Alkoholbezogene Straftaten werden in langfristigen Planungsunterlagen für Kiribati als häufigste Kategorie der allgemeinen Kriminalität genannt; ihr Anteil liegt bei etwa 30 Prozent der erfassten allgemeinen Straftaten. Auch Gewalt, Sexualstraftaten und häusliche Gewalt sind erhebliche Probleme. Häusliche Gewalt ist nach dem Te Rau N Te Mwenga Act 2014 (Gesetz zum Schutz des Familienfriedens) ein eigenständiger Straftatbestand. Das Gesetz umfasst körperliche, sexuelle, verbale, emotionale, psychische und wirtschaftliche Misshandlung sowie Nachstellung per Telefon, Textnachricht oder auf anderem elektronischem Weg. Vergewaltigung ist eine Straftat und kann mit lebenslanger Freiheitsstrafe geahndet werden. Untererfassung bleibt ein Problem, weil Stigmatisierung, Tabus und der Druck, Vorfälle durch Versöhnung in der Familie oder Gemeinschaft zu lösen, von einer Anzeige abhalten können. Eine Erhebung aus dem Jahr 2010 ergab, dass 68 Prozent der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren, die jemals in einer Partnerschaft gelebt hatten, irgendwann in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt durch einen Partner erlebt hatten. Diese Zahl ist jedoch keine aktuelle landesweite Prävalenzangabe. Der Kiribati Police Service (KPS) ist der nationale zivile Polizeidienst. Er sorgt für Recht und Ordnung, beugt Straftaten vor, klärt sie auf und schützt Menschen und Eigentum. Zu seinen Aufgaben gehören Strafverfolgung, Gemeindepolizei, Verkehrspolizei, maritime Polizeiarbeit, Finanzermittlungen, nationale Nachrichtengewinnung, die Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität, Strafregister und Fingerabdrücke, Cyberkriminalität sowie die Bearbeitung häuslicher Gewalt und Sexualstraftaten. Die Abteilung für häusliche Gewalt, Kinderschutz und Sexualstraftaten koordiniert Fälle geschlechtsspezifischer Gewalt. Der KPS setzt außerdem auf Gemeindepolizei und Aufklärungsarbeit, unter anderem im Rahmen von Strengthening Peaceful Villages (Stärkung friedlicher Dörfer). Bei einer unmittelbaren Bedrohung rufen Sie den KPS unter 188 an. Aktuelle Kontakte für nicht dringende Anliegen sind +686 75126188, +686 75126190 und +686 74026187. Die KPS-Zentrale befindet sich in Takoronga in Betio. Polizeistationen gibt es unter anderem in Betio, Bairiki, Bikenibeu und Bonriki. Die Polizei-Website ist möglicherweise nicht immer erreichbar; ein Anruf oder der direkte Besuch einer Station ist daher oft der zuverlässigere Kontaktweg. In älteren Regierungs- oder Katastrophenschutzdokumenten stehen die Polizeinummern 192 oder 992, aber nach den aktuellen KPS-Angaben hat 188 Vorrang. Bitten Sie bei einer Anzeige um einen Polizeibericht, bei Bedarf um Dolmetschen ins Englische und bewahren Sie Kleidung, Nachrichten, elektronische Geräte und andere mögliche Beweismittel auf. Forensische Beweise können schnell verloren gehen. Eine bestätigte übliche Gebühr für die Erstattung einer Strafanzeige ist nicht bekannt. Wer von häuslicher Gewalt betroffen ist, kann eine polizeiliche Schutzanordnung beantragen, wenn die Polizei begründeten Anlass zu der Annahme hat, dass Schutz nötig ist. Sie gilt sofort und kann bis zu 14 Tage dauern. Ein Verstoß kann zur Inhaftierung führen; die Angelegenheit sollte im Allgemeinen innerhalb von 24 Stunden dem Magistrates’ Court vorgelegt werden. Das Gericht kann noch am selben Tag eine Notfallschutzanordnung für bis zu 28 Tage, eine vorläufige Schutzanordnung