Bhutan verfügt nach dem Disaster Management Act of Bhutan 2013 und den Disaster Management Rules and Regulation 2014 über ein gesetzlich geregeltes, dezentralisiertes Katastrophenmanagementsystem. Die National Disaster Management Authority (NDMA) ist das höchste Entscheidungsgremium. Das Department of Local Governance and Disaster Management (DLGDM) stellt das Sekretariat und koordiniert die nationale Umsetzung. Auf Ebene der Distriktverwaltung (Dzongkhag) arbeiten Katastrophenschutzkomitees unter der Leitung des Distriktgouverneurs (Dzongdag). Die Blockverwaltung (Gewog), die Stadtverwaltung (Thromde) und gegebenenfalls die Unterdistriktverwaltung (Dungkhag) bilden örtliche Unterausschüsse. In älteren Dokumenten kann noch die Bezeichnung Department of Disaster Management (DDM) stehen. Das Risikoprofil ist stark von der Lage im Himalaya geprägt. Erdbeben, Erdrutsche, Sturzfluten, Flussüberschwemmungen und Gletscherseeausbrüche bedrohen besonders Gemeinden nahe großer Flussgebiete, tiefer gelegene Siedlungen, Wasserkraftwerke und andere wichtige Einrichtungen. Waldbrände treten vor allem im trockenen Winter und in anderen Trockenzeiten auf; auch Gebäudebrände gehören zum nationalen Gefahrenprofil. Die Bedeutung der einzelnen Risiken hängt vom Dzongkhag, Flussgebiet, Siedlungsort und der Infrastruktur ab. Die Vorsorge wird über einen nationalen Plan und über Katastrophenschutz- und Notfallpläne auf Ebene der Behörden, Dzongkhag, Gewog und Thromde organisiert. Benannte Behörden und beteiligte private Unternehmen müssen eigene Pläne erstellen. Diese werden mindestens einmal jährlich aktualisiert und mindestens alle fünf Jahre überprüft. Sie sollten unter anderem Gefahren- und Verwundbarkeitskarten, Übungen, Schulungen für Gemeinden und Such- und Rettungsteams, Ausrüstung, Simulationsübungen und Bewertungen sozialer Verwundbarkeit berücksichtigen. Katastrophenvorsorge sollte außerdem in Entwicklungspläne sowie Bau- und Infrastrukturvorhaben aufgenommen werden. Das Disaster Management Information System unterstützt die Informationslage; das Incident Command System teilt während eines Einsatzes Verantwortlichkeiten zu. Das National Center for Hydrology and Meteorology (NCHM) betreibt hydrometeorologische Warnungen sowie Warnsysteme für Überschwemmungen und Gletscherseeausbrüche. Automatische Stationen übermitteln Messwerte etwa alle 15 Minuten an die Leitstelle und zentrale Datenbank. Das National Weather and Flood Warning Centre und der Flood Monitoring and Control Room sind rund um die Uhr in Betrieb. Für bestimmte Gebiete gibt es besondere Verfahren, darunter die Flussgebiete von Ammochhu und Puna-Wangdue sowie Paro und Thimphu. Warnungen und Hinweise werden über Audio- und audiovisuelle Medien und andere verfügbare Kanäle verbreitet. Abdeckung, Sammelpunkte und sichere Routen richten sich jedoch nach dem örtlichen Plan oder der einschlägigen Einsatzanweisung. Bei einem Ereignis, das lokal in einem Gewog oder einer Thromde bewältigt werden kann, aktiviert die betroffene lokale Verwaltung ihr Incident Management Team, übermittelt dem DDMO oder dem Katastrophenschutzkomitee des Dzongkhag einen First Incident Report und kann eine Evakuierung anordnen. Betrifft das Ereignis einen ganzen oder einen Teil eines Dzongkhag oder mehrere Dzongkhag, aktiviert das Komitee das Dzongkhag Emergency Operations Centre; das National Emergency Operations Centre überwacht die Koordination. Der erste Bericht ist innerhalb von 24 Stunden und eine vorläufige Schadens- und Bedarfsermittlung innerhalb von 72 Stunden vorzulegen. Übersteigt ein Ereignis die nationale Kapazität, übernimmt die NDMA die nationale Koordination. Ein Incident Commander leitet den Gesamteinsatz oder den Einsatzort; Such- und Rettungsteams können landesweit