behördendienste in der von ihnen verwendeten Amtssprache zu erhalten. Dazu zählen Mitteilungen, öffentliche Bekanntmachungen, Anweisungen, Entscheidungen, Pressemitteilungen, Newsletter, Berichte, Fragebögen und Warnungen. Wer einen Dienst auf Bislama, Englisch oder Französisch anfordert, muss keine bestimmte Sprachkompetenz nachweisen. Öffentliche Einrichtungen Vanuatus müssen im Allgemeinen nicht jeden Dienst in jeder lokalen Sprache anbieten. Zugang zu einer indigenen Sprache hängt daher oft von örtlichem Personal, Unterstützung aus der Gemeinschaft oder einer dolmetschenden Person ab. Das Sprachendienst-Department (Language Services Department, LSD) ist dem Büro des Premierministers unterstellt und bietet Übersetzung, Überarbeitung, Dolmetschen, Terminologieverwaltung und Sprachbewusstseinsarbeit an. Das State Law Office erstellt Rechtsvorschriften auf Englisch und Französisch, während das Parlament Debatten auf Bislama, Englisch und Französisch protokolliert. Der Nationale Sprachrat Vanuatus unterstützt die Standardisierung des Bislama, den Unterricht in lokalen Sprachen, Literatur, Sprachdokumentation und Medienberatung. „Lokalsprache“ bezeichnet eine im Alltag verwendete Sprache einer örtlichen Gemeinschaft. Viele dieser Sprachen werden vor allem in Familien und Gemeinschaften weitergegeben. Kastom bezeichnet überlieferte kulturelle Praktiken und Traditionen, die eng mit der lokalen Identität verbunden sind. Englisch und Französisch sind die wichtigsten Unterrichtssprachen. Die Nationale Sprachpolitik unterstützt Bislama und lokale Sprachen im Schulleben und als Lernhilfe, besonders in den ersten Schuljahren. In den Klassenstufen 9 und 10 unterrichten Schulen auf Englisch oder Französisch und nehmen die jeweils andere Sprache hinzu. Umfang und Verfügbarkeit der Unterstützung in lokalen Sprachen unterscheiden sich zwischen Schulen und Inseln. Die verfügbaren Belege weisen kein allgemeines Recht auf vollständige Bildung in einer bestimmten lokalen Sprache aus. Die Volkszählung 2020 des Statistikamts Vanuatus ergab, dass etwa 92,2 Prozent der Bevölkerung eine indigene Sprache gut oder mit Schwierigkeiten sprechen konnten, etwa 80 Prozent eine indigene Erstsprache hatten und etwa 70 Prozent täglich eine solche Sprache verwendeten. Die Werte unterscheiden sich zwischen städtischen und ländlichen Gebieten. Für etwa 69,5 Prozent der Stadtbewohner und 89,3 Prozent der Landbevölkerung wurde eine indigene Sprache als Sprache der Erziehung angegeben. In Port Vila gaben etwa 25 Prozent Bislama als Erziehungssprache an, gegenüber etwa 30,7 Prozent in Luganville. Diese Werte hängen von der verwendeten Frage und Bezugsgruppe der Volkszählung ab. Die Rundfunk- und Fernsehgesellschaft Vanuatus bietet nationales Radio, Fernsehen und Online-Medien. Nationale Medien und staatliche Informationen verwenden häufig Bislama, Englisch und Französisch. Lokale Sprachen bleiben in Gemeinschaften und kulturellen Zusammenhängen wichtig, doch nationale Berichterstattung ist nicht in jeder Sprache verfügbar. Das Kulturzentrum Vanuatus, auch Vanuatu Kaljoral Senta genannt, dokumentiert Sprachen, mündliche Überlieferungen, Kastom und Geschichte mithilfe eines Netzwerks von mehr als 100 ehrenamtlichen indigenen Feldforschenden. Forschung wird, soweit möglich, in lokalen Sprachen zugänglich gemacht. Sprache beeinflusst auch die demokratische und rechtliche Teilhabe. Das Wahlbüro stellt Informationen für Kandidatinnen und Kandidaten sowie Wählerinnen und Wähler auf Bislama, Englisch und Französisch bereit. Wahlanfechtungen können in jeder der drei Amtssprachen eingereicht werden; der Oberste Gerichtshof stellt eine dolmetschende Person bereit. Parlamentarische Petitionen können auf Französisch und Englisch oder auf Bislama eingereicht werden. Wer einen Behördendienst in einer Amtssprache nicht erhält, kann sich beim Ombudsmann beschweren. Dieser berichtet dem Parlament über die Einhaltung der Mehrsprachigkeit. Eine allgemeine Gebühr für Sprachzugang ist nicht dokumentiert; ebenso wenig gibt es eine landesweit verbindliche Übersetzungsfrist. Der Ombudsmann hat eine gleichzeitige Bereitstellung oder Lieferung innerhalb einer angemessenen Frist gefordert. Personal- und Budgetmangel können dennoch zu Verzögerungen führen, besonders beim Dolmetschen.
Sprachen in Vanuatu
Vanuatu hat drei Amtssprachen: Bislama, Englisch und Französisch. Bislama ist die landesweit verbreitete gemeinsame Sprache zwischen Inseln und Sprachgemeinschaften. Im Land werden außerdem etwa 110 bis 138 indigene Sprachen gesprochen. Die lokalen Sprachen gehören zum nationalen Erbe Vanuatus, sind aber nicht jeweils eigene Amtssprachen. Die Sprachwahl beeinflusst Behördendienste, Bildung, Gerichte, Medien, Kultur und öffentliche Teilhabe.
Tipp
Verwenden Sie für formelle Angelegenheiten in Vanuatu Bislama, Englisch oder Französisch und wählen Sie die Sprache, in der Sie Inhalte zuverlässig verstehen. Betrachten Sie Unterstützung in lokalen Sprachen als wertvoll, aber abhängig von der jeweiligen Einrichtung. Halten Sie für Behörden-, Schul-, Rechts- und Wahlangelegenheiten eine Amtssprache als Ausweichmöglichkeit bereit. Wenn eine Einrichtung den angeforderten Amtssprachendienst nicht bereitstellt, dokumentieren Sie den Vorgang und nutzen Sie den Beschwerdeweg über den Ombudsmann.

