Der wichtigste Rechtsrahmen umfasst die Verfassung von 1993, das Strafgesetzbuch von 2009 samt den vom Nationalen Rat für nachhaltige Entwicklung erfassten Änderungen, die Strafprozessordnung von 2007 und das Gesetz über die Gerichtsorganisation von 2014. Besondere Strafgesetze betreffen außerdem Korruption, Menschenhandel, Terrorismus, Drogen, Straßenverkehr und technologiebasierte Betrugsmaschen. Maßgeblich ist der Khmer-Originaltext; englische Übersetzungen können unverbindlich oder veraltet sein. Das kambodschanische Strafrecht kennt das Legalitätsprinzip und persönliche Verantwortlichkeit. Im Allgemeinen ist Vorsatz erforderlich; Fahrlässigkeit begründet strafrechtliche Verantwortlichkeit nur, wenn ein Gesetz sie ausdrücklich vorsieht. Der Versuch eines Verbrechens ist strafbar; der Versuch eines Vergehens, wenn das Gesetz dies vorsieht. Anstifter und Gehilfen unterliegen grundsätzlich derselben gesetzlichen Strafe wie die Hauptperson. Juristische Personen können neben einer natürlichen Person mit Geldstrafen und zusätzlichen Sanktionen belegt werden. Straftaten werden nach der Höchststrafe eingeteilt. Ein Verbrechen kann mit lebenslanger Haft oder einer Freiheitsstrafe von mehr als fünf bis zu dreißig Jahren geahndet werden. Ein Vergehen kann mehr als sechs Monate bis zu fünf Jahre Haft nach sich ziehen; eine Übertretung bis zu sechs Monate. Hauptstrafen sind Freiheitsstrafe und Geldstrafe in kambodschanischen Riel. Zusätzliche Strafen können Rechte oder berufliche Tätigkeiten beschränken, das Fahren verbieten, eine Fahrerlaubnis aussetzen, den Aufenthalt in einem Gebiet untersagen, in einschlägigen Fällen Ausreise oder Einreise verbieten, Eigentum einziehen oder die Veröffentlichung des Urteils anordnen. Untersuchungshaft wird auf eine Freiheitsstrafe angerechnet. Die kambodschanische Strafgerichtsbarkeit erfasst im Allgemeinen Taten in Kambodscha, einschließlich Fällen, in denen eine Tatbestandsausführung dort stattfindet. Sie kann auch für kambodschanische Schiffe und Flugzeuge, bestimmte Straftaten kambodschanischer Staatsangehöriger sowie bei einem Verbrechen bestimmte Taten gegen kambodschanische Opfer gelten. Ein rechtskräftiges ausländisches Urteil kann eine erneute Verfolgung derselben Sache verhindern. Die Kriminalpolizei (នគរបាលយុត្តិធម៌) untersucht angezeigte Straftaten, identifiziert und verhaftet Verdächtige innerhalb ihrer gesetzlichen Befugnisse und sammelt Beweise. Der Staatsanwalt (ព្រះរាជអាជ្ញា) am zuständigen Gericht erster Instanz prüft die Polizeiakte, entscheidet über die Einleitung der Strafverfolgung und erhebt gegebenenfalls Anklage. Ein Untersuchungsrichter (ចៅក្រមស៊ើបសួរ) führt, sofern erforderlich, gerichtliche Ermittlungen durch und bearbeitet Maßnahmen wie Haftbefehle, Beschlagnahmen und Sachverständigenbeweise. Die Kriminalpolizei darf allein keine Telekommunikationsüberwachung anordnen; dazu ist die Genehmigung eines Untersuchungsrichters erforderlich. Eine Strafsache kann bei der Polizei oder bei der Staatsanwaltschaft des zuständigen Gerichts erster Instanz angezeigt werden. Polizeigewahrsam kann nach den genannten Regeln der Strafprozessordnung bis zu 48 Stunden dauern. Nach 24 Stunden darf die festgehaltene Person einen Anwalt oder eine andere ausgewählte Person bitten, einen Anwalt zu organisieren. Der Anwalt darf sie bis zu 30 Minuten vertraulich sprechen. Bei Bedarf kann ein Dolmetscher hinzugezogen werden. Der genaue Gerichtszeitplan hängt vom Fall ab; verlässliche landesweit einheitliche Gebührensätze oder eine einheitliche Dauer für alle Strafsachen gibt es nicht. Der reguläre Gerichtsweg führt vom Gericht erster Instanz über das Berufungsgericht zum Obersten Gericht. Die beschuldigte Person gilt als unschuldig, bis ihre Schuld bewiesen ist; sie muss über den Vorwurf