Der sudanesische Rahmen der Strafjustiz umfasst den Criminal Act 1991 samt Änderungen von 2020, den Criminal Procedure Act 1991, den Child Act 2010, den Traffic Act 2010 und den Cybercrime Act 2007. Das Verfassungsdokument 2019 und offiziell aufgeführte Änderungen, darunter die 2020 und 2025 verzeichneten Änderungen, sowie ratifizierte Menschenrechtsabkommen bieten zusätzliche verfassungs- und menschenrechtliche Bezugspunkte. Diese Vorschriften betreffen Straftaten gegen Personen, Eigentum, öffentliche Ordnung, Staatssicherheit und digitale Systeme sowie Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord. Das sudanesische Strafrecht ist vom Recht des Südsudan getrennt. Eine Strafanzeige kann bei der Sudan Police Force oder der Staatsanwaltschaft erstattet werden. Die Polizei ermittelt normalerweise; die Staatsanwaltschaft leitet oder beaufsichtigt die Ermittlungen, entscheidet über die Anklage und bringt den Fall vor ein Strafgericht. Ordentliche Gerichte verhandeln formell Strafsachen; Rechtsmittelwege bestehen. Die Staatsanwaltschaft soll außerdem Haftorte kontrollieren und Verfahrensrechte überwachen. In Staatssicherheitsfällen können der Militärnachrichtendienst oder der Allgemeine Nachrichtendienst beteiligt sein. Eine amtliche Regierungsbeschreibung berichtete, dass der frühere NISS während der Ermittlungen eine Person einen Monat in Gewahrsam halten konnte; dies war um drei Monate verlängerbar. Eine beschuldigte Person gilt bis zum Beweis ihrer Schuld durch die Anklage als unschuldig. Sie sollte ohne unangemessene Verzögerung über die Gründe der Festnahme und den Vorwurf informiert werden, kann eine anwaltliche Vertretung wählen und darf nicht gezwungen werden, sich selbst zu belasten. Gesetzlich oder laut amtlichen Angaben gibt es in schweren Fällen Rechtshilfe für Personen, die sich keine Vertretung leisten können; praktisch ist sie unterschiedlich verfügbar. Verfahren sollen fair, öffentlich und unabhängig sein und nicht ungerechtfertigt verzögert werden. Verhandlungen in Abwesenheit der beschuldigten Person sind gesetzlich geregelt. Nach den geltenden Beweisgrundsätzen sind durch Zwang oder Folter erlangte Geständnisse unzulässig. Der formelle Ablauf besteht gewöhnlich aus Anzeige oder Meldung, polizeilichen Ermittlungen, staatsanwaltschaftlicher Prüfung, Vorlage beim Strafgericht, Urteil und möglichem Rechtsmittel. In Darfur, Al-Dschazira, Khartum, Sennar und großen Teilen Kordofans sind Gerichte, Polizei und Staatsanwaltschaft infolge des Krieges ausgefallen oder nur zeitweise tätig. In den östlichen Bundesstaaten, Nord-, Nahr-al-Nil-, Süd-Kordofan-, Weißer-Nil- und Blauer-Nil-Staaten waren Dienste eher verfügbar; der Zugang hängt jedoch weiterhin von Sicherheit, Transport, Haftort und vorhandenen Unterlagen ab. Der Sitz der Staatsanwaltschaft befindet sich in Port Sudan. Von den SAF kontrollierte Verfahren können extrem beschleunigt ablaufen; bei RSF-Feld- oder Notstandsgerichten und örtlichen Ernennungen gibt es erhebliche Bedenken zu Transparenz, Unabhängigkeit und Rechtmäßigkeit. De-facto-Strukturen unter Kontrolle der SAF oder RSF sind nicht automatisch als unabhängige ordentliche Strafjustiz zu behandeln. Mögliche Sanktionen sind Freiheitsstrafen, Geldstrafen, lebenslange Freiheitsstrafe, Todesstrafe, Qisas, Diyah und Hudud-Strafen. Qisas bezeichnet in bestimmten schweren Fällen eine vergeltungsbezogene Strafe; Diyah eine damit verbundene finanzielle Entschädigung. Hudud bezeichnet festgelegte Strafkategorien im geltenden Rechtsrahmen. Die Todesstrafe ist für Straftaten ausgeschlossen, die von Personen unter 18 Jahren begangen wurden, und im Allgemeinen auf Qisas, Hudud und besonders schwere Straftaten beschränkt. Personen über 70 Jahren sind im Allgemeinen geschützt, außer in Qisas- oder Hudud-Fällen. Die Änderungen von 2020 schafften Apostasie als Straftat ab, beendeten gewöhnliche öffentliche Auspeitschungen, hoben die Alkoholbeschränkung für Nichtmuslime auf, stellten weibliche Genitalverstümmelung unter Strafe und legten für Identitätsbetrug eine Höchststrafe von zehn Jahren fest. Die Todesstrafe für Vergewaltigung wurde 2020 durch lebenslange Freiheitsstrafe ersetzt. Wegen verbleibender Qisas- und Hudud-Risiken, regionaler Unterschiede und konfliktbedingter Unsicherheit ist eine fallbezogene Rechtsberatung nötig. Für Kinder gilt der Child Act 2010. Ein Kind ist eine Person unter 18 Jahren; die strafrechtliche Verantwortlichkeit beginnt im Allgemeinen mit zwölf Jahren. Family and Child Protection Units verbinden Polizei-, Sozial-, Medizin- und Forensikaufgaben. Kinderspezifische Staatsanwälte und Richter sowie Diversion und alternative Maßnahmen sollen