Archäologische Funde belegen frühe Aktivitäten der Altsteinzeit bei Barogali und Oued Doure vor etwa 1,6 bis 1,3 Millionen Jahren. In Abourma gibt es rund drei Kilometer prähistorische Felsgravuren, die mit Viehhaltung, sozialer Organisation und Hierarchie in Verbindung gebracht werden. Die auf etwa 3000 v. Chr. datierten Awellos-Grabstätten, die besonders in der Umgebung von Randa, Tadjourah und Ali-Sabieh zu finden sind, liefern weitere Hinweise auf frühe lokale Gesellschaften; einige Datierungen und Deutungen sind jedoch nur begrenzt abgesichert. Die Küste Dschibutis gehörte zur Handelswelt des Roten Meeres und des Golfs von Aden. Die Islamisierung verband das Gebiet mit Arabien, Zeila, Harar und dem weiteren Horn von Afrika. Im Mittelalter bestanden politische Verbindungen zu den größeren Machtbereichen Ifat und Adal; später gewannen von Afar geführte Sultanate wie Aussa, Tadjourah und Rahaita vor Ort an Bedeutung. Afar- und Issa-/Somali-Führungspersönlichkeiten prägten auch den frühneuzeitlichen Handel, den Karawanenverkehr und die Verbindungen zur Küste. Diese regionalen Mächte entsprachen nicht genau den Grenzen des heutigen Staates; schriftliche Berichte stammen zudem oft von außerhalb des Gebiets. Lokale mündliche Überlieferungen liefern weitere Hinweise, müssen aber quellenkritisch geprüft werden. Frankreich erwarb Obock 1862 durch einen Vertrag mit dem Sultan von Tadjourah und weitete 1884 und 1885 sein Protektorat auf das Gebiet des Golfs von Tadjourah und die Issa-Gebiete aus. 1892 löste Dschibuti Obock als Verwaltungs- und Hafenzentrum ab. Von 1896 an hieß das Gebiet Côte française des Somalis oder Französisch-Somaliland. Grenzregelungen mit Äthiopien, Britisch-Somaliland und Italien machten das Gebiet gemeinsam mit der Eisenbahnstrecke Dschibuti–Addis Abeba zu einem Hafen-, Transit-, Militär- und Zollzentrum. Der Bahnbau begann 1897; 1917 erreichte die Strecke Addis Abeba. Das Kolonialsystem konzentrierte sich stärker auf strategische Infrastruktur und Transit als auf die Ansiedlung großer Bevölkerungsgruppen aus Frankreich. Ein Referendum von 1958 bestätigte den Verbleib des Gebiets in Verbindung mit Frankreich. Beim umstrittenen Referendum von 1967 stimmten 22.555 Menschen für die Verbindung mit Frankreich und 14.666 dagegen. Anschließend wurde das Gebiet in Territoire français des Afars et des Issas umbenannt. Die Vereinten Nationen und die Organisation für Afrikanische Einheit begleiteten den Entkolonialisierungsprozess. Am 27. Juni 1977 wurde Dschibuti zur République de Djibouti und trat am 20. September 1977 den Vereinten Nationen bei. Von 1977 bis in die 1990er-Jahre dominierte die Rassemblement populaire pour le progrès unter Präsident Hassan Gouled Aptidon die Politik. Ab 1992 wurde Mehrparteienpolitik ermöglicht, die Regierungspartei behielt jedoch ihre politische Vorrangstellung. Historische Spannungen um die politische Repräsentation von Afar und Issa trugen zum bewaffneten FRUD-Konflikt bei, der im November 1991 begann und sich vor allem auf die nördlichen Regionen Obock und Tadjourah konzentrierte. Die Kämpfe beschädigten die Infrastruktur, verursachten Vertreibungen und hinterließen Folgen durch Landminen. Auf ein Friedensabkommen vom Dezember 1994 folgten weitere Kämpfe mit einer anderen FRUD-Fraktion, bis am 12. Mai 2001 eine abschließende Friedensvereinbarung geschlossen wurde. Ismail Omar Guelleh ist seit 1999 Präsident. Das heutige Dschibuti ist weiterhin von historischen Entwicklungen geprägt, die durch seine strategische Lage, die französische Militärpräsenz, die Hafen- und Transitwirtschaft sowie die Folgen regionaler Kriege und Flüchtlingsbewegungen entstanden. Historische Deutungen sollten koloniale Namen und Grenzen von früheren politischen Gemeinschaften unterscheiden. Ethnische Zugehörigkeit, politische Repräsentation und historische Herrschaft sind nicht gleichzusetzen. Nützliche Belege finden sich in Entkolonialisierungs- und Mitgliedschaftsdokumenten der Vereinten Nationen, Materialien der UNESCO, kolonialen Verwaltungs- und Militärarchiven, historischen Studien und lokalen mündlichen Überlieferungen. Onlinequellen der Vereinten Nationen, der UNESCO und der Library of Congress sind im Allgemeinen kostenlos zugänglich; der Zugang zu lokalen Archiven ist unterschiedlich geregelt. Feldforschung, Archivbesuche und Denkmalpflege hängen vom jeweiligen Projekt ab und können Genehmigungen erfordern. Eine landesweit geltende Gebührenordnung oder einheitliche Bearbeitungsfrist für historische Forschung ist nicht festgelegt. Für den Schutz archäologischen und immateriellen Kulturerbes sind nationale Kulturbehörden und UNESCO-bezogene Rahmenwerke zuständig; Dschibuti ratifizierte einschlägige UNESCO-Übereinkommen im Jahr 2007.
Geschichte Dschibutis
Die Geschichte Dschibutis verbindet prähistorische Gesellschaften, den Handel am Roten Meer, regionale muslimische Sultanate, die französische Kolonialherrschaft und die 1977 gegründete unabhängige Republik. Die strategische Lage an der Meerenge Bab al-Mandab prägte Häfen, Karawanenwege, Eisenbahnen, militärische Aktivitäten und die Beziehungen zu den Nachbarregionen. Koloniale Grenzen, die Referenden von 1958 und 1967, die Unabhängigkeit und der FRUD-Konflikt sind für das Verständnis der politischen Entwicklung und des öffentlichen Erinnerns im Land zentral.
Tipp
Betrachte die Geschichte Dschibutis als vielschichtige Untersuchung statt als eine einzige feststehende Zeitleiste. Lege zuerst Zeitraum und Ort fest und vergleiche dann institutionelle Dokumente mit lokalen mündlichen Berichten, besonders zu kolonialen Grenzen, den Referenden von 1958 und 1967, der Entkolonialisierung und der politischen Geschichte von Afar und Issa. Berücksichtige, dass Archivzugang, Genehmigungen, Kosten für Feldarbeit und Bearbeitungszeiten unterschiedlich ausfallen können.

