Die praktische Berufsausbildung im Betrieb (apprentissage) ist eine vollständige berufliche Ausbildung durch Arbeit. Ein schriftlicher Ausbildungsvertrag (contrat d’apprentissage) dauert sechs Monate bis höchstens zwei Jahre und kann nicht verlängert werden. Die Ausbildungsperson (maître d’apprentissage) vermittelt schrittweise berufsspezifische Kenntnisse; die auszubildende Person (apprenti) befolgt Anweisungen und betriebliche Regeln. Bei minderjährigen Auszubildenden informiert die Ausbildungsperson die Eltern oder gesetzlichen Vertretungen über Krankheit, Fehlzeiten und schwere Verstöße. Nach Vertragsende stellt der Arbeitgeber ein Zeugnis oder eine Bescheinigung aus, die nicht automatisch einem staatlichen Abschluss entspricht. Das Berufsbildungszeugnis (Certificat de Formation Professionnelle, CFP) ist ein staatlich anerkannter Abschluss auf Qualifikationsstufe VI. Der Lehrgang dauert acht Monate oder 800 Stunden und kombiniert Unterricht mit praktischer Ausbildung. Zugang haben Personen ab 17 Jahren mit keiner oder geringer beruflicher Qualifikation, die arbeiten oder Arbeit suchen. Ein Zulassungsausschuss entscheidet. Gibt es mehr Bewerbungen als Plätze, kann er eine Aufnahmeprüfung verlangen. Das Befähigungszeugnis (Certificat d’Aptitude Professionnelle, CAP) ist ein staatlicher Abschluss der Stufe V für qualifizierte Beschäftigte. Die Erstausbildung dauert zwei Schuljahre. Eine Variante der Weiterbildung steht Personen mit mindestens neunjähriger Schulbildung offen, alternativ Personen mit diesem Schulniveau und zwei Jahren Berufserfahrung oder über die Anerkennung erworbener beruflicher Erfahrung (Validation des Acquis de l’Expérience, VAE), also die formelle Anerkennung vorhandener Berufserfahrung. CAP-Lehrgänge verbinden Unterricht und praktische Arbeit im Betrieb. Die Ausbildung findet in Industrie-, Handels- und Landwirtschaftsbetrieben, Handwerksbetrieben und Auftragsfertigung statt. Spezialisierungen richten sich nach dem Bedarf des Arbeitsmarkts. Beispiele sind CAP Menuisier oder Menuisière sowie Verkehr und Logistik am CSFOP-TL in Balbala. Außerdem gibt es technische und berufliche Gymnasien, Ausbildungszentren und Branchenzentren. Für eine Berufsausbildung im Betrieb gilt grundsätzlich ein Mindestalter von 16 Jahren; eine Ausbildungsperson für minderjährige Auszubildende muss mindestens 25 Jahre alt sein. Der Vertrag wird in vier Ausfertigungen in einer Amtssprache erstellt und dem zuständigen Arbeitsministerium (Ministère du Travail) zur Genehmigung vorgelegt. Geht innerhalb von 30 Tagen keine Antwort ein, gilt das Visum als erteilt. Gesetzliche Vertragsgebühren entfallen; Stempel- oder Registrierungsgebühren sind davon getrennt. Das Ministerium für nationale Bildung und berufliche Bildung (Ministère de l’Education Nationale et de la Formation Professionnelle, MENFOP) ist für berufliche Bildung, CFP- und CAP-Prüfungen sowie das System der technischen und beruflichen Bildung (Enseignement Technique et Formation Professionnelle, EFTP) zuständig. Die Nationale Agentur für Beschäftigung, Ausbildung und berufliche Integration (Agence Nationale de l’Emploi, de la Formation et de l’Insertion Professionnelle, ANEFIP) unterstützt die Berufsvermittlung, registriert Verträge und stellt den Ausweis für Auszubildende (carte d’apprenti) aus. Arbeitgeber, Handwerksbetriebe und Auftragnehmende bieten praktische Ausbildung im Betrieb. Das Arbeitsministerium und die Arbeits- und Sozialrechtsinspektion (Inspection du Travail et des Lois sociales) überwachen Lohn, Arbeitszeit, Nachtarbeit, Ruhezeiten, Urlaub, Hygiene, Sicherheit und Arbeitsunfälle. Auszubildende genießen grundsätzlich denselben arbeitsrechtlichen Schutz wie Beschäftigte, mit Ausnahme der allgemeinen Lohnskala. Die Vergütung wird vereinbart, darf aber nicht unter 25 % des für den Beruf geltenden Lohns liegen. Die Probezeit dauert zwei Monate. In dieser Zeit kann jede Seite das Verhältnis ohne Entschädigung beenden. Danach kommen eine einvernehmliche Beendigung, ein schwerer oder wiederholter Verstoß, bestätigte Nichteignung oder eine Gerichtsentscheidung bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers infrage. Unternehmen mit 100 bis 300 Beschäftigten müssen innerhalb von zwölf Monaten eine Ausbildungsquote von 2 % erreichen, bei 300 bis 500 Beschäftigten 3 % und ab 500 Beschäftigten 5 %. Bei ernster Gefahr für Gesundheit oder körperliche Unversehrtheit kann die Ausbildung ausgesetzt werden; das Ministerium entscheidet innerhalb von 15 Tagen. Die Prüfungen für CFP und CAP umfassen berufliche Praxis und allgemeine Bildung. Für beide Abschlüsse sind mindestens zehn von 20 Punkten im beruflichen Kern und mindestens zehn von 20 Punkten insgesamt erforderlich; pro Jahr gibt es einen Prüfungstermin. Beim CAP können bestandene Teilnoten von mindestens zehn von 20 bis zu drei Jahre angerechnet werden. Unter bestimmten Bedingungen berechtigt der CAP zum Zugang zur première professionnelle oder zum Baccalauréat Professionnel. Einheitliche Angaben zu Kursgebühren, allgemeinen Stipendien und individueller Finanzierung liegen nicht vor. Initiativen von MENFOP und Weltbank bauen betriebliche Bildung, Praktika und die Beteiligung von Frauen, Menschen mit Behinderungen und Geflüchteten aus, begründen aber keinen individuellen Finanzierungsanspruch.
Berufliche Ausbildung in Dschibuti
Berufliche Bildung in Dschibuti vermittelt Kenntnisse für einen bestimmten Beruf oder ein Berufsfeld. Dazu gehören die praktische Ausbildung im Betrieb mit Ausbildungsvertrag sowie Bildungsgänge mit dem Berufsbildungszeugnis (Certificat de Formation Professionnelle, CFP) und dem Befähigungszeugnis (Certificat d’Aptitude Professionnelle, CAP). Die Wege unterscheiden sich bei Zugang, Dauer, Prüfungen und staatlicher Anerkennung.
Tipp
Wenn du in Dschibuti direkt im Betrieb lernen möchtest, eignet sich eine Berufsausbildung im Betrieb nur mit einer passenden Ausbildungsperson und einem ordnungsgemäß genehmigten Vertrag. Für einen staatlichen Abschluss sind CFP oder CAP passender, je nach Alter, Schulbildung und Berufserfahrung. Entscheide zuerst, ob du vor allem Praxiserfahrung, einen staatlichen Abschluss oder beides brauchst.