für bis zu 90 Tage oder eine endgültige Schutzanordnung ohne festgelegtes Enddatum erlassen. Bei einem Antrag können die betroffene Person, ein Familienmitglied, eine erziehungsberechtigte Person oder ein Freund, eine Fachkraft der Sozialfürsorge, eine beratende Person, eine Person aus der Gemeindearbeit oder Frauenarbeit, eine rechtsberatende Person, eine Gesundheitsfachkraft, die Leitung einer Schule oder eine Polizeikraft helfen. Anträge können mündlich, schriftlich, telefonisch, per Funk, Textnachricht oder E-Mail gestellt werden. Zuständig sein kann der Magistrates’ Court in der Nähe des Wohnorts, des Arbeitsplatzes oder des Orts, an dem sich der Vorfall ereignet hat. Das Gesetz sieht Informationen zu Gerichtsverfahren, rechtliche Unterstützung, Rechtsmittel, Schutzunterkünfte, medizinische Versorgung und Beratung vor. Wenn genügend Beweise vorliegen, sieht der Rechtsrahmen eine Strafverfolgung vor; Versöhnung oder der Rückzug einer Anzeige sollen nicht das Ziel der Polizei sein. Betroffene können sich an das Kiribati Women and Children Support Centre (KWCSC; Unterstützungszentrum für Frauen und Kinder in Kiribati) wenden. Es bietet kostenlose und vertrauliche Beratung, rechtliche Informationen, Fallbegleitung und Vermittlung an weitere Stellen. SafeNet ist ein nationales Netzwerk, das staatliche und nichtstaatliche Dienste für die Arbeit mit Betroffenen verbindet. Das Ministry of Health and Medical Services (MHMS; Gesundheits- und medizinisches Ministerium) betreibt im Hauptkrankenhaus von Tarawa eine Klinik für häusliche Gewalt und Sexualstraftaten. Der KPS beschreibt eine rund um die Uhr verfügbare Hotline für sexuelle Gewalt und häusliche Gewalt; eine eigene aktuelle Sondernummer ist jedoch über die derzeitigen Polizeikontakte hinaus nicht bestätigt. Schutzunterkünfte sind in Tarawa und Kiritimati dokumentiert. Außerhalb der Hauptzentren sind medizinische, forensische und Unterkunftskapazitäten begrenzter. Reisen zu den äußeren Inseln, Kommunikation und Vermittlungswege können deshalb Hilfe verzögern und zusätzliche Kosten verursachen. Digitale Kriminalität fällt unter den Cybercrime Act 2021 (Gesetz über Cyberkriminalität) und wird von der Cybercrime Unit des KPS untersucht. Zu den Straftaten zählen unbefugter Zugriff oder unbefugtes Abfangen, die Beschädigung von Daten oder Systemen, der Einsatz von Tatwerkzeugen oder gestohlenen Passwörtern, gefälschte Daten, Material über sexuellen Kindesmissbrauch, die Kontaktaufnahme zu Kindern zu deren sexuellem Missbrauch, die unbefugte Offenlegung von Informationen, die Veröffentlichung intimer Bilder sowie bedrohliche, einschüchternde oder belästigende elektronische Kommunikation. Elektronische Beweise können gesichert werden. Das Gesetz sieht unter bestimmten Schutzvorkehrungen und aufgrund gerichtlicher Anordnungen Durchsuchungen, Beschlagnahmen, die Erhebung von Verkehrsdaten und das Abfangen von Kommunikation vor. Als Kontakt für internationale Zusammenarbeit im Bereich Cyberkriminalität sind police.cybercrime@kiribati.gov.ki und +686 74026187 angegeben. Kiribatis Beitritt zum Übereinkommen über Computerkriminalität ist für 2026 verzeichnet; aktuelle landesweite Zahlen zu digitaler Kriminalität und Fällen sind jedoch nicht bestätigt. Kinder und Jugendliche können über Kinderschutzverweisungen, gemeindebasierte außergerichtliche Maßnahmen oder Fallkonferenzen einbezogen werden, an denen Polizei, Sozialfürsorge, Familie