Niger ist ein Binnenstaat und ein am wenigsten entwickeltes Land mit Nahrungsmitteldefiziten. Die Landwirtschaft trägt mehr als 40 % zum Bruttoinlandsprodukt und sichert mehr als 80 % der erwerbstätigen Bevölkerung Einkommen. Regenfeldbau mit Hirse und Sorghum bildet die wichtigste Getreidegrundlage; auch Mais und Reis tragen zur Versorgung bei. Bewässerungsreis ist besonders in Teilen von Dosso und Tillabéri wichtig; dort gibt es auch Zweiternten. Augenbohnen, Erdnüsse, Sesam, Zwiebeln, Chilis und Erdmandeln sind bedeutende Hülsenfrüchte und Marktfrüchte. Viehhaltung ist für Ernährung und Einkommen zentral: Niger hatte 2024 etwa 62 Millionen Tiere, davon waren ungefähr 60 % kleine Wiederkäuer. Weidewirtschaft und gemischte Ackerbau-Weidewirtschaft verbinden Viehhaltung, Milch, Fleisch und Pflanzenbau. Die Ernährungsgewohnheiten unterscheiden sich in Niger je nach Region. Landesweit überwiegen Getreideanbaugebiete der Sahelzone, während Bewässerungsreis in Teilen von Dosso und Tillabéri eine größere Rolle spielt. Hausa-, Zarma-Sonhrai-, Peulh- und Tuareg-Gemeinschaften verwenden unterschiedliche Bezeichnungen und Zubereitungsweisen. Zu den verbreiteten Formen gehören bouillie, ein Getreidebrei; boule oder pâte, eine Getreidekugel oder -paste, die mit Soße serviert wird; Couscous und Soßen mit Gemüse, Hülsenfrüchten oder Fleisch. Aus Hirse werden Brei, Paste, Couscous, wassalé oder ein Getränk mit Milchprodukten hergestellt. Weitere örtliche Speisen sind dônou, furah, chobbal, tidda, dambou und dégué. Ein nationales Rezeptverzeichnis enthält 518 Rezepte, darunter 269 Getreide-, 100 Gemüse-, 36 Knollen-, 33 Hülsenfrüchte-, 15 Fleisch-, 3 Milchprodukt- und 4 Eierspeisen. Diese Zahlen zeigen die Bandbreite der dokumentierten Zubereitungen, nicht einen festen nationalen Speiseplan. Haushalte verbinden häufig eigene Erzeugung sowie Lagerung und Verarbeitung mit Einkäufen auf Märkten. Weitere Wege sind Milch und Viehprodukte aus der Weidewirtschaft, Nebensaison- oder Bewässerungsanbau, Schulmahlzeiten, humanitäre Lebensmittel- und Ernährungshilfe sowie Geld-, Gutscheine- oder Sozialschutzleistungen. Zugang hängt vom Ort, der Jahreszeit, der Sicherheitslage, funktionierenden Märkten und den Kriterien eines Hilfsprogramms ab. Unsicherheit kann Felder und Märkte beeinträchtigen, besonders in Tillabéri und Diffa. In Diffa, Maradi, Tahoua, Zinder und Agadez gibt es außerdem Gebiete mit Geflüchteten und erhöhten Ernährungs- und Versorgungsrisiken. Der Zugang zu Lebensmitteln und eine vielfältige Ernährung bleiben große Herausforderungen. UNICEF-Daten für 2025 zeigen, dass etwa 13 % der Kinder die Mindestvielfalt in der Ernährung und etwa 11 % eine Mindesternährung erreichten; ungefähr 45 % erhielten in den ausgewerteten Daten weder Obst noch Gemüse. Besonders gefährdet sind Kinder unter fünf Jahren, schwangere und stillende Frauen, Geflüchtete und Binnenvertriebene, Weidewirtschaft betreibende Haushalte und von Krisen betroffene Haushalte. IPC-Prognosen für August 2025 bis Juli 2026 gingen von etwa 1,6 Millionen Kindern im Alter von 6 bis 59 Monaten mit akuter Mangelernährung aus, darunter mehr als 410.000 mit schwerer akuter Mangelernährung, sowie 306.846 schwangeren oder stillenden Frauen, die Unterstützung benötigten. Laut verfügbaren Erkenntnissen essen die Menschen überwiegend zu Hause. Märkte für zubereitete Speisen und informelle Anbieter versorgen Städte und Dörfer; landesweite Daten zu formellen Restaurants und der Abdeckung von Straßenküchen liegen jedoch nicht vor. Preise, Zugang und Hygiene unterscheiden sich nach Markt und Jahreszeit. Die Lebensmittelkosten von Haushalten steigen gewöhnlich in der mageren Jahreszeit, besonders von Juni bis August. Von Mai bis Juli 2026 stiegen die Großhandelspreise für Hirse um etwa 25 % und für Sorghum um etwa 40 %. Im Juli 2026 lagen die Hirsepreise jedoch weiterhin etwa 5 bis 25 % und die Sorghumpreise etwa 10 bis 30 % unter dem