Das Ministère de la Santé et de la Sécurité sociale und die Direction de la santé verantworten Gesundheitspolitik, Prävention, Vorsorgeuntersuchungen, Zulassung von Leistungserbringern, Qualitäts- und Sicherheitsaufsicht, Überwachung und Programme für die öffentliche Gesundheit. Die Caisse nationale de santé (CNS) legt Leistungs- und Erstattungsgrenzen fest. Das Portail Santé stellt Informationen zur öffentlichen Gesundheit und aktuelle Hinweise bereit. Ein médecin généraliste übernimmt die allgemeine medizinische Versorgung und kann die fortlaufende Behandlung koordinieren. Patienten können Hausärzte, Fachärzte, Zahnärzte, Krankenhäuser, Apotheken oder häusliche Pflegedienste direkt wählen; es gibt keine allgemeine Überweisungspflicht und kein Gatekeeping-Verfahren. Ein médecin référent ist freiwillig und kann Überweisungen, Arztberichte, Medikamentenprüfungen und Nachsorge koordinieren, insbesondere bei chronischen oder komplexen Erkrankungen. Zugelassene Leistungserbringer unterliegen dem obligatorischen conventionnement, das heißt, sie nehmen am nationalen vertraglichen Rahmen für Gesundheitsleistungen teil. Prävention wird durch Hausärzte, die Direction de la santé und von der Ligue médico-sociale betriebene Centres médico-sociaux angeboten. Dazu gehören Raucherentwöhnung, Beratung für Säuglinge und Kleinkinder von der Geburt bis zum Alter von vier Jahren, Schulmedizin, Ernährung, Bewegung, sexuelle Gesundheit, Suchtprävention, Prävention chronischer Erkrankungen und geriatrische Prävention. Die Versorgung psychischer Erkrankungen wird durch Hausärzte, psychiatrische und psychotherapeutische Dienste, ambulante und stationäre Einrichtungen sowie Rehabilitationsangebote unterstützt. Der Nationale Plan für psychische Gesundheit, bekannt als PNSM, bildet den strategischen Rahmen für 2024–2028. Der CSMI gibt Impfempfehlungen heraus; die Direction de la santé setzt das nationale Programm um. Es umfasst Impfungen für Säuglinge ab zwei Monaten, die MMRV-Impfung im Alter von 15–23 Monaten, zwei HPV-Dosen im Alter von 9–14 Jahren mit Nachholimpfung von 15–26 Jahren sowie DTaP/IPV-Auffrischungen alle zehn Jahre. Ab 65 Jahren werden Impfungen gegen Pneumokokken, Influenza, Herpes zoster und saisonales COVID-19 empfohlen. Während der Schwangerschaft werden Influenza- und Pertussisimpfungen im zweiten oder dritten Trimester empfohlen; die RSV-Impfung wird von September bis Februar in der 32.–36. Schwangerschaftswoche empfohlen. Impfungen des Programms werden nach den geltenden Regelungen öffentlich finanziert. Das Programme Mammographie lädt Frauen im Alter von 45–74 Jahren alle zwei Jahre zu einer Vorsorgeuntersuchung ein. Es gilt für Einwohnerinnen und bei der CNS versicherte Frauen ohne Wohnsitz in Luxemburg; die Teilnahme am Programm ist kostenlos. Das Programm zur Darmkrebsvorsorge, PDOCCR, richtet sich an Frauen und Männer im Alter von 45–74 Jahren, die bei der CNS oder der Sozialversicherung registriert sind. Es verwendet einen FIT/iFOBT-Stuhltest für zu Hause. Einladung oder Gutschein können über MyGuichet, telefonisch oder in einer Apotheke beziehungsweise bei BIONEXT abgewickelt werden. Der Gutschein ist zwei Jahre gültig; das nächste Testkit sollte im Allgemeinen frühestens etwa sieben Tage nach dem vorherigen bestellt werden. Die Teilnahme ist freiwillig. Ein positives Testergebnis erfordert eine anschließende Darmspiegelung. Die Primärversorgung umfasst Hausärzte, Arztpraxen und Centres médico-sociaux. Zur Sekundärversorgung zählen Fachärzte und Krankenhäuser. Die Tertiärversorgung umfasst Pflege- und Betreuungseinrichtungen