Traditionen in Papua-Neuguinea sind stark lokal geprägt. Großfamilien und Clans organisieren einen großen Teil der Wissensweitergabe, Kinderbetreuung, Subsistenzproduktion und des Austauschs. Rechte an Land, Fischerei, Jagd und Waldnutzung richten sich häufig nach Gewohnheitsrecht. Verwandtschaftssysteme können je nach Region patrilinear, matrilinear oder gemischt sein. Beiträge von Verwandten können zu Heirat, Initiation, Friedensschlüssen, Entschädigung und weiteren Austauschformen gehören. Der Jahreszyklus umfasst lokale Rituale, Ernte-, Fest- und Austauschzeiten sowie öffentliche Kulturfestivals. Viele nationale und provinziale Shows finden zwischen Juli und November statt; am 16. September wird der Unabhängigkeitstag von Feiern in Provinzen und Gemeinden begleitet. Hiri Moale findet gewöhnlich im März oder April während der Passatzeit statt und erinnert an Handelsfahrten der Motu und aus dem Golfgebiet. Zu den bekannten Kulturveranstaltungen zählen die Goroka Show, Mount Hagen Cultural Show, Enga Cultural Show, Sepik River Crocodile and Arts Festival, Mask and Waragwira Festival sowie National Kenu and Kundu Festival. Christliche Feiertage und der National Repentance Day können den öffentlichen Kalender prägen; ihre religiöse Bedeutung hängt von der jeweiligen Glaubensgemeinschaft ab. Praktiken im Lebensverlauf umfassen Bräuche zu Geburt, Tod und Bestattung, Heirat und Brautpreis, Menarche-Rituale, männliche Initiation, Friedensschlüsse, Entschädigung und wirtschaftlichen Austausch. Einheitliche nationale Rituale gibt es nicht. Tanz, Musik und Festessen begleiten diese Ereignisse häufig, doch Bedeutung, Ablauf und Teilnahmebedingungen unterscheiden sich je nach Gemeinschaft. Menarche-Rituale und männliche Initiationen gehen in manchen Gegenden zurück, während andere Gemeinschaften sie fortführen oder anpassen. Essenspraktiken können zeremonielle Bedeutung haben. Mumu bezeichnet das Garen in einem Erdofen; Sago, Gartenprodukte, Vieh und Tauschlebensmittel kommen bei Festen und Gemeinschaftsveranstaltungen häufig vor. Rezepte und Ernährung gehören zur Essenspraxis selbst. Hier geht es darum, wie Zubereitung, Teilen und Austausch Essen mit Familie und zeremoniellem Leben verbinden. Bilas kann Gesichts- oder Körperbemalung, Federn, Kopfschmuck, Grasröcke, Schmuck, Tätowierungen und lokal anerkannte Motive umfassen. Besonders bei Zeremonien und öffentlichen Darbietungen können diese Ort, Gruppe oder Status kennzeichnen. Eine Nahaufnahme oder spätere kommerzielle Verwendung ist nicht automatisch erlaubt. Zuerst sind die für das Wissen oder die Gegenstände verantwortlichen Personen zu fragen. Musik, Tanz und mündliche Erzählungen drücken lokale Identität aus. Das Kundu ist eine Sanduhrtrommel, die in vielen musikalischen und zeremoniellen Zusammenhängen gespielt wird. Stringbands und christliche Hymnen vermischen sich manchmal mit älteren Formen, passen sie an oder ersetzen sie. Die National Performing Arts Troupe bewahrt traditionelle Lieder, Musik und Tanzrepertoires und führt sie auf; für Ausdrucksformen im Besitz der Gemeinschaft bleiben die lokalen Bewahrer zuständig. Zu Kunsthandwerkstraditionen gehören Schnitzarbeiten aus Sepik, Gulf, Massim und Huon, Masken und Krokodilfiguren, handgewebte Bilum-Taschen, Tontöpfe zum Kochen, der Bau von Kanus und Lagatois, Schmuck sowie Praktiken mit Muschelgeld. Ein Tambaran ist im Sepik-Gebiet ein heiliges Männerhaus. Tabu ist Muschelgeld, das besonders mit East New Britain verbunden ist. Kina und Toea bezeichnen sowohl traditionelle Formen von Muschelgeld als auch in einem anderen Zusammenhang die Währungseinheiten der Landeswährung Papua-Neuguineas. Lagatoi und Kenu sind traditionelle Kanutypen; Hiri bezeichnet Handelsfahrten der Motu und aus dem Golfgebiet. In einigen Gemeinschaften haben Metalltöpfe Tontöpfe ersetzt; ältere Generationen sind möglicherweise die letzten Bewahrer bestimmter Herstellungstechniken. Einige heilige Schnitzarbeiten gelangten auf Märkte, ohne dass ihre kulturelle Funktion dadurch ersetzt wurde. Regionale