Die Verfassung des Jemen erkennt Arabisch als Amtssprache an. An öffentlichen Schulen und Universitäten wird Arabisch verwendet. Die Alltagssprache unterscheidet sich jedoch, etwa zwischen Sanaani-Arabisch, Taizi-Adeni-Arabisch, Hadrami-Arabisch und anderen lokalen Varianten. Soqotri, Mehri, Hobyot und weitere Sprachen werden in bestimmten Gemeinschaften gesprochen. Der Gebrauch einer Alltagssprache bestimmt jedoch nicht automatisch die Unterrichtssprache. Das formelle Bildungssystem umfasst neun Jahre Grundbildung, die gewöhnlich im Alter von sechs Jahren beginnt. Die Klassen 1 bis 9 führen zum Abschluss der Grundbildung. Die Klassen 10 bis 12 setzen die allgemeine oder die technische und berufliche Bildung fort. Lesen und Schreiben auf Arabisch, Phonetik und Leseverständnis bilden die Grundlage des Unterrichts. Nach dokumentierten Angaben des Bildungsministeriums und der UNESCO wird Englisch ab der Grundschulstufe als Zweitsprache unterrichtet. Zugang und Unterrichtsqualität unterscheiden sich jedoch je nach Ort und Einrichtung. Das Bildungsministerium, lokale Bildungsämter und die Bildungsbehörden in den jeweiligen Gebieten teilen sich die Verantwortung für das Angebot. Die administrative Zersplitterung führt dazu, dass nationale Regeln und tatsächlicher Zugang nicht einheitlich sind. Internationale Organisationen und Hilfsprogramme, darunter UNICEF, die Weltbank, die Global Partnership for Education, die Europäische Union und Nichtregierungsorganisationen, unterstützen die sprachbezogene Bildung, schaffen aber kein einheitliches landesweites Kurssystem. Lernende außerhalb des regulären Schulbetriebs können Nachholunterricht, Programme für grundlegende Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen, selbstständiges Lernen, beschleunigte Lernprogramme, gemeinschaftliche Lernräume und vorübergehende Lernräume nutzen. Diese Angebote wurden zwischen 2021 und 2024 in Taiz, Hodeidah, Marib, Ibb und Hajjah dokumentiert. Das beschleunigte Lernprogramm in Marib nutzte flexible Zeiten und einen komprimierten Lehrplan mit Sprachunterricht; im Januar 2025 nahmen 3.625 Lernende in 30 Zentren daran teil. Dokumentierte außerschulische Kurse mit Unterstützung von UNICEF und der Europäischen Union waren kostenlos. Bücher, Uniformen, Transport und der Zeitaufwand zulasten von Arbeit oder Haushalt können dennoch Kosten verursachen. Der Zugang wird besonders durch Entfernung, Unsicherheit, Armut, Lehrkräftemangel, fehlende Materialien, Geschlechtererwartungen und Arbeits- oder Haushaltspflichten beeinträchtigt. Bildungsmaßnahmen richten sich besonders an Kinder, junge Menschen außerhalb der Schule, Binnenvertriebene, Mädchen, ländliche Gemeinschaften und Lernende mit Behinderungen. Ein öffentliches UNICEF-Profil von 2025 meldete 3,7 Millionen Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren außerhalb der Schule; eine weitere Zahl aus dem Jahr 2025 bezifferte die Zahl der Kinder, die durch Maßnahmen erreicht wurden, auf 3,2 Millionen. Die beiden Zahlen beruhen auf unterschiedlichen Messgrößen. Von der Regierung angeführte Daten für 2024 und 2025 meldeten, dass 94,7 % der Zehnjährigen einen einfachen Text nicht lesen und verstehen konnten. Lehrerinnen und Anreize für Lehrkräfte können den Zugang von Mädchen verbessern; Teilnahme und Lernerfolg hängen jedoch weiterhin vom jeweiligen Gebiet und Programm ab. Nationale Prüfungen finden am Ende der 9. und 12. Klasse statt. Im Jahr 2023 legten mehr als 93.000 Prüflinge an über 895 Prüfungszentren in 14 Gouvernements Prüfungen ab. Ein erfolgreicher Abschluss der 12. Klasse kann im mit Aden verbundenen