Im Jemen besteht eine diglossische Sprachlandschaft: Formelles Schriftarabisch und gesprochene lokale Varianten erfüllen unterschiedliche Funktionen. Modernes Hocharabisch findet sich in amtlichen Dokumenten, Prüfungen, Schulen, Gerichten, öffentlichen Diensten und formellen Medien. Zum jemenitischen Arabisch gehören regionale Varianten wie das Sanʿani in Sana'a und im Hochland, das Taʿizzi-Adeni im Raum Taiz und Aden, das Hadrami in Hadramaut und das Tihami an der Westküste. Eine einheitliche standardisierte gesprochene Variante des jemenitischen Arabisch gibt es nicht; Aussprache und Wortschatz unterscheiden sich daher je nach Region und Gemeinschaft. Mehri wird vor allem in Al Mahrah und im Grenzgebiet zwischen Jemen und Oman gesprochen. Soqotri ist eine eigenständige südarabische Sprache, die im Sokotra-Archipel gesprochen wird und östliche, westliche und zentrale Varianten umfasst. Familien, gesellschaftliche Anlässe, mündliche Dichtung, Lieder, Rätsel und Zeremonien tragen dazu bei, diese Sprachen zu erhalten. Arabisch dominiert Schule, Verwaltung, Beschäftigung, öffentliches Leben und die meisten Nachrichten sowie die digitale öffentliche Kommunikation. Das verstärkt den Sprachwechsel, insbesondere zusammen mit der Verstädterung und dem breiteren Zugang zu Medien. Englisch wird als zusätzliche Sprache in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen verwendet. Auch weitere Sprachen von Haushalten oder Zugewanderten können vorkommen. Es gibt jedoch keine verlässliche aktuelle landesweite Sprachzählung für den Jemen; feste Bevölkerungsanteile sollten daher nicht als gesicherte Angaben gelten. Öffentliche Dienste arbeiten im Allgemeinen auf Arabisch. Unterstützung in lokalen Sprachen kann von der Familie, der Gemeinschaft oder privater Vermittlung abhängen. Die verfassungsmäßigen Rechte auf Gleichheit, Teilhabe, Meinungsäußerung und Bildung begründen kein allgemeines Recht auf öffentliche Dienste in Mehri oder Soqotri. Der Erhalt der Sprachen wird vor allem durch den Gebrauch in Gemeinschaften, mündliches Kulturerbe, Dokumentation, Dichtung, Sprachzentren und Workshops unterstützt. Das Mehri Language Center for Studies and Research (Mehri-Sprachzentrum für Studien und Forschung) arbeitet in Al Mahrah zu Forschung, Dokumentation und kulturellem Erbe. Das Soqotri Language Center (Soqotri-Sprachzentrum) und ein Workshop von UNESCO, ARC-WH und dem Soqotri Language Center im Jahr 2024 in Hadibo befassten sich mit Dokumentation, gemeinschaftlicher Dichtung, muttersprachlicher Bildung und möglichen Schriftsystemen. Diese Initiativen stellen keine umgesetzte landesweite Sprachpolitik dar; auch gibt es für Soqotri keine etablierte standardisierte Orthografie.
Sprache im Jemen
Arabisch ist die einzige Amtssprache des Jemen und die wichtigste Sprache in Verwaltung, Bildung, Justiz, öffentlicher Information und Medien. Modernes Hocharabisch, auch Fuṣḥá genannt, wird in formellen und schriftlichen Zusammenhängen verwendet, während im Alltag jemenitische Arabischvarianten gesprochen werden. Mehri und Soqotri sind weiterhin wichtige lokale Sprachen, besonders in Al Mahrah und auf Sokotra; ein landesweit geltender offizieller Status ist für sie jedoch nicht etabliert.
Tipp
Verwenden Sie für formelle Angelegenheiten im Jemen Arabisch, etwa in der Verwaltung, im Bildungswesen, bei Prüfungen, öffentlichen Diensten und amtlichen Informationen. Nutzen Sie im Alltag die lokale jemenitische Variante, die Ihre Gesprächspartner verstehen. Behandeln Sie Mehri und Soqotri als Sprachen der Gemeinschaft und Kultur und gehen Sie nicht davon aus, dass sie für amtliche Dokumente oder öffentliche Dienste akzeptiert werden. Englisch kann die Bildung unterstützen, ersetzt aber nicht Arabisch in formellen Verfahren.