sowie häusliche Pflegenetzwerke, häufig im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt. Angeboten werden medizinische, zahnmedizinische, psychotherapeutische, pflegerische, physiotherapeutische, logopädische, psychomotorische, diätetische und hebammengeleitete Versorgung. Die vier Krankenhausgruppen Luxemburgs sind CHL, HRS, CHEM und CHdN. Spezialisierte Einrichtungen sind unter anderem INCCI, CFB, CHNP, REHAZENTER, HIS und CRCC. Haus Omega bietet Palliativversorgung; das LNS erbringt Labor- und Diagnostikleistungen. Einige komplexe Leistungen sind landesweit an wenigen Orten konzentriert. Für den Zugang außerhalb regulärer Sprechzeiten gibt es die drei geografischen Gebiete Luxemburg-Stadt, Belval und Ettelbrück; die übrige Verteilung der Leistungserbringer unterscheidet sich zwischen Zentral-, Süd- und Nordluxemburg. Rufe bei einem lebensbedrohlichen oder unmittelbar gefährlichen Zustand die 112 an. Der Dienst ist kostenlos und über den Rettungsdienst CGDIS rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche erreichbar. Beispiele sind Bewusstlosigkeit, starke Brustschmerzen, plötzliche Lähmung oder Sehverlust, Atemnot, nicht stillbare Blutungen, Geburtskomplikationen und ein Suizidversuch. Krankenhausnotaufnahmen behandeln akute Fälle. Für Routinefragen wende dich an einen gewöhnlichen Leistungserbringer oder einen Dienst außerhalb der regulären Sprechzeiten, nicht an die 112. Die drei Maisons Médicales de garde bieten außerhalb der üblichen Praxiszeiten medizinische Versorgung an: Luxemburg-Stadt in der 23 Val Fleuri, Belval in der 3–5 avenue du Swing und Ettelbrück in der 110 avenue Lucien Salentiny. Sie sind montags bis freitags von 20:00 bis 24:00 Uhr und samstags, sonntags sowie an Feiertagen von 08:00 bis 24:00 Uhr geöffnet. Ein Termin ist nicht erforderlich. Sie ersetzen keine Krankenhausnotaufnahme. Während der Öffnungszeiten ist die Hotline +352 20 333 111 erreichbar; aktuelle Informationen zum Bereitschaftsdienst werden auch über das Portail Santé und 112.lu veröffentlicht. Nach Mitternacht ist die 112 der erforderliche Kontakt. Der médecin de garde entscheidet, ob eine Untersuchung, telefonische Beratung oder ein Hausbesuch angebracht ist. Apotheken haben einen gesonderten Bereitschaftsdienst von 08:00 bis 08:00 Uhr des folgenden Tages. Öffentliche Apotheken, sogenannte officines, sind staatlich konzessionierte Einrichtungen. Sie geben verschreibungspflichtige Medikamente ab und können nach Beratung durch den Apotheker oder auf Wunsch des Patienten auch andere Medikamente bereitstellen. Apotheker prüfen Dosierung, Wechselwirkungen und mögliche Nebenwirkungen; ein Generikum oder Markenpräparat kann als Ersatz infrage kommen. Ein gewöhnliches Rezept ist in der Regel etwa drei Monate gültig. Die letzte Teilausgabe kann spätestens sechs Monate nach der ersten Abgabe erfolgen. Erstattung und Positivliste richten sich nach Versicherungs- und Kostenregeln, nicht nach dem Versorgungsweg selbst. Das Dossier de Soins Partagé (DSP) ist eine kostenlose persönliche elektronische Gesundheitsakte, die von der eSanté Agency verwaltet wird. Sie kann Laborergebnisse, Bildgebungsberichte, Entlassungsberichte und Behandlungsinformationen enthalten. Der Patient oder sein gesetzlicher Vertreter kontrolliert den Zugang. Ein médecin référent oder eine andere medizinische Fachkraft kann die Akte mit der erforderlichen Einwilligung einsehen. Der Zugriffsverlauf ist sichtbar, Berechtigungen können geändert oder gesperrt und die Akte jederzeit geschlossen werden. Nach zehn Jahren Inaktivität wird sie automatisch geschlossen. Sie