Die Electoral Commission ist Maltas unabhängige Wahlbehörde; das Electoral Office erledigt die operativen Aufgaben. Der wichtigste Rechtsrahmen umfasst die Verfassung Maltas, den General Elections Act, den Local Government Act, den European Parliament Elections Act und den Referenda Act. Der Präsident erlässt nach den Verfassungsregeln den Wahlaufruf für eine Parlamentswahl. Bei einer Parlamentswahl werden Mitglieder des House of Representatives bestimmt. Malta hat als Grundmodell 13 Wahlbezirke mit jeweils fünf Sitzen, insgesamt 65 Sitzen; die Verfassung kann in bestimmten Fällen zusätzliche Sitze vorsehen. Europawahlen verwenden einen landesweiten Wahlkreis. Bei der Wahl 2024 wurden sechs Sitze vergeben. Kommunalwahlen finden in 68 Gemeinden statt. Europawahlen und Kommunalwahlen werden regelmäßig am selben Tag abgehalten; 2029 ist derzeit als nächstes vorgesehenes Wahljahr aufgeführt. Bei einem Referendum wird nicht nach STV gewählt: Die Wähler markieren eine Antwort mit Ja oder Nein. Maltas Präsident wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern durch einen Beschluss des House of Representatives ernannt, der von mindestens zwei Dritteln aller Mitglieder unterstützt wird. Bei einer Parlamentswahl benötigt ein Wähler normalerweise die maltesische Staatsangehörigkeit, ein Alter von mindestens 16 Jahren und einen Aufenthalt in Malta von mindestens sechs zusammenhängenden Monaten oder insgesamt sechs Monaten innerhalb der vorangegangenen 18 Monate. Für manche Personen im Auslandsdienst gelten besondere Ausnahmen. Wahlrecht kann unter Umständen wie gerichtlicher Entmündigung, Geschäftsunfähigkeit, Todesstrafe, einer Freiheitsstrafe von mehr als zwölf Monaten oder einem Wahlvergehen ausgeschlossen sein. Kommunalwahlen stehen maltesischen Staatsangehörigen und registrierten EU-Bürgern mit Wohnsitz in Malta offen; britische Staatsangehörige können nach einer einschlägigen Sonderregel berechtigt sein. Europawahlen betreffen maltesische Staatsangehörige und registrierte EU-Bürger mit Wohnsitz in Malta, die für die Wahl in Malta optieren und nicht zugleich bei derselben Wahl im Herkunftsstaat abstimmen. Das Wählerverzeichnis wird zweimal jährlich für April und Oktober aktualisiert; Registrierungsfristen sind der 31. März und der 30. September. Parlamentswahlen nutzen 13 Bezirksverzeichnisse, Kommunalwahlen 68 Gemeindeverzeichnisse. Für Europawahlen wird das EU-Wählerverzeichnis mit dem allgemeinen Verzeichnis zusammengeführt. Wähler können ihren Status online mit eID prüfen und Registrierungen oder Adressänderungen über Identità erledigen. Nach einem Wahlaufruf erstellt die Kommission binnen fünf Tagen ein aktualisiertes fortlaufendes Verzeichnis, das Personen einschließt, die bis zum Vortag das Mindestwahlalter erreichen. Gegen einen Eintrag oder eine Auslassung kann binnen 21 Tagen nach Veröffentlichung kostenlos beim Revising Officer Beschwerde eingelegt werden; eine Rechtsfrage kann binnen sieben Tagen an den Court of Appeal gehen. Die Electoral Commission sendet das Wahldokument an die registrierte Adresse. Zusätzlich benötigt man einen Personalausweis oder eine eResidence Card. Trifft das Dokument nicht ein, kann der Wähler persönlich bei einer Polizeidienststelle oder einem Local Council Ersatz abholen, später auch bei der Electoral Commission in Naxxar oder dem Gozo Electoral Office. Eine andere Person kann es nicht stellvertretend abholen. Die Wahllokale sind üblicherweise von 07:00 bis 22:00 Uhr geöffnet. Die Stimmabgabe ist nicht verpflichtend. Assistant Electoral Commissioners können Unterstützung leisten; besondere Wahlmöglichkeiten gibt es für bestimmte Gruppen, etwa manche Personen im Ausland oder im Krankenhaus. Eine Braille-Schablone ist verfügbar. Bei STV schreibt der Wähler eine 1 neben den bevorzugten Kandidaten und kann mit 2, 3, 4 und weiteren Präferenzen fortfahren. Die Quote wird berechnet, indem gültige Stimmzettel durch die Zahl der freien Sitze plus eins geteilt werden; das Ergebnis wird abgerundet und anschließend um eins erhöht. Ein Kandidat, der die Quote erreicht, ist gewählt. Überschüssige Stimmen werden proportional auf die nächsten verfügbaren Präferenzen