eingesetzt werden; Freiheitsentzug soll letztes Mittel sein und so kurz wie möglich dauern. Die Umsetzung ist uneinheitlich, und Kinder in Konfliktgebieten können weiterhin wie Erwachsene behandelt oder inhaftiert werden. Rekrutierung, Entführung und Inhaftierung von Kindern sind im Krieg besonders schwerwiegende Risiken. Der Traffic Act 2010 erfasst Verletzungen, Todesfälle oder Sachschäden, rücksichtsloses oder gefährliches Fahren, überhöhte Geschwindigkeit, Fahren unter Einfluss, Unfallflucht, Verstöße gegen Verkehrssignale und fahrlässiges Fahren. Verkehrspolizei und Gerichte können diese Fälle behandeln; in bestimmten Situationen kann eine sofortige Einigung zulässig sein. Ein Verkehrstodesfall kann zugleich unter Tötung oder fahrlässige Tötung nach dem Criminal Act fallen. Aktuelle landesweite Angaben zu Strafhöhen und Vollzug sind nicht verlässlich bestätigt; auf ältere Tarife sollte man sich daher nicht verlassen. Der Cybercrime Act 2007 kann anwendbar sein, wenn eine Handlung ganz oder teilweise außerhalb des Sudan stattfindet, aber eine Wirkung im Sudan entfaltet. Er betrifft unbefugten Zugang oder Änderung von Daten, Störungen, Abfangen, Erpressung, Betrug, Identitätsmissbrauch, Zahlungskartendaten, Privatsphäre, öffentliche Ordnung, Moral, Religion, Terrorismus oder Sicherheitsinformationen, geistiges Eigentum, Menschenhandel, Betäubungsmittel und Geldwäsche. Zu den berichteten Höchststrafen gehören fünf Jahre für manche Zugangs- oder Datendelikte, zehn Jahre für manche Störungs-, Privatseiten- oder Sicherheitsdelikte und zwölf Jahre für bestimmte Zahlungskartendelikte; eine Einziehung kann ebenfalls möglich sein. Die Änderung von 2020 stärkte den Schutz der Privatsphäre und regelte schädliche Veröffentlichungen. Digitale Äußerungen und Sicherheitsvorwürfe bergen erhebliche rechtliche Risiken. Spezialisierte Cybercrime-Gerichte, Staatsanwaltschaften und Polizeieinheiten wurden beim National Information Center angesiedelt. Betroffene können Straftaten der Polizei oder Staatsanwaltschaft melden. Eine Weisung von 2024 ermöglicht die Annahme von Anzeigen wegen sexueller Gewalt auch außerhalb der ursprünglichen örtlichen Zuständigkeit. Je nach Gebiet können medizinische Einrichtungen, Polizeidienststellen, Family and Child Protection Units und zivilgesellschaftliche Frauenorganisationen Anlaufstellen bieten. Ein verlässlich funktionierendes landesweites Schutzsystem für Opfer und Zeugen gibt es im Sudan nicht; praktische Hilfe, Entschädigung und Wiedergutmachung bei konfliktbezogener sexueller Gewalt bleiben unsicher. Zu geringe Anzeigezahlen, Stigmatisierung und Vergeltungsrisiken können beeinflussen, ob Anzeige erstattet wird und ob das Verfahren fortgeführt wird. Jede Person kann einen mutmaßlichen Straftatbestand melden; der praktische Zugang hängt jedoch von Bundesstaat, territorialer Kontrolle, Sicherheit, Transport, Haftort und verfügbaren Unterlagen ab. Ein verlässlich funktionierendes landesweites Online-Meldesystem oder ein einheitlicher Strafverfahrensweg besteht nicht. Verlässliche Angaben zu Routinegebühren und Verfahrensdauer sind nicht verfügbar. Verfahren können sich durch zerstörte Gerichte, fehlende Polizei- oder Staatsanwaltschaftsdienste sowie eingeschränkten Zugang zu Anwälten und Zeugen verzögern. Rechtshilfe kann für berechtigte beschuldigte Personen die finanzielle Belastung verringern; medizinische Versorgung, Transport und Notfallhilfe für Betroffene können von eigenen Mitteln oder zivilgesellschaftlicher Hilfe abhängen. Lokale Gewohnheits- oder informelle Vermittlung kann bei kleineren Streitigkeiten als Übergang oder Alternative dienen, ersetzt aber bei schweren Straftaten nicht die Strafverfolgung des Staates.
Strafrecht im Sudan
Das Strafrecht im Sudan legt Straftaten, Ermittlungen, Strafverfahren, Sanktionen und Rechte beschuldigter und geschädigter Personen fest. Die wichtigsten Rechtsgrundlagen sind der Criminal Act 1991, der Criminal Procedure Act 1991 und die Gesetze von 2010 zu Kindern und Straßenverkehr, ergänzt durch den Cybercrime Act 2007. Formelle Verfahren bestehen, doch Zugang und Durchsetzung unterscheiden sich wegen des 2023 begonnenen Krieges stark zwischen den Bundesstaaten.
Tipp
Behandle eine Strafsache im Sudan sowohl als Rechts- als auch als Zugangsproblem: Der sicherste formelle Weg funktioniert möglicherweise vor Ort nicht; bei Konflikt- und Sicherheitsfällen bestehen erhöhte Risiken. Kläre, ob du einen Schaden meldest, eine beschuldigte Person verteidigst, einem Kind hilfst oder mit einem Verkehrs- oder Digitaldelikt zu tun hast. Sichere Unterlagen und prüfe, welche Stelle sicher handeln kann; hole rechtlichen Rat ein.