Beispiele sind Goroka, Mount Hagen und Enga im Hochland; Sepik und Morobe in Momase; Motuan-Koita, Central, Gulf und Milne Bay im Süden und in den Papua-Gebieten; sowie Tolai, Baining, Pomio, East New Britain und Bougainville auf den Inseln. Diese Beispiele sind nicht vollständig. Migration und Austausch verbinden Praktiken außerdem über Regionen hinweg. Öffentliche Shows, Museen und Märkte ermöglichen Zugang zu kulturellen Ausdrucksformen. Für heilige, geheime und historisch eingeschränkte Gegenstände gelten örtliche Gewohnheitsprotokolle. Traditionelles Wissen kann Regeln zu Eigentum, Nutzung, Einschränkung und Weitergabe unterliegen. Die National Cultural Commission (NCC) verlangt nach ihrem kulturpolitischen Ansatz für die Nutzung durch Außenstehende eine freie, vorherige und informierte Zustimmung. Die Zustimmung sollte daher von den zuständigen Bewahrern stammen, nicht von einer unbeteiligten Veranstaltungsorganisation. Für die Ausübung von Traditionen gibt es kein einheitliches nationales Zugangsverfahren, Gebühren- oder Registrierungssystem; Kosten für Festivals, Märkte und Tourismus hängen von Veranstaltung und Provinz ab. Die NCC koordiniert kulturelle Aktivitäten in den Provinzen und arbeitet mit dem Institute of Papua New Guinea Studies, dem National Film Institute und der National Performing Arts Troupe zusammen. Das National Museum and Art Gallery (NMAG) schützt und dokumentiert Stätten und Kulturgüter. Auch Provinzregierungen, Kulturzentren, Distrikte, Local-Level-Regierungen, Clans, Gemeinschaften, Kirchen, Nichtregierungsorganisationen und private Unternehmen können mitwirken. Der National Cultural Property (Preservation) Act regelt geschützte Gegenstände und deren Ausfuhr. Papua-Neuguinea ratifizierte das UNESCO-Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes am 12. September 2008; die National Cultural Policy 2022–2032 behandelt dessen Bewahrung als fortdauernde nationale Aufgabe. Die Verfassung erkennt Gewohnheitsrecht als Teil des zugrunde liegenden Rechts an, soweit es nicht Verfassungsrecht, geschriebenen Gesetzen oder grundlegenden Menschlichkeitsstandards widerspricht. Der Staat hat die Aufgabe, Kultur zu bewahren, zu schützen, zugänglich zu machen, weiterzuentwickeln und zu fördern. Gemeinschaften und Eltern tragen fortlaufend dazu bei, Wissen, Werte, Sprachen, Normen und Praktiken weiterzugeben. Verstädterung, eingeführte Lebensweisen, Medien und Marktaktivitäten verändern, wie Traditionen erlernt und gezeigt werden. Festivals, Kulturzentren, Schulen, Tourismusmärkte, Archive, lokale Lehrverhältnisse und Kreativwirtschaft können die Weitergabe unterstützen; eine öffentliche Darbietung hebt jedoch weder das Eigentum der Gemeinschaft noch die Erlaubnispflicht auf.
Traditionen in Papua-Neuguinea
Traditionen in Papua-Neuguinea sind überlieferte und sich wandelnde Praktiken, geprägt von mehr als 800 Sprachen und kulturellen Gruppen in 22 Provinzen. Familien, Clans und Gemeinschaften geben Zeremonien, Geschichten, Musik, Essenspraktiken, Kleidung, Kunsthandwerk und üblichen Austausch weiter. Ein einheitliches nationales Traditionssystem gibt es nicht. Lokale Begriffe sind pasin tumbuna für überlieferte Lebensweisen, singsing für öffentliche kulturelle Darbietungen, bilas für zeremonielle Kleidung und Schmuck sowie wantok für ein Verwandtschafts- und Sozialnetzwerk. Zugang, Bedeutung und Erlaubnis hängen von Provinz, Gemeinschaft, Sprachgruppe, Clan und kulturellen Bewahrern ab.
Tipp
Behandeln Sie Traditionen in Papua-Neuguinea als Wissen im Besitz der Gemeinschaft, nicht als frei verfügbares öffentliches Material. Öffentliche Shows, Museen und Märkte sind ein geeigneter Einstieg für allgemeines Lernen; heilige, geheime oder historisch eingeschränkte Inhalte erfordern jedoch die Zustimmung nach örtlichen Gewohnheiten. Richten Sie Ihr Vorgehen nach dem Zweck aus – Besuch, Fotografie, Kauf, Unterricht oder kommerzielle Weiterverwendung – und halten Sie inne, solange die zuständigen Bewahrer keine eindeutige Zustimmung erteilt haben.