übertragen. Sind noch Sitze offen, wird der Kandidat mit der niedrigsten Gesamtzahl ausgeschlossen; seine Stimmen werden entsprechend der nächsten verfügbaren Präferenzen übertragen. Die Auszählung geht weiter, bis alle Sitze vergeben sind. Ein Stimmzettel ist ungültig, wenn keine Erstpräferenz, mehr als eine Erstpräferenz, eine Erstpräferenz und eine weitere Zahl beim selben Kandidaten oder ein X statt einer Zahl eingetragen ist. Kandidaten für Parlamentswahlen müssen maltesische Staatsangehörige, im allgemeinen Wählerverzeichnis registriert und mindestens 18 Jahre alt sein. Sie reichen eine schriftliche oder elektronische Nominierung ein, die von mindestens vier registrierten Wählern desselben Wahlbezirks unterstützt wird, und zahlen 90 €. Die Kaution wird nur einem gewählten Kandidaten oder einem Kandidaten zurückgezahlt, der mehr als ein Zehntel der abgegebenen Stimmen geteilt durch fünf erhält. Für den Wahlkampf 2026 lag die Ausgabenobergrenze bei 20.000 € je umkämpftem Wahlbezirk; Kandidaten mussten innerhalb von zehn Tagen nach Bekanntgabe des Ergebnisses eine eidesstattliche Abrechnung einreichen. Kandidaten für das Europäische Parlament müssen im EU-Wählerverzeichnis registriert sein. Kandidaten aus einem anderen EU-Staat legen zusätzlich eine Erklärung zu Doppelbewerbung und einem möglichen Ausschluss von der Wahl im Herkunftsstaat vor. Kommunalkandidaten müssen berechtigte EU-Bürger oder britische Staatsangehörige im Kommunalwählerverzeichnis sein. Die Kommission versiegelt Wahlurnen, gleicht Wahlunterlagen ab, gibt die Zahl der abgegebenen Stimmen bekannt und sortiert gültige und ungültige Stimmzettel. Sie kann manuell oder mit dem Electronic Counting System auszählen. Elektronische Auswertung und eindeutige Kennungen sind gesetzlich geregelt. Parteidelegierte erhalten begrenzten Zugang zur Überprüfung; das Wahlgeheimnis bleibt geschützt. Kandidaten oder Bevollmächtigte können nach jeder Auszählung eine Nachzählung verlangen. Normalerweise erklärt die Kommission das Ergebnis spätestens am nächsten Arbeitstag nach der Auszählung und veröffentlicht es unverzüglich im Government Gazette. Stimmzettel und zugehörige Daten werden bis zur Veröffentlichung des Ergebnisses der nächsten Wahl aufbewahrt. Eine Wahlanfechtung kann zu einer Nachzählung oder einer anderen Ergebnisanordnung führen; für Wahlstreitigkeiten und die Annullierung ist der Constitutional Court zuständig. Ausländische Einflussnahme sowie korrupte oder rechtswidrige Praktiken können dazu führen, dass die Kommission eine Wahl aussetzt. Bei der Parlamentswahl 2026 waren 356.832 Personen registriert; 312.129 stimmten ab, 306.036 Stimmzettel waren gültig und 6.093 ungültig. Bei der Europawahl 2024 waren 370.184 Wähler registriert und 270.142 Stimmen wurden abgegeben. Für die Kommunalwahlen 2024 wurden 457.343 registrierte Wähler und 272.607 abgegebene Stimmen verzeichnet. Diese Zahlen beschreiben einzelne Wahlen und begründen keine dauerhafte Wahlbeteiligungsquote. Nach einer Parlamentswahl ernennt der Präsident zum Premierminister das Mitglied, das voraussichtlich eine Mehrheit im House unterstützt. Minister werden aus dem House ernannt; Wähler bestimmen den Premierminister somit nicht direkt.
Wahlen in Malta
In Malta gibt es Parlamentswahlen zum House of Representatives, Wahlen zum Europäischen Parlament, Kommunalwahlen und Referenden. Parlaments-, Europa- und Kommunalwahlen verwenden das übertragbare Einzelstimmrecht (Single Transferable Vote, STV); bei einem Referendum stimmt man mit Ja oder Nein. Wahlberechtigung, Registrierung, Wahldokumente und Auszählungsregeln unterscheiden sich je nach Wahl.
Tipp
Klären Sie zuerst, ob es um eine Parlamentswahl, Europawahl, Kommunalwahl oder ein Referendum geht, denn Berechtigung, Verzeichnisse und Stimmabgabe unterscheiden sich. Prüfen Sie Registrierung und Wahldokument frühzeitig, bringen Sie das erforderliche Ausweisdokument mit und tragen Sie bei STV nummerierte Präferenzen statt beliebiger Zeichen ein. Kandidaten und Bevollmächtigte sollten Fristen, Kautionen, Ausgaben und Auszählungsergebnisse genau dokumentieren, da Verfahrensfehler die Teilnahme oder spätere Anfechtungen beeinflussen können.

