Mauretanien hat ein landesweit geregeltes formelles Schulsystem. Vorschule, enseignement préscolaire genannt, kann von öffentlichen oder privaten Kindergärten, gemeinschaftlichen Einrichtungen und einigen Koranschulen angeboten werden, sofern sie eine anerkannte Vorschulfunktion erfüllen. Sie umfasst normalerweise drei Jahre für Kinder von 3 bis 5 Jahren und ist nicht verpflichtend. Ein Vorbereitungsjahr für Fünfjährige soll breiter eingeführt werden. Die Grundschule dauert sechs Jahre und beginnt normalerweise nach dem sechsten Geburtstag; das Ministerium kann Ausnahmen beim Alter zulassen. Die Sekundarstufe I dauert drei Jahre an einem collège d’enseignement de base. Zusammen bilden Grundschule und Sekundarstufe I neun Jahre Grundbildung. Die Sekundarstufe II dauert drei Jahre an einem lycée: ein Jahr gemeinsamer Unterricht, danach zwei Jahre in einem allgemeinbildenden, technischen oder beruflichen Bildungsgang. Anschließend können Lernende das Baccalauréat de l’Enseignement Secondaire erwerben, einschließlich des technischen TMGM-Baccalauréat. Diese Bildungsgänge entsprechen nicht unmittelbar dem deutschen Gymnasium, der Realschule oder Hauptschule; der lokale Bildungsweg führt über Grundschule, collège und lycée. Das öffentliche System, anerkannte Privatschulen und établissements d’excellence gehören zum nationalen Rahmen. Das erste Grundschuljahr ist Teil eines Reformmodells, das ausschließlich an öffentlichen Schulen mit gemeinsamem Lehrplan und einheitlicher Schuluniform angeboten wird. Die weitergehende Rolle privater Grundschulen wird noch umgesetzt; daraus folgt kein allgemeines Verbot privater Schulen. Ein eigenständiges Förderschulsystem ist in Mauretanien nicht belegt. Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind daher auf inklusive Angebote und Anpassungen innerhalb des formellen Systems angewiesen. Die Schulen nutzen verbindliche, vom Ministerium für Bildung und Reform des Bildungssystems festgelegte Lehrpläne, Unterrichtsmethoden, Stundenpläne und Lernmaterialien. Die Commission Nationale des Curricula arbeitet an den Lehrplänen mit. Zum Lehrplan gehören Lese- und Schreibkompetenz, Mathematik, Staatsbürgerkunde, Sport, Technologie und Informatik. Das collège vermittelt eine gemeinsame Grundlage mit Wahlfächern; das lycée bietet stärker differenzierte Bildungsgänge. Arabisch ist im gesamten Schulsystem Unterrichtssprache. Pulaar, Soninké und Wolof können je nach Muttersprache der Schülerinnen und Schüler, örtlicher Zusammensetzung und Nachfrage auch als Kommunikations- oder Unterrichtssprachen dienen. Der naturwissenschaftliche Unterricht in der Grundschule kann in der Muttersprache stattfinden. Arabischsprachige Schülerinnen und Schüler lernen im Allgemeinen mindestens eine Nationalsprache; Lernende, die kein Arabisch sprechen, lernen Arabisch zur Kommunikation und als Unterrichtssprache. Französisch beginnt im zweiten Jahr der Grundbildung und soll die Kommunikation unterstützen sowie später den naturwissenschaftlichen Unterricht nach der Grundschule ermöglichen. Englisch beginnt im ersten Jahr nach der Grundschule. Pro Jahr sind normalerweise mindestens 36 Unterrichtswochen für Schülerinnen und Schüler vorgesehen; Ferien werden durch Ministerialbeschluss festgelegt. Sozialpädagogische Aktivitäten können den Unterricht ergänzen. Kantinen, Schulmahlzeiten, Internate und Kefala können den Zugang unterstützen. Ein allgemeiner landesweiter Anspruch auf Schultransport oder Mahlzeiten ist jedoch nicht belegt. Der Schulbesuch ist im Alter von 6 bis 15 Jahren verpflichtend; die genaue Umsetzung wird durch Verordnung geregelt. Für Einschulung und Schulwechsel in der Grundschule sind üblicherweise ein Zeugnis, eine Geburtsurkunde und Schülerakte oder eine Erklärung der Schulleitung erforderlich. Die zuständige regionale Bildungsstelle bearbeitet den Antrag normalerweise in etwa einer Woche und erhebt keine Verwaltungsgebühr. Die Aufnahme in die Sekundarstufe folgt ministeriellen Regeln. Nach dem collège berücksichtigt die Zuweisung zu einem allgemeinbildenden oder technischen beziehungsweise beruflichen Bildungsgang die Wahl und Eignung der Schülerin oder des Schülers, sozioökonomische Umstände und die verfügbare Schulplanung. Die Schulkarte, carte scolaire genannt, berücksichtigt Bevölkerungsverteilung, Entfernung, Überbelegung und