Für Traditionen in Vanuatu gibt es kein einheitliches nationales Register, keinen nationalen Kalender, keine einheitliche Gebührenordnung und keinen landesweit geltenden Praxisstandard. Traditionelles Wissen wird häufig mündlich und durch Teilnahme, Zeremonien und Lehre weitergegeben. Familien, Clans und Abstammungslinien geben Geschichten, Verwandtschaftsregeln, landwirtschaftliches Wissen, Kunsthandwerk, Lieder, Tänze und Pflichten an jüngere Mitglieder weiter. Älteste, traditionelle Chiefs, Insel- und örtliche Chief-Räte, Nakamal und Nasara leiten ebenfalls örtliche Praktiken. Ein Nakamal oder Nasara kann ein Versammlungs- und Zeremonienort sein; die Regeln richten sich nach der jeweiligen Gemeinschaft. Das Kulturzentrum Vanuatus, auch Vanuatu Kaljoral Senta genannt, das Nationalmuseum und der Nationale Kulturrat Vanuatus dokumentieren und unterstützen das kulturelle Erbe. Feldforschende und Archive zeichnen mündliche Überlieferungen auf. Der Nationale Rat der Chiefs von Malvatumauri ist eine landesweite traditionelle Führungsinstitution. Örtliche Kulturzentren, darunter Zentren in Tafea und auf Malekula, vermitteln genaueres Wissen zu ihren Regionen. Diese Einrichtungen ersetzen Familien, Gemeinschaften oder Chiefs nicht als Träger traditioneller Autorität. Der Jahreszyklus umfasst nationale, provinzielle und örtliche Veranstaltungen. Der Tag der Custom Chiefs findet am 5. März statt, der Unabhängigkeitstag am 30. Juli. Provinzfeiertage und lokale Feste haben eigene Termine. Viele Kastom-Zeremonien richten sich nach Jahreszeiten, örtlichen Ernten oder Entscheidungen der Gemeinschaft und nicht nach einem nationalen Zeitplan. Nagol, auch Landtauchen genannt, ist mit Pentecost verbunden und findet üblicherweise etwa von April bis Juni im Zusammenhang mit der Yamswurzelernte und Initiation statt. Der Zugang für Besuchende hängt von Einladung, Erlaubnis und Anleitung der Gemeinschaftsführung ab. Traditionen im Lebensverlauf unterscheiden sich nach Insel und Gruppe. Eine traditionelle Eheschließung wird vom Staat anerkannt, wenn sie die geltenden Anforderungen erfüllt; die Zeremonie folgt örtlichem Brauch. Der Austausch kann Schweine, Stoßzähne, gewebte Matten, Kava und Lebensmittel umfassen. Der Nationale Rat der Chiefs von Malvatumauri kann eine Bescheinigung über die traditionelle Eheschließung ausstellen. Nach den Informationen zur Personenstandsregistrierung sollte eine traditionelle Eheschließung innerhalb von 30 Tagen registriert werden, damit die Registrierung fristgerecht erfolgt. Das Verfahren kann Bescheinigung, Ausweis, Geburtsurkunde, Aufgebot und Zeugen umfassen. Die erste Registrierung für Staatsangehörige ist laut bereitgestellter Recherche kostenlos. Trennung oder Auflösung folgen örtlicher Tradition und, sofern erforderlich, einer Mitteilung an die registrierende Stelle. Traditionelle Adoption, Verwandtenpflege und Übergangsriten unterscheiden sich ebenfalls regional. Familientraditionen beruhen häufig auf Großfamilie, Gegenseitigkeit, älteren Personen und Chiefs. Abstammung, Land- und Nutzungsrechte sowie Eheschließungsregeln unterscheiden sich zwischen Inseln und Gruppen. Es gibt sowohl patrilineare als auch matrilineare Muster; eine einzige landesweite Familienregel kann daher nicht alle Gemeinschaften beschreiben. Chiefs können bei sozialen und traditionellen Angelegenheiten vermitteln. Staatliche Gerichte, Island Courts und Tribunale behalten jedoch ihre rechtlichen Zuständigkeiten. Traditionelle Praktiken gelten nur im Rahmen