Die portugiesischen Begriffe profissões und ocupações bezeichnen Berufe beziehungsweise Tätigkeiten. Die Classificação Nacional das Profissões de São Tomé e Príncipe (CNP-STP) ordnet Berufsgruppen ein. CAE-STP klassifiziert dagegen die wirtschaftlichen Tätigkeiten von Unternehmen und ist daher keine Berufsklassifikation. Eine profissão liberal ist ein Beruf, der im Allgemeinen eigenverantwortlich und unabhängig ausgeübt wird; für manche solcher Berufe sind außerdem eine Registrierung oder eine cédula profissional, also ein Berufsausweis oder eine Berufszulassung, erforderlich. Bei der Volkszählung von 2012 wurden 56.792 Erwerbstätige ab 10 Jahren erfasst. Die größten Berufsgruppen waren Dienstleistungen und Verkauf mit 14.585 Personen, Landwirtschaft, Fischerei und Forstwirtschaft mit 10.705, Hilfsarbeiten ohne besondere Qualifikation mit 9.649, Handwerk und verwandte Gewerbe mit 7.568, Anlagen- und Maschinenbedienung mit 3.929, Fachkräfte mit 3.258, Techniker der mittleren Qualifikationsebene mit 3.064, Verwaltung mit 2.039, Führung und Leitung mit 1.470 sowie militärische Berufe mit 525 Personen. Diese Zahlen beschreiben das Zählungsjahr und sind nicht als aktuelle Beschäftigtenzahl zu verstehen. Die Unternehmenszählung von 2020 erfasste mit Daten aus 2019 im formellen Unternehmenssektor 10.019 Personen und 1.192 Betriebe. Im Handel und in der Reparatur waren 3.024 Personen beschäftigt, in der Fertigung 1.892, im Verkehr 632, im Beherbergungs- und Gaststättengewerbe 615, in der Landwirtschaft 601 und in Verwaltung sowie sonstigen Dienstleistungen 817. Die Zählung erfasste formell registrierte, örtlich identifizierbare Unternehmen; informelle Arbeit ist daher statistisch unterrepräsentiert. Formelle Beschäftigung konzentriert sich auf Água Grande: Dort entfielen 5.946 Vollzeitstellen beziehungsweise 69,1 Prozent der erfassten Gesamtzahl. Auf Caué entfielen 940 beziehungsweise 10,9 Prozent und auf die Autonome Region Príncipe (RAP) 281 beziehungsweise 3,3 Prozent. Príncipe hat eine eigene Regionaldelegation und ein Centro de Aperfeiçoamento e Desenvolvimento Rural (CADR), obwohl das Volumen der formellen Beschäftigung dort geringer ist. Das Arbeitsministerium für Arbeit, Solidarität, soziale Sicherheit und Familie (MTSSS) ist über die Direcção do Trabalho, Emprego e Formação Profissional (DTEFP), das Centro de Formação Profissional de São Tomé e Príncipe (CFP-STP) und die Inspecção-Geral do Trabalho (IGT) für Arbeitsangelegenheiten zuständig. Das Instituto Nacional de Segurança Social (INSS) bearbeitet die soziale Sicherheit. Für Bildung und Ausbildung sind unter anderem das Bildungsministerium für Bildung, Kultur, Wissenschaft und Hochschulbildung über die Direcção do Ensino Secundário e Técnico-Profissional (DESTP), die Universidade de São Tomé e Príncipe (USTP), die Agência Nacional de Avaliação e Acreditação da Educação (ANAACE) und die Agência Nacional de Regulação do Ensino Superior (ANRES) zuständig. Auch Landwirtschaft, natürliche Ressourcen, Justiz, Gesundheit und andere Bereiche haben eigene Behörden. Der Einstieg in Berufe kann über informelles arbeitsbasiertes Lernen, Kurse des CFP-STP, technische und berufliche Ausbildung nach Decreto-Lei 45/2012, ein Studium an der USTP oder einer anderen Hochschule sowie über berufsbezogene Wege erfolgen. Die technische und berufliche Ausbildung umfasst praktische Arbeit und ist in Stufen gegliedert: Nível I vermittelt grundlegende Fertigkeiten unter Aufsicht; Nível II vermittelt operative Fertigkeiten mit teilweiser Selbstständigkeit; Nível III umfasst selbstständige Aufgaben und Verantwortung; Nível IV vermittelt umfassende technische und theoretische Kenntnisse. Für eine Lehrtätigkeit ist nach Decreto-Lei 05/2022 eine zusätzliche pädagogische Qualifikation erforderlich. Ein Kurszertifikat, Diplom oder anderer Abschluss kann eine Ausbildung belegen; Anerkennung oder Gleichwertigkeit kann jedoch eine Prüfung durch die zuständige Bildungsbehörde erfordern. Es gibt für São Tomé und Príncipe keine verlässlichen Belege für ein einziges nationales Register oder eine Lizenz, die alle Berufe