Vorjahresniveau. Verkäufe bezuschusster Getreide aus öffentlichen Beständen und Ausfuhrbeschränkungen stützten das Angebot. Tatsächliche Einzelhandelspreise hängen von Ware, Markt, Region, Transport und Jahreszeit ab. Einen verlässlichen landesweiten Richtwert für Restaurantpreise gibt es daher nicht. Die Lebensmittelkontrolle ist auf verschiedene Stellen verteilt. Trinkwasserstandards sind durch Arrêté 141/MSP/LCE/DGSP 2004 festgelegt. Décret 2011-616/PRN/MEL regelt die Hygieneinspektion von Lebensmitteln tierischen Ursprungs. Der Gesundheitsentwicklungsplan Nigers für 2022 bis 2026 weist auf unzureichende Kapazitäten zur Sicherung der Lebensmittel- und Wassersicherheit hin. Im Alltag sind sicheres Wasser, Händehygiene, gründliches Garen, Schutz vor Verunreinigung und sichere Lagerung besonders wichtig, wenn Lebensmittel auf informellen Märkten gekauft oder zubereitet werden. Eine einheitliche landesweite Behörde für Lebensmittelsicherheit ist nicht belegt. Ein gemeinsames Projekt von FAO und Afrikanischer Entwicklungsbank aus dem Jahr 2022 befasste sich mit Lebensmittelsicherheit bei der Verarbeitung in kleinen und mittleren Unternehmen. Die Verfassung Nigers erkennt in Artikel 12 das Recht auf eine gesunde und ausreichende Ernährung sowie auf Trinkwasser an. Artikel 146 verknüpft die öffentliche Politik mit Ernährungssouveränität und nachhaltiger Entwicklung. Niger hat außerdem den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte ratifiziert. Diese Grundsätze begründen keinen automatischen Anspruch aller Haushalte auf kostenlose Mahlzeiten. Der Zugang zu Hilfen hängt vom Programm, Ort, den Auswahlregeln und den verfügbaren Mitteln ab. Die Regierung von Niger, das Ministère de l'Agriculture et de l'Élevage, das Ministère de la Santé Publique, FISAN, das Comité national de prévention et de gestion des crises alimentaires, Gemeinden und Marktteilnehmer haben unterschiedliche Aufgaben. FAO, WFP, UNICEF und IPC unterstützen Forschung, Abstimmung oder Hilfe, ersetzen aber nicht die nationalen Behörden. Die Lebensmittelproduktion ist abhängig von Niederschlägen und durch Dürren, Überschwemmungen, Schädlinge, die Verschlechterung von Böden und Ressourcen sowie Unsicherheit bedroht. Die Verbindung von Ackerbau und Viehhaltung, Wasserbewirtschaftung und Bewässerung, bessere Lagerung und Lieferketten, vielfältigere Hülsenfrüchte und Gemüse, nachhaltige Weidewirtschaft, die Wiederherstellung von Fischteichen und lokale Verarbeitung können die Widerstandsfähigkeit stärken. Die Getreideproduktion lag 2025 bei etwa 5,3 Millionen Tonnen und damit nahe am Fünfjahresdurchschnitt. Die Saison 2026 verlief allgemein günstig, brachte aber weiterhin örtliche Dürre- und Überschwemmungsrisiken mit sich. Diese Bedingungen beeinflussen, welche Lebensmittel verfügbar sind, wie viel sie kosten und wie zuverlässig Haushalte sie beschaffen können.
Ernährung in Niger
Die Ernährung in Niger beruht hauptsächlich auf Hirse, Sorghum, Mais und Reis. Augenbohnen, Erdnüsse, Sesam, Zwiebeln, Chilis und Viehprodukte sorgen für Abwechslung. Haushalte versorgen sich durch eigene Erzeugung, Einkäufe auf Märkten, Weidewirtschaft und Milchprodukte, Bewässerungslandwirtschaft, zubereitete Speisen von Anbietern, Schulmahlzeiten oder gezielte Hilfsangebote. Zugang, Preise, Ernährungsvielfalt und Lebensmittelsicherheit ändern sich je nach Jahreszeit, Ort, Unsicherheitslage und Marktsituation.
Tipp
Richte die Ernährung nach Jahreszeit, lokaler Verfügbarkeit, Haushaltsmitteln und sicherer Zubereitung aus, statt dich auf eine einzige Quelle oder ein Grundnahrungsmittel zu verlassen. Plane besonders während der mageren Jahreszeit oder in Krisen frühzeitig Vorräte, vergleiche aktuelle örtliche Preise und prüfe, ob gezielte Hilfe verfügbar ist. Achte auf Vielfalt und Lebensmittelsicherheit, insbesondere wenn Kinder, schwangere oder stillende Frauen, vertriebene oder von Weidewirtschaft abhängige Haushalte betroffen sind.