schriftlichen Rechts und der Grundsätze von Gerechtigkeit, Moral und guter Ordnung. Kleidung, Musik und Kunsthandwerk weisen starke regionale Unterschiede auf. Das auch Mother Hubbard Dress genannte Inselkleid wird in Teilen von Shefa bei Zeremonien, Gemeinschaftsversammlungen und Gottesdiensten getragen. Malekula hat regionale Kleidung aus Pandanus sowie Traditionen der Small Nambas und Big Nambas. Geschlecht, Alter, Status und örtliche Regeln können bestimmen, welche Kleidung angemessen ist. Kastom-Lieder, Tänze, Gesänge, Trommeln, Tam-Tam, Stringbands, Rom Dance und Sandzeichnen gehören zu bestimmten Gemeinschaften. Frauen geben Ëtëtung-Wassermusik auf Gaua und den Banks-Inseln weiter. Beim Sandzeichnen in den nördlichen Inseln wird eine durchgehende Linie in Sand, Asche oder Ton gezogen; es wurde 2008 in die UNESCO-Liste aufgenommen. Weben, Matten, Körbe, Schnitzerei, Masken, Muschelschmuck und Tam-Tam-Herstellung werden oft in Familien und durch gemeinschaftliche Lehre weitergegeben. Die Beispiele unterscheiden sich je nach Region: Port Vila und Shefa bieten Zugang zum Kulturzentrum Vanuatus, zum Nationalmuseum, zum Inselkleid und zu Stringbands. Pentecost und Penama sind mit Nagol verbunden. Tanna und Tafea sind für Kastom-Dörfer, Kava und lokale Tänze bekannt. Malekula, Ambrym und Malampa werden mit Nambas-Traditionen, Rom Dance und Schnitzerei verbunden. Gaua sowie die Banks- und Torres-Inseln haben eigene Wassermusik und Tänze. Diese Beispiele sind keine vollständigen Listen und beschreiben nicht jede Gemeinschaft einer Insel. Christianisierung, Schulbildung, Verstädterung, Migration, Tourismus, öffentliche Feste und digitale Medien verändern weiterhin die Ausübung von Traditionen. Manche Gemeinschaften passen Zeremonien und öffentliche Darbietungen an und bewahren dabei örtliche Autorität und Bedeutung. Kommerzieller Tourismus kann Symbole oder Darbietungen von ihrer sozialen oder spirituellen Funktion trennen; eine ungleiche Verteilung der Vorteile kann Konflikte auslösen. Wirbelstürme, Klimafolgen und unterbrochene Verkehrswege können Zeremonien und die Weitergabe von Wissen beeinträchtigen. Für Fotos, Audio- und Videoaufnahmen ist Zustimmung erforderlich; heiliges oder privates Wissen darf nicht abgeschöpft oder verkauft werden. Chiefs, Gemeinschaften oder Träger des Wissens entscheiden, ob eine Praxis, Darbietung, Gestaltung oder Aufnahme geteilt werden darf.
Traditionen in Vanuatu
Traditionen in Vanuatu werden in Familien, Clans, Gemeinschaften und durch Chiefs und Kultureinrichtungen weitergegeben. Kastom ist der lokale Sammelbegriff für überlieferte Praktiken, Wissen, Zeremonien und soziale Pflichten. Die Ausprägungen unterscheiden sich jedoch stark zwischen den 83 Inseln und vielen Sprachgemeinschaften des Landes. Zu den Traditionen zählen Lebenszykluszeremonien, traditionelle Eheschließungen, Kleidung, Musik, Kunsthandwerk, mündlich überliefertes Wissen, Lebensmitteltausch und regionale Feste.
Tipp
Behandeln Sie Traditionen in Vanuatu als örtliche Praktiken von Gemeinschaften und nicht als einheitliches nationales Programm mit überall gleichen Regeln. Ermitteln Sie die zuständige Insel, Gemeinschaft und Person, die das Wissen trägt. Holen Sie vor Teilnahme oder Aufnahmen eine Erlaubnis ein und befolgen Sie örtliche Hinweise zu Kleidung, Verhalten und Zugang. Bei einer traditionellen Eheschließung klären Sie sowohl die traditionellen Unterlagen als auch die zivilrechtlichen Registrierungsschritte innerhalb der geltenden Frist.