informiert werden und darf schweigen, Beweise anfechten, Verteidigung durch einen Anwalt erhalten und einen Dolmetscher nutzen. Verhandlungen sind im Allgemeinen öffentlich. Gerichte lassen üblicherweise relevante Beweise zu und würdigen sie nach ihrer freien Überzeugung; eine erzwungene Erklärung hat jedoch keinen Beweiswert. Unter den geltenden Voraussetzungen können Kaution und richterliche Aufsicht möglich sein. Rechtshilfe kann insbesondere für Minderjährige und mittellose beschuldigte Personen verfügbar sein, sofern die gesetzlichen Bedingungen erfüllt sind. Strafklage und Zivilklage eines Opfers sind rechtlich getrennt. Eine gewöhnliche Anzeige verleiht nicht automatisch den Status einer Zivilpartei. Ein Opfer eines Verbrechens oder Vergehens kann sich beim Untersuchungsrichter beschweren und die Anerkennung als Zivilpartei beantragen; ein Anwalt kann den Antrag im Namen des Opfers stellen. Eine Zivilpartei kann im Strafverfahren Entschädigung oder andere Wiedergutmachung verlangen. Für Opfer und Zeugen gibt es eine formelle Rechtsgrundlage zum Schutz; der umfassendere Schutzrahmen ist jedoch lückenhaft. Eine Person gilt als minderjährig, wenn sie zur Tatzeit unter 18 Jahre alt war. Ein Kind unter 14 darf nach den genannten Jugendregeln nicht festgenommen werden; die Akte wird ohne Strafverfahren bearbeitet und an eine Vertretung oder Sozialbehörde weitergeleitet. Für 14- bis unter 18-Jährige sind spezialisierte Jugendkriminalpolizisten zuständig. Eine Festnahme ist im Allgemeinen auf Minderjährige beschränkt, die bei einem Verbrechen oder Vergehen auf frischer Tat ertappt werden; für ein vorsätzliches Vergehen bei 14- bis unter 16-Jährigen gilt eine zusätzliche Regel. Freiheitsentzug soll letztes Mittel sein; Minderjährige sind von Erwachsenen und nach Geschlecht getrennt unterzubringen. Sie haben Rechte auf einen Anwalt, gegebenenfalls einschließlich Rechtshilfe, eine Vertretungs- oder Betreuungsperson, einen Sozialarbeiter, Dolmetschen, medizinische Versorgung, Privatsphäre, Mitteilung des Vorwurfs sowie Gelegenheit, Beweise und Zeugen zu befragen. Bei Minderjährigen kann ein Staatsanwalt, Untersuchungsrichter, erkennender Richter oder eine Rechtsmittelbehörde eine Diversion anordnen, wenn es um eine Übertretung oder ein Vergehen geht, ausreichende Beweise vorliegen, die minderjährige Person die Tat einräumt und freiwillig zustimmt. Maßnahmen können Schule, Ausbildung, Familien- oder Gemeinschaftsprogramme und Wiedergutmachung umfassen. Mehrere Maßnahmen können bis zu sechs Monate dauern; gemeinnützige Arbeit bis zu 100 Stunden ist nur ab 16 Jahren möglich. Das Ministerium für Soziales, Veteranen und Jugendrehabilitation betreibt ein Jugendrehabilitationszentrum mit Bereichen für Unterbringung, Rehabilitation und Wiedereingliederung. Eine Unterbringung kann über den 18. Geburtstag hinaus bis zum jeweils geltenden Höchstalter von 24 Jahren fortgesetzt werden. Straßenverkehrsdelikte regeln das Straßenverkehrsgesetz von 2014, seine verzeichnete Überarbeitung von 2017 und eine beim Nationalen Ausschuss für Verkehrssicherheit verzeichnete Änderung von 2026. Die Verkehrspolizei setzt Verwaltungsregeln durch, darunter Geldstrafen und Maßnahmen zur Fahrerlaubnis. Fahrlässige Tötung oder Verletzung, gefährliches oder alkoholisiertes Fahren, Unfallflucht und verwandte Straftaten können nach Verkehrsgesetz und Strafgesetzbuch strafrechtliche Verfahren auslösen. Genaue aktuelle Bußgelder und die Wirkung der Änderung von 2026 müssen anhand des Khmer-Rechtstextes geprüft werden. Digitale Straftaten behandeln die Daten- und Computerstraftaten des Strafgesetzbuchs, das Telekommunikationsgesetz von 2015, das E-Commerce-Gesetz von 2019, das Verbraucherschutzgesetz von 2019 und das am 7. April 2026 verkündete Gesetz gