Der Südsudan verwendet die Begriffe technische und berufliche Bildung und Ausbildung (Technical and Vocational Education and Training, TVET) sowie berufliche Ausbildung und Kompetenzentwicklung (Vocational Training and Skills Development, VTSD) als Oberbegriffe für das Erlernen von Berufen. Die Directorate of Vocational Training and Skills Development des Ministry of Labour beaufsichtigt öffentliche Berufsausbildungszentren; das Ministry of General Education and Instruction verwaltet die schulische berufliche Bildung. Mehr als 30 Ministerien, staatliche und örtliche Behörden, NGOs, glaubensbasierte Organisationen und private Unternehmen bieten oder unterstützen ebenfalls Ausbildung. Zuständigkeit und Qualität unterscheiden sich deshalb je nach Ort und Anbieter. In der Praxis lernen viele Auszubildende durch informelle betriebliche Ausbildung, Praktika, Lernen am Arbeitsplatz oder arbeitsbasiertes Lernen. Diese Formen sind in der informellen Wirtschaft verbreitet und folgen in der Regel weder einem landesweit einheitlichen Lehrplan noch führen sie automatisch zu einem anerkannten Abschluss. Kurze nichtformale Kurse und mobile TVET-Angebote vermitteln verwandte Kompetenzen, auch für mobile Viehhaltergemeinschaften, sind aber nicht automatisch Berufsausbildungen. Die formelle VTSD-Politik beschreibt einen Bildungsweg mit Foundation-, Intermediate-, Level-I- und Level-II-Ausbildung. Level II kann Unterricht in einem Zentrum mit einer Phase betrieblicher Ausbildung oder einer Berufsausbildung verbinden. Zu den Zielgruppen der Politik gehören Schulabgänger, Erwachsene, Arbeitslose und Unterbeschäftigte, Unternehmer, informell Auszubildende, Binnenvertriebene, Rückkehrer, Menschen mit Behinderungen und andere, die eine zweite Chance auf berufliche Qualifizierung brauchen. Für formelle VTSD-Programme gilt nach der Politik im Allgemeinen ein Mindestalter von 15 Jahren und üblicherweise ein Höchstalter von 50 Jahren. Für zweijährige Programme ist meist Primary 8 oder ein gleichwertiger Bildungsstand erforderlich. Für kürzere Kurse gelten oft keine einheitlichen Zugangsvoraussetzungen; stattdessen kann ein Aufnahmetest eingesetzt werden. Einzelne Berufsausbildungen können zusätzliche Bedingungen festlegen, da keine einzige nationale Zulassungsstelle belegt ist. Die betriebliche Ausbildung sollte Betreuung sowie Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz umfassen. Das Labour Act 2017 weist Arbeitgebern und Beschäftigten Verantwortung für Schulung, Aufsicht und Sicherheit zu. Die VTSD-Politik fordert außerdem Schutz vor den schlimmsten Formen der Kinderarbeit und eine Versicherung für Mitarbeitende und Auszubildende, darunter Menschen, die am Arbeitsplatz lernen. Ein landesweit einheitliches Ausbildungsgeld, eine Gebührenordnung oder ein Stipendium ist nicht belegt. Zahlungen, Kosten, Ausrüstung und Arbeitsbedingungen hängen von Anbieter, Projekt, Arbeitgeber und örtlicher Situation ab. Der politische Rahmen des Südsudan plant strukturierte Berufsausbildungsprogramme, Richtlinien und engere Beziehungen zu privaten Arbeitgebern im Rahmen des General Education Sector Plan 2023–2027. Ein National Training and Examination Board soll nationale Berufsprüfungen und Abschlüsse koordinieren. Anerkennung früherer Lernerfahrungen (Recognition of Prior Learning) und ein National Vocational Qualifications Framework sind politische Ziele. Diese Regelungen sind im Land noch nicht verlässlich etabliert. Auszubildende sollten deshalb schriftlich klären, ob die Ausbildung eine Prüfung, einen betrieblichen Einsatz, eine Berufsprüfung, einen Abschluss und eine Anerkennung bei einem anderen Anbieter oder Arbeitgeber umfasst. Informelle Berufserfahrung kann eine Beschäftigung oder Selbstständigkeit unterstützen; ihre Übertragbarkeit und formelle Anerkennung bleiben jedoch unsicher.
Berufsausbildung im Südsudan
Eine Berufsausbildung im Südsudan bedeutet meist, einen Beruf durch längerfristige praktische Arbeit mit einer erfahrenen Fachkraft zu erlernen, besonders in der informellen Wirtschaft. Anders als in einem landesweit einheitlichen dualen System gibt es bei heutigen Ausbildungsplätzen in der Regel keinen gemeinsamen Lehrplan, kein einheitliches Zertifizierungssystem und keine verlässliche Verbindung zur formellen Berufsbildung. Die südsudanesische Politik definiert eine Berufsausbildung als langfristiges Lernen am Arbeitsplatz, das Unterricht und eine mündliche oder schriftliche Vereinbarung umfassen kann.
Tipp
Wählen Sie eine Berufsausbildung im Südsudan, wenn das betreute Lernen am Arbeitsplatz Ihr wichtigstes Ziel ist und Sie Arbeitgeber oder Anbieter geprüft haben. Die Ausbildung kann für Beschäftigung oder Selbstständigkeit nützlich sein. Gehen Sie aber nicht davon aus, dass sie zu einem landesweit anerkannten Abschluss führt oder sich ohne Weiteres auf einen anderen Anbieter übertragen lässt.

