Ein 살림집 (sallimjip) ist eine Wohnung oder ein Haus. Das formelle System beruht auf staatlicher Planung, Bau und Zuteilung, bekannt als 배정. Staatliche und lokale Behörden, Arbeitsstellen und andere Organisationen können beeinflussen, welchem Haushalt eine Wohnung zugewiesen wird. Welche Stelle zuständig ist, hängt vom Ort ab und ist landesweit nicht transparent dokumentiert. Bewohner erhalten im Allgemeinen ein Recht zur Nutzung und zum Bewohnen einer Wohnung statt gesicherten Privateigentums. Formelles Privateigentum an Wohnraum und private Vermietung haben für die meisten Bewohner keine direkte Entsprechung. Nordkoreanische offizielle Angaben stellen die Wohnraumversorgung als kostenlos dar. Zugleich wird berichtet, dass Bewohner 사용료 (Nutzungsgebühren) und Instandhaltungskosten zahlen. Verlässliche landesweite Gebührenverzeichnisse und Marktpreise liegen nicht vor. Der Zugang beruht nicht auf einem offenen Antrags- und Angebotsverfahren. Arbeitsplatz, Funktion oder Stellung, Haushaltszusammensetzung, Region, politisch-sozialer Status und das verfügbare Bauprogramm können die Zuteilung beeinflussen. Die regionalen Unterschiede sind erheblich. Der Zugang zu Pjöngjang wird besonders stark kontrolliert. Reisegenehmigungen und weitere behördliche Erlaubnisse erschweren die freie Wahl des Wohnorts in der Praxis, obwohl die Bewegungsfreiheit formal zugesichert wird. Ein Haushalt benötigt normalerweise eine 입사증 oder eine 살림집리용허가증, um eine zugewiesene Wohnung zu beziehen und zu nutzen. Diese Dokumente dienen als Bezugs- oder Wohnnutzungsbescheinigung. Der Haushalt soll die Wohnung entsprechend der Zuteilung nutzen, Änderungen des Wohnsitzes melden, anfallende Nutzungs- oder Instandhaltungskosten zahlen und behördliche Vorgaben einhalten. Welche Stelle die Bescheinigung ausstellt, ist landesweit nicht verlässlich zu überprüfen. Wohnraum kann im Rahmen staatlicher Bauprojekte, durch eine Zuteilung am Arbeitsplatz oder über eine Organisation sowie nach einer Katastrophe bei einem Wiederaufbauprogramm zugewiesen werden. Wiederaufbauprogramme können betroffene Haushalte und Arbeitskräfte bevorzugen. Offizielle Berichte nennen für 2021 bis 2025 Bauziele von 50.000 Wohnungen in Pjöngjang und 25.000 in Komdok. Für 2024 meldeten DVRK-Berichte 40.000 Wohnungen in Pjöngjang, mehr als 100.000 Wohnungen auf dem Land, 20.000 in Komdok und 3.000 in Samjiyon. Diese Zahlen stammen aus offiziellen Selbstauskünften und wurden nicht unabhängig überprüft. Wohnungswechsel, Umzüge und Änderungen der Bewohnerzahl unterliegen behördlicher Kontrolle. Kaufen, Verkaufen oder Untervermieten ohne Genehmigung ist nicht das formelle Verfahren. Seit etwa den 2000er-Jahren haben informelle Wohnungsgeschäfte zugenommen, besonders in Städten. Behördenmitarbeiter mit Zugang zu Bescheinigungen und informelle Vermittler können solche Geschäfte arrangieren. Der daraus entstehende Anspruch und die rechtliche Sicherheit sind jedoch nicht verlässlich. Eine Befragung von Geflüchteten aus Nordkorea für die Jahre 2016 bis 2020 ergab, dass 15,3 % Verkaufserfahrung und 20,5 % Kauferfahrung hatten. Diese Werte sind keine nationalen Statistiken. Berichten zufolge wurden die Kontrollen solcher Geschäfte verschärft. Wohnbedingungen unterscheiden sich je nach Region, Gebäudetyp und Infrastruktur. In der sozialdemografischen Gesundheitsbefragung von 2014 entfielen landesweit 41,7 % auf Reihenhäuser, 32,8 % auf freistehende Häuser und 25,0 % auf Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. In Pjöngjang machten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern 62,9 % aus. Dieselbe Befragung erfasste Wasserleitungen in der Wohnung für 82,1 % der Haushalte und eine private Toilette mit Spülung für 62,5 %. Geheizt wurde häufig mit Kohle (56,5 %) und Holz (48,8 %). Diese Zahlen beschreiben die Verhältnisse von 2014 und sind keine aktuelle nationale Messung. Die Nutzung einer Wohnung kann durch Neuzuteilung, einen genehmigten Umzug, Aufgabe oder eine erzwungene Umsiedlung enden. Berichten zufolge wurden Familien als politische Sanktion zwangsweise aufs Land umgesiedelt. Landesweit geltende aktuelle Regeln zu Erbschaft, Beendigung des Nutzungsrechts, Räumung und Rückgabe einer Wohnung sind nicht hinreichend bestätigt. Auch ein Schutz vor willkürlichem Verlust lässt sich nicht unabhängig bestätigen.
Wohnen in Nordkorea
Das nordkoreanische Wohnsystem weist Haushalten vor allem staatlich kontrollierte Wohnungen zu, statt einen offenen Markt für private Wohnungen anzubieten. Der Zugang hängt häufig von Arbeitsplatz oder Stellung, Haushaltszusammensetzung, Region und sozialem Status ab. Der Zugang zu Pjöngjang ist stärker kontrolliert. Für den Bezug ist eine Verwaltungsbescheinigung nötig; Umzüge und die Übertragung der Nutzung erfordern im Allgemeinen eine behördliche Genehmigung.
Tipp
Wenn verfügbar, ist eine formell zugewiesene Wohnung mit gültiger 입사증 oder 살림집리용허가증 die besser belegbare Grundlage für den Bezug. Sie bietet eine stärkere behördliche Anerkennung als ein informeller Kauf oder eine informelle Miete, kann jedoch die Wohnortwahl einschränken und von Arbeitsplatz, Status, Haushalt und Region abhängen. Ein informelles Geschäft kann Zugang ermöglichen, wenn keine formelle Zuteilung verfügbar ist. Unsichere Ansprüche, verborgene Zahlungen und spätere behördliche Eingriffe machen es jedoch zu einer riskanten Wahl.

