Das grösste erwartete Schadensrisiko in Liechtenstein ist eine Strommangellage. Erdbeben, Rheinhochwasser oder ein Bruch des Rheindamms sowie Cybervorfälle sind ebenfalls bedeutende Risiken. Weitere Gefahren sind Überschwemmungen, Stürme, Erdrutsche, Lawinen, Steinschlag, Murgänge, Oberflächenabfluss und Waldbrände. Infektionskrankheiten können den Katastrophenschutz beeinträchtigen; medizinische Prävention und Behandlung gehören jedoch in erster Linie zum Gesundheitssystem. Das nationale Bevölkerungsschutzsystem schützt Menschen, Umwelt und kritische Infrastrukturen. Das Amt für Bevölkerungsschutz, kurz ABS, übernimmt Gefahrenprävention, Gefahrenzonenplanung, Schutzbauten, Warn- und Evakuierungsplanung, Notfallübungen, Notvorräte und Koordinationsaufgaben. Die Regierung übernimmt die politische Führung. Gemeindeorgane und Gemeindeführungsstäbe bewältigen normalerweise lokale Ereignisse, unterstützt durch Feuerwehren, Samaritervereine, Zivilschutzgruppen, Werk- und Forstdienste. Bergrettung, Suchhunde, Wasserrettung, Lawinendienst, Gesundheitsdienste und vertraglich eingebundene private Anbieter können zusätzlich helfen. Das Bevölkerungsschutzgesetz unterscheidet zwischen normaler, besonderer und ausserordentlicher Lage. Gemeinden und ordentliche Mittel bewältigen eine normale Lage. Eine besondere Lage entsteht, wenn eine Gemeinde überfordert ist oder eine breitere fachliche Beurteilung benötigt. Eine ausserordentliche Lage erfordert externe Hilfe, weil die ordentlichen Mittel nicht ausreichen. In solchen Fällen koordiniert der Landesführungsstab, kurz LFS, oder eine technische Einsatzleitung den Einsatz. Die Regierung kann internationale Hilfe anfordern; die Landespolizei kann Sofortmassnahmen anordnen, wenn Gefahr besteht, bevor der LFS aktiv ist. Liechtenstein hat 23 fest installierte Sirenen. Behörden können sie über Polycom, Mobilfunk oder manuell auslösen. Alertswiss verbreitet Alarme, Warnungen und Informationen über App und Website; Radio ist ein weiterer Kanal. SRG-ICARO, SRF 1, SRF 3 und der Landessender übertragen Notfallinformationen. Eine Sirene ausserhalb des jährlichen Tests am ersten Mittwoch im Februar bedeutet, Radio oder Alertswiss aufzurufen, behördliche Anweisungen zu befolgen und Nachbarn zu informieren. Ein Allgemeiner Alarm signalisiert, dass Informationen einzuholen und Verhaltensanweisungen zu befolgen sind. Ein Wasseralarm gilt nur für gefährdete Gebiete unterhalb von Staudämmen; Betroffene sollen das Gefahrengebiet gemäss amtlicher Anweisung verlassen und nicht selbstständig einen Evakuierungsweg wählen. Die Aktivierung von Cell Broadcast ist geplant, ein aktueller Betrieb ist durch die verfügbaren Belege jedoch nicht bestätigt. Haushalte sollten einen persönlichen Notfallplan, Vorräte für mehrere Tage, ein Radio und Ersatzbatterien sowie Absprachen zur Nachbarschaftshilfe bereithalten. Jede Gemeinde hat mindestens einen Notfalltreffpunkt in einem öffentlichen Gebäude. Behörden aktivieren diese Treffpunkte bei Bedarf. Sie bieten Informationen, Notrufe, Unterstützung, kurzfristige Unterkunft und Verpflegung. Der kommunale Bevölkerungsschutz ist seit 2022 als formelle lokale Aufgabe eingerichtet; es gibt elf Gemeindeeinheiten mit rund 340 Mitgliedern des Gemeindeschutzes. Seine vier Kernleistungen sind Betrieb von Notfalltreffpunkten, Unterstützung bei Evakuierungen, Betreuung schutzbedürftiger Menschen und Verpflegung von Bevölkerung und Einsatzkräften. Notrufnummern sind 117 für die Polizei, 118 für die Feuerwehr, 144 für die medizinische Rettung und 112 für den europäischen Notruf. Bei Aktivierung gibt die Hotline des Landesführungsstabs unter +423 232 9000 Verhaltensanweisungen, nimmt Vermisstmeldungen entgegen und hilft, die nationale Notrufzentrale zu entlasten. Der LFS koordiniert die Wiederherstellung kritischer Infrastrukturen. Im Rahmen des Zollvertrags können auch Schweizer Massnahmen bestimmen, wie Liechtenstein mit Strommangel umgeht. OSTRAL und KIO Gas sind Schweizer Vorsorgemassnahmen für die Strom- und Gasversorgung. Bei einem Stromausfall kann der Inselbetrieb der LKW kritische Infrastrukturen versorgen, nicht jedoch private Haushalte oder die Gesamtwirtschaft. Eine Strommangellage kann zu Sparaufrufen, Einschränkungen, Kontingentierung oder rollierenden Abschaltungen führen. Gefahrenkarten für Wasser, Lawinen, Erdrutsche und Steinschlag sowie Karten zu Oberflächenabfluss unterstützen Gefahrenzonen, Bauauflagen, Schutzbauten und Einsatzplanung. Der Rheindamm wird in fünf Kilometer langen Abschnitten saniert; der Abschluss ist bis 2026 geplant und soll das Risiko verringern. Lawinendienst, Wasser- und Rheinwehr, Sturmwehr und Waldbrandpläne unterstützen Beobachtung, Empfehlungen, Schutzmassnahmen und Evakuierungen. Eine allgemeine öffentliche Gebühr für Warnungen, Notfalltreffpunkte oder Notrufe ist nicht festgelegt. Einzelne Notfall-, Schadens- und Versicherungsfragen richten sich nach dem Fall; eine obligatorische Erdbebenversicherung ist weiterhin ungeklärt und wird zusammen mit der Schweiz diskutiert.
Katastrophen in Liechtenstein
Zu den wichtigsten Katastrophenrisiken in Liechtenstein gehören Strommangel, Erdbeben, Rheinhochwasser oder Dammbruch, Cybervorfälle, Stürme, Erdrutsche, Lawinen, Steinschlag, Murgänge, Oberflächenabfluss und Waldbrände. Das nationale Bevölkerungsschutzsystem verbindet das Amt für Bevölkerungsschutz, die Regierung, Gemeinden, Notdienste und technische Einsatzleitungen, um die Bevölkerung zu warnen, zu schützen, zu evakuieren und zu unterstützen. Sirenen, Alertswiss und Radio verbreiten Warnungen; Notfalltreffpunkte bieten nach offizieller Aktivierung Informationen und kurzfristige Hilfe.
Tipp
Richten Sie die Vorsorge im Haushalt auf Stromausfall, Warnzugang und die für Ihren Wohnort ausgewiesenen Gefahren aus. Nutzen Sie Alertswiss und Radio für Anweisungen, halten Sie Vorräte für mehrere Tage bereit und wissen Sie, wann ein Notdienst oder ein aktivierter Notfalltreffpunkt zu nutzen ist. Erfinden Sie bei einem Wasseralarm keinen eigenen Evakuierungsweg und verlassen Sie sich nicht auf den geplanten Cell-Broadcast-Dienst.