und lokal eingesetzt werden. Bei einer Evakuierung kontaktiert die zuständige Verwaltung von Gewog oder Thromde beziehungsweise das Komitee des Dzongkhag die bedrohten Gebiete. Nach einer Anordnung bringen die Behörden Menschen in sichere Bereiche oder Notunterkünfte. Eine öffentlich bestätigte, landesweit einheitliche Liste aller Sammelpunkte und Notunterkünfte gibt es nicht; örtliche Katastrophenschutzpläne oder Anweisungen des Emergency Operations Centre bestimmen Route, Ziel und Zeitpunkt. Rechtmäßigen Evakuierungs- und Einsatzanordnungen ist praktisch Folge zu leisten. Nothilfe umfasst Lebensmittel, Unterkunft und notwendige Hilfsgüter nach den Mindeststandards des DLGDM oder DDM. Der Zugang führt im Allgemeinen über das Gewog oder die Thromde zum Katastrophenschutzkomitee des Dzongkhag und weiter zum DLGDM, DDM oder zur NDMA. Eine Schadens- und Bedarfsermittlung legt fest, welche Unterstützung erforderlich ist. Nationale oder internationale Hilfe hängt von der vorhandenen nationalen Kapazität und dem festgestellten Bedarf ab; ein allgemeiner individueller Anspruch auf eine bestimmte Geldleistung oder Unterkunft ist nicht eindeutig bestätigt. Der Wiederaufbau folgt einer detaillierten Schadensbewertung, an der auch Versicherungen beteiligt sein können. Wiederherstellung, Wiederaufbau, widerstandsfähige Bauweisen und das Build-Back-Better-Prinzip sollen künftige Schäden verringern. Verwundbare Bauweisen sind zu vermeiden. Finanzierung und Unterstützung hängen von Bewertung, Genehmigung und den betroffenen Institutionen ab; eine automatische oder einheitliche Zahlung gibt es nicht. Schulen, Gesundheitseinrichtungen, Verwaltungsgebäude, Telekommunikation, Straßen und Wasserkraftwerke sind zentrale Bereiche der Widerstandsfähigkeit. Notfallkommunikation, Emergency Operations Centres und wichtige Katastrophenschutzanlagen sichern die Einsatzfähigkeit. Für die dringende Beschaffung von Hilfsgütern und Einsatzmaßnahmen können andere Beschaffungsverfahren gelten; lokale Ausgaben können über das DDM und das Finanzministerium erstattet werden. Behörden, lokale Verwaltungen und benannte private Unternehmen haben Pflichten zur Risikominderung und Planung. Ein Dzongdag oder ein Katastrophenschutzkomitee kann für Einsätze und Hilfe Personal oder Sachmittel von Behörden, zivilgesellschaftlichen Organisationen, privaten Unternehmen oder Einzelpersonen anfordern. Die Royal Bhutan Police, das Freiwilligenkorps (Desuups), die Klostergemeinschaft (Dratshang), Nichtregierungsorganisationen, private Unternehmen und Gemeinden können als Einsatz- oder Hilfsressourcen mitwirken. Für akute Notfälle gelten 110 für Feuer, 112 für medizinische Hilfe und 999 für die Disaster and Crisis Helpline Unit; ein einheitlicher gebührenpflichtiger Katastrophenschutz-Tarif ist nicht festgelegt.
Katastrophenmanagement in Bhutan
Das Katastrophenmanagement in Bhutan umfasst Risiken, Warnungen, Vorsorge, Evakuierung, Nothilfe und Wiederaufbau bei Ereignissen, die Menschen, Umwelt oder kritische Infrastruktur bedrohen. Besonders relevant sind Erdbeben, Sturzfluten, Flussüberschwemmungen, Gletscherseeausbrüche, Erdrutsche, Stürme sowie Wald- und Gebäudebrände. Das staatliche System verbindet nationale Stellen mit Dzongkhag, Gewog und Thromde und passt Maßnahmen an Gefahrenlage und örtliche Kapazitäten an.
Tipp
Richte deine Vorsorge am örtlichen Plan des Dzongkhag, Gewog oder der Thromde und an den konkreten Risiken deines Wohnorts aus. Bei Überschwemmungen, Gletscherseeausbrüchen oder Erdrutschen solltest du dich nicht auf eine landesweite Notunterkunftsliste verlassen, sondern Sammelpunkt, sichere Route und örtliche Warnkanäle im Voraus klären. Folge im Fall einer rechtmäßigen Evakuierungsanordnung den Anweisungen der örtlichen Einsatzleitung.