System den Zugang zu einer Hochschule ermöglichen. Diese Prüfungen bescheinigen Abschnitte des formellen Bildungswegs; sie sind kein landesweites Zertifizierungssystem für Fremdsprachen. Es gibt keine verlässlichen Belege für ein landesweites Äquivalent zu einem Goethe-Zertifikat oder einem Zertifikat für eine Niveaustufe des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Englisch oder eine andere Fremdsprache. Arabische Lese- und Schreibkenntnisse helfen unmittelbar dabei, Gesundheitshinweise zu lesen, Verwaltungsangelegenheiten zu erledigen, den Alltag zu bewältigen und die Bildung fortzusetzen. Englisch kann die Sekundarbildung, das Studium, die Beschäftigung und den digitalen Zugang unterstützen. Lernmöglichkeiten hängen jedoch häufig vom Schulbesuch, privaten Anbietern oder bestimmten Projekten ab. Der Jugendaktionsplan des Jemen für 2025 bis 2030 nennt Englischunterricht als gewünschte zusätzliche Qualifikation junger Frauen. Für digitales Lernen und Fernunterricht können Fernsehen, Radio, gedruckte Materialien, Onlineangebote, soziale Medien, Mobilanwendungen und elektronische Unterrichtseinheiten genutzt werden. Der Bildungskanal Sabaa hat in der Vergangenheit Unterricht auf Arabisch und Englisch angeboten. Der Zugang in den Haushalten ist ungleich: Laut MICS-EAGLE-Daten von 2024 verfügten 60 % der Haushalte über einen Fernseher und 16 % über ein Radio; für mindestens eines der beiden Geräte lag der Anteil bei 64 %. In städtischen Gebieten waren die Werte höher, in ländlichen und den ärmsten Haushalten niedriger. Digitales Lernen ist daher bei Unterbrechungen eine nützliche Alternative, bietet jedoch keine einheitliche landesweite Lösung. Soqotri hat eine ausgeprägte mündliche Tradition. Die Sprache steht unter Druck, weil schriftliche Aufzeichnungen und ihre Verwendung im Bildungswesen begrenzt sind und ein einheitliches Alphabet fehlt. Bei einem Workshop in Hadibo vom 24. bis 28. September 2024 arbeiteten mehr als 35 Teilnehmende und 10 Fachleute an der Entwicklung eines Alphabets für Soqotri und an möglichen Anwendungen im Bildungswesen und in außerschulischen Angeboten. Das Soqotri Language Center (Soqotri-Sprachzentrum) und lokale Gemeinschaften tragen zu dieser Arbeit bei. Mehri bleibt hauptsächlich auf Gemeinschaft und Kultur bezogen. Ein landesweit etabliertes Curriculum für den Unterricht dieser Sprachen als Muttersprachen ist nicht dokumentiert; ebenso wenig ist ein allgemeines Recht auf Unterricht in einer lokalen Muttersprache belegt.
Sprachen im Jemen
Arabisch ist die Amtssprache des Jemen und die wichtigste Sprache an öffentlichen Schulen und Hochschulen. Englisch wird ab der Grundschule als Zweitsprache unterrichtet. Sprachenlernen findet außerdem in Alphabetisierungsprogrammen, Förderkursen, vorübergehenden Lernräumen, privaten Kursen, über digitale Medien und in der Gemeinschaft statt. Soqotri, Mehri und andere lokale Sprachen werden hauptsächlich informell oder kulturell verwendet; ein landesweit etabliertes muttersprachliches Schullehrprogramm ist nicht dokumentiert.
Tipp
Wählen Sie den Lernweg nach Ihrem unmittelbaren Ziel: Arabischkenntnisse für den Alltag und die weitere Bildung, Englisch für Studium, Arbeit oder digitalen Zugang oder ein Programm für lokale Sprachen und kulturelles Erbe. Prüfen Sie vorab, ob das Angebot vor Ort verfügbar und dauerhaft ist, wie es bewertet wird und welche indirekten Gesamtkosten entstehen. Betrachten Sie digitales Lernen als Ausweichmöglichkeit bei unsicherem Zugang und gehen Sie nicht davon aus, dass ein Zertifikat eines privaten Kurses landesweit anerkannt wird.