abdeckt. Der Zugang ist je nach Beruf geregelt. Die ärztliche Tätigkeit wird von der Ordem dos Médicos de São Tomé e Príncipe (ORMED-STP) beaufsichtigt, die sich mit Qualifikationen, Ethik, beruflichem Verhalten und Aufsicht befasst. Die anwaltliche Tätigkeit wird nach Lei 10/2006 durch die Ordem dos Advogados São-Tomense (OASTP) reguliert. Für die Berufsbezeichnung und gerichtliche Vertretungsmandate sind im Allgemeinen eine berufliche Registrierung und eine gültige cédula erforderlich; das vorgeschriebene Praktikum dauert 12 Monate. Für andere Bereiche können besondere Anforderungen gelten; diese sollten bei der zuständigen Behörde geprüft und nicht einfach vorausgesetzt werden. Das Código do Trabalho, Lei 6/2019, regelt die allgemeinen Beschäftigungsbedingungen. Schriftliche Beschäftigungsunterlagen sollten Berufsgruppe und Aufgaben, Arbeitsort, Dauer, Vergütung, Arbeitszeit, Urlaub und Kündigungsfrist nennen. Die reguläre Höchstarbeitszeit beträgt 8 Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich; zulässige Ausnahmen können durchschnittlich bis zu 45 Wochenstunden erreichen. Beschäftigte erhalten mindestens 22 Arbeitstage Jahresurlaub. Der gesetzliche Mindestlohn richtet sich nach einer Rechtsformel, die regelmäßig aktualisiert wird. Die IGT überwacht Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit und Verstöße. Bei Arbeitsstreitigkeiten kann ein Schlichtungsverfahren mit einer Höchstdauer von 15 Tagen stattfinden. Das Mindestarbeitsalter beträgt 15 Jahre. Ab 14 Jahren ist nur leichte Arbeit unter Schutzbedingungen zulässig. Ausländische Fachkräfte benötigen eine Arbeitserlaubnis des MTSSS oder der von ihm beauftragten Behörde, Qualifikationsnachweise und den Nachweis eines Bedarfs, wenn kein ausreichendes nationales Angebot verfügbar ist. Der schriftliche Vertrag kann bis zu drei Jahre dauern. Zugelassene Arbeitskräfte erhalten nach den geltenden Regeln Gleichbehandlung. Arbeitgeber müssen außerdem die Ausbildung nationaler Ersatzkräfte unterstützen; auf Arbeitsplätzen der Führungsebene müssen mindestens 20 Prozent der Beschäftigten Staatsangehörige sein. Kosten und Bearbeitungszeiten unterscheiden sich je nach Kurs, Einrichtung und reglementiertem Beruf. Für eine landesweit einheitliche Gebühr oder Bearbeitungsfrist für Berufszulassungen gibt es keine verlässlichen Belege. Berufliche Tätigkeit bringt außerdem Pflichten hinsichtlich fachlicher Kompetenz, Arbeitssicherheit, Beschäftigungsmeldungen und gegebenenfalls Berufsethik und Disziplinarregeln mit sich. Besondere Risiken bestehen in Landwirtschaft, Fischerei, Bau, Produktion, Gesundheit und Verkehr. Die berufliche Entwicklung kann den Aufstieg von Nível I bis IV, arbeitsbasiertes Lernen, weitere Ausbildung, einen Abschluss der USTP, eine Lehrbefähigung oder eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst nach dem Estatuto da Função Pública oder einer Sonderregelung umfassen. Beschäftigte in Ausbildung können nach den geltenden Regeln Anspruch auf flexible Arbeitszeiten, Prüfungsurlaub und berufliche Aufstiegsmöglichkeiten haben.
Berufe in São Tomé und Príncipe
Berufe in São Tomé und Príncipe umfassen formelle, nicht formelle und informelle Tätigkeiten in Dienstleistungen, Verkauf, Landwirtschaft, Fischerei, Forstwirtschaft, Handwerk, Produktion, Verwaltung, Gesundheit, Bildung, Tourismus und anderen Bereichen. Der Zugang kann über arbeitsbasiertes Lernen, technische und berufliche Ausbildung, Hochschulbildung oder berufsbezogene Wege erfolgen. Die Regulierung ist uneinheitlich: Allgemeine Beschäftigungsregeln gelten breit, während eine berufliche Registrierung oder Zulassung nur für bestimmte Tätigkeiten erforderlich ist.
Tipp
Wähle deinen beruflichen Weg nach der angestrebten Tätigkeit, dem erforderlichen Maß an Selbstständigkeit und der Frage, ob der Beruf reglementiert ist. Erkundige dich vor einer Zahlung für eine Ausbildung oder vor Arbeitsbeginn bei der zuständigen Stelle, denn ein allgemeines Zertifikat berechtigt nicht automatisch zur Berufsausübung. Bewahre Nachweise über Qualifikationen, Vertragsbedingungen und berufliche Registrierung auf.