Ressourcen; eine einheitliche landesweite individuelle Schulbezirkszuweisung ist nicht belegt. Für eine geplante neue Schule sind im Allgemeinen ein Schreiben des Bürgermeisters, ein Prüfbericht und mindestens 20 Schülerinnen und Schüler erforderlich. Der Antrag wird über den Wali oder Gouverneur weitergeleitet und von der Direktion für Grundbildung bearbeitet; die angegebene Bearbeitungszeit beträgt 15 Tage. Öffentliche Bildung und die betreffenden Verwaltungsverfahren sind gesetzlich kostenlos. Offizielle Lehrbücher werden bereitgestellt; 2022 und 2023 wurden Lernmaterialien im Rahmen von Reformen kostenlos verteilt. Gesetze und Planungen sehen Unterstützung für schutzbedürftige und arme Schülerinnen und Schüler vor, darunter Uniformen, Schultische, Kantinen, Internate, Reparaturen und Sozialhilfe. Tatsächlich verfügbare Angebote unterscheiden sich nach Schule und Region. Private Nachhilfe ist nicht als landesweit standardisierter Dienst belegt. Leistungsbewertung verbindet laufende formative und diagnostische Prüfungen mit nationalen Stichprobenerhebungen. Bezeichnungen für Prüfungen am Ende eines Bildungszyklus ändern sich im Zuge der Reformen: Der Abschluss der Grundschule kann certificat d’études primaires oder in der Praxis certificat d’études fondamentales heißen; der Abschluss des collège heißt Brevet de l’enseignement de base, wird in der Praxis auch als Brevet d’étude du 1er cycle oder BEPC bezeichnet. Die Sekundarstufe II endet mit dem Baccalauréat. In aktuellen Kalendern stehen Bezeichnungen wie 6e, entrée 1AS, 4e, 7e, terminale, BEPC und BAC nebeneinander. Reformbegriffe und praktische Bezeichnungen können daher gleichzeitig vorkommen. Das Ministerium für Bildung und Reform des Bildungssystems legt nationale Politik, Lehrpläne und Schulzulassungen fest. Zentrale und regionale Direktionen setzen sie um. Die DREN, die regionalen Bildungsdirektionen, arbeiten mit den Wilaya-Verwaltungen und Schulen zusammen. Ein COGES ist ein lokaler Schulausschuss. Die nationale Behörde für Bildungsqualität bewertet Lernergebnisse, Personal und Schulqualität; der HCE hat eine beratende Rolle. Gemeinden und andere lokale Behörden können an der Bereitstellung von Schulen beteiligt sein. Traditionelle oder ursprüngliche Bildung einschließlich Mahadras gilt rechtlich als nichtformelle Bildung und nicht als eigene formelle Schulstufe. Sie kann Kindern, die nicht eingeschult waren oder in die Schule zurückkehren, dennoch einen Zugangs-, Übergangs- oder Wiedereinstiegsweg bieten. Der Zugang ist weiterhin ungleich. Modellschätzungen des UIS beziffern die Abschlussquoten für 2024 auf 52,1 % für die Grundschule, 42,0 % für die Sekundarstufe I und 23,3 % für die Sekundarstufe II. Die letzten modellierten Zahlen zu Kindern außerhalb der Schule, für 2023, betrugen 33 % in der Grundschule, 31 % in der Sekundarstufe I und 52 % in der Sekundarstufe II. Der größte Engpass ist der Übergang in die Sekundarstufe II. Der Plan PNDSE III für 2023 bis 2030 setzt als Ziele eine Vorschulteilnahme von 50 % bei Fünfjährigen und 25 % bei Drei- bis Vierjährigen, Zugang aller Kinder zur Grundschule oder zum enseignement originel und eine Übergangsquote von 80 % von der Grundschule ins collège bis 2030.
Schule in Mauretanien
Die formelle Schulbildung in Mauretanien reicht von der Vorschule über Grundschule und Sekundarstufe I bis zur Sekundarstufe II. Die Vorschule umfasst üblicherweise das Alter von 3 bis 5 Jahren und ist nicht verpflichtend; die Grundschule beginnt mit ungefähr 6 Jahren. Danach folgen drei Jahre collège und drei Jahre lycée. Der Schulbesuch ist für 6- bis 15-Jährige verpflichtend. Zugang, Unterrichtssprache, Schulform und Fortsetzung der Bildung unterscheiden sich je nach Ort und verfügbaren Kapazitäten.
Tipp
Behandeln Sie die Schulwahl in Mauretanien als Entscheidung über Zugang, Sprache und fortgesetzten Schulbesuch, nicht nur über die Schulbezeichnung. Bestätigen Sie einen verfügbaren Platz, Unterrichtssprachen, Unterstützungsangebote und den vollständigen Bildungsweg über collège und lycée. Öffentliche Schulen bieten die klarste Kostenbasis; Zulassung und Verfügbarkeit privater Schulen und écoles d’excellence müssen direkt geprüft werden. Achten Sie besonders auf die Fortsetzung nach dem collège, da der größte belegte Engpass den Zugang zur Sekundarstufe II betrifft.