sowie traditionelle oder kommunale Führungspersonen beteiligt sind. Den maßgeblichen Rahmen bilden der Children, Young People and Family Welfare Act 2013 (Gesetz über das Wohlergehen von Kindern, Jugendlichen und Familien), der Juvenile Justice Act 2015 (Jugendstrafrechtsgesetz) und die Verfahren des KPS zum Umgang mit jungen Menschen. Zu den möglichen Maßnahmen zählen Beaufsichtigung, gemeinnützige Arbeit, Bildung, berufliche Ausbildung (vocational training) und Wiedereingliederung. Die verfügbaren Zahlen sind unvollständig: Erfasst wurden 42 Fälle mit Kindern in South Tarawa von Januar bis Oktober 2019, 154 Fälle mit Jugendlichen im Jahr 2020, 118 junge Menschen von Januar bis Oktober 2022 und 70 von Januar bis November 2023. In der Zahl für 2022 waren viele geringfügige Verkehrsverstöße und Fälle von Alkoholkonsum Minderjähriger enthalten. Diese Zahlen sind jedoch nicht als vollständige landesweite Gesamtzahlen zu verstehen. Jugendkriminalität hängt in der Praxis eng mit Alkohol, Verkehr sowie familiären und gemeinschaftlichen Umständen zusammen. Für die Sicherheit im Alltag sollten Sie sich von einer unmittelbaren Bedrohung entfernen, einen sicheren Ort aufsuchen und eine gefährliche Person nicht allein konfrontieren. Nach sexueller Gewalt sollten Sie so bald wie möglich den KPS sowie medizinische Dienste oder Unterstützungsangebote für Betroffene kontaktieren und Handlungen vermeiden, durch die Beweise vernichtet werden könnten. Risiken für die Sicherheit in der Gemeinschaft können in dicht besiedelten Gebieten wie South Tarawa und Betio stärker ausgeprägt sein. Auf den äußeren Inseln erschweren Entfernung, Transportmöglichkeiten und begrenzte Ressourcen den Zugang zu Hilfe. Eine verlässliche aktuelle landesweite Aufschlüsselung von Straftaten für alle Inseln gibt es nicht. Ebenso liegen keine Belege dafür vor, dass im ganzen Land gleichzeitig ein vollständig umfassendes System für Opferhilfe und Schutzunterkünfte besteht. Allgemeine Fragen zu digitalem Schutz oder Verbraucherschutz fallen nicht in diesen Bereich der Kriminalitätsinformationen, sofern sie keine mutmaßliche Straftat betreffen.
Kriminalität in Kiribati
Kriminalität in Kiribati umfasst alkoholbezogene Straftaten, Gewalt, Sexualstraftaten, häusliche Gewalt, Jugend- und Verkehrsdelikte sowie digitale Kriminalität. Der Kiribati Police Service ist für Notfallmaßnahmen, Anzeigen, Prävention und Ermittlungen zuständig. Unterstützungsdienste helfen Betroffenen mit medizinischer Versorgung, Beratung, Schutz und Vermittlung an weitere Stellen. Verlässliche aktuelle Kriminalitätsstatistiken für das ganze Land sind nur begrenzt verfügbar. Der Zugang zu Polizei, medizinischer Versorgung und Unterstützungsdiensten kann sich zwischen Tarawa, Kiritimati und den äußeren Inseln unterscheiden.
Tipp
Nutzen Sie den schnellsten sicheren Weg, der zur Situation passt: Rufen Sie bei unmittelbarer Gefahr die 188 an, wenden Sie sich für eine Anzeige an den KPS und beziehen Sie bei Gewalt oder Sexualstraftaten medizinische Dienste oder Unterstützungsangebote für Betroffene ein. Sichern Sie Beweise frühzeitig und klären Sie, ob Polizei, medizinische Versorgung, Transport und eine Schutzunterkunft vor Ort erreichbar sind, insbesondere außerhalb von Tarawa und Kiritimati. Fragen Sie bei häuslicher Gewalt gezielt nach einer polizeilichen Schutzanordnung oder gerichtlichem Schutz, statt sich nur auf eine informelle Versöhnung zu verlassen.