ersetzt nicht die lokale Patientenakte, die ein Leistungserbringer führt. Rehabilitation kann ambulant oder stationär erfolgen und geriatrisch, psychiatrisch, funktionell oder nach einer Krebserkrankung ausgerichtet sein. Pflege- und Betreuungsnetzwerke können beim Waschen, Anziehen, Essen und Trinken, bei der Mobilität zu Hause und bei anderen täglichen Aufgaben helfen. Luxemburg verfügt außerdem über Tages- und Nachtzentren sowie stationäre Pflegeeinrichtungen. Geburtshilfe wird in den vier Krankenhausgruppen angeboten. Eine Hausgeburt ist gesetzlich möglich; bei einer ambulanten Geburt kann eine Hebamme bis zu zehn Tage lang die Nachsorge übernehmen. Untersuchungen und Screenings für Neugeborene erfolgen in der frühen Zeit nach der Geburt. Patienten haben unabhängig von ihrem Gesundheitszustand gleichen Zugang und Anspruch auf Würde, Privatsphäre, Vertraulichkeit, verständliche Informationen, freie informierte Einwilligung und den Widerruf der Einwilligung. Sie können einen Leistungserbringer wählen oder wechseln, eine Zweitmeinung einholen und auf ihre Krankenakten und Gesundheitsinformationen zugreifen. Die Wahl von Krankenhaus und Leistungserbringer kann jedoch durch Organisation und Verfügbarkeit eingeschränkt sein. Eine Begleitperson darf anwesend sein; eine personne de confiance kann durch ein datiertes und unterschriebenes Dokument benannt werden. Bei Bedarf kann ein Dolmetscher hinzugezogen werden. Patienten sollten relevante Informationen mitteilen, einwilligen oder eine begründete Ablehnung erklären und bei der Behandlung mitwirken. Leistungserbringer können eine nicht dringende Behandlung aus legitimen Gründen ablehnen, dürfen aber nicht diskriminieren und müssen eine erste Notfallversorgung sowie die Kontinuität der Versorgung gewährleisten. Der Service national d'information et de médiation dans le domaine de la santé, bekannt als Médiateur Santé, bietet Informationen, Beratung und freiwillige vertrauliche Vermittlung. Er entscheidet weder über rein finanzielle Streitigkeiten noch über Erstattungsstreitigkeiten mit der CNS und befasst sich nicht mit Streitigkeiten, die ausschließlich alltägliche Pflegedienste betreffen. In der liberalen Medizin bezahlen Patienten häufig zunächst den Leistungserbringer und beantragen anschließend eine Erstattung. Die genaue Erstattung und der Eigenanteil richten sich nach den geltenden Versicherungs- und Kostenregeln.
Gesundheit in Luxemburg
Das luxemburgische Gesundheitssystem verbindet eine obligatorische Kranken- und Pflegeversicherung mit direktem Zugang zu Hausärzten, Fachärzten, Zahnärzten, Krankenhäusern, Apotheken und häuslichen Pflegediensten. Die Prävention umfasst Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen, Gesundheitsförderung und Unterstützung bei psychischen Problemen. Die Behandlung reicht von der Primärversorgung bis zu spezialisierten Krankenhaus- und Rehabilitationsleistungen. Für Notfälle gilt die 112; außerhalb der regulären Sprechzeiten gibt es medizinische Versorgung in drei Maisons Médicales de garde.
Tipp
Richte deinen Versorgungsplan in Luxemburg an Dringlichkeit, Kontinuität und Prävention aus: Wisse, wann du die 112 anrufst, wann du eine Maison Médicale de garde nutzt und wann du reguläre Versorgung vereinbarst. Halte Angaben zu Leistungserbringern, Medikamenten und Vorsorgeuntersuchungen geordnet. Prüfe die Erstattung vor nicht dringender Behandlung, denn du musst möglicherweise zuerst bezahlen und die Erstattung separat beantragen. Ein médecin référent und das DSP können bei fortlaufender oder komplexer Versorgung die Koordination erleichtern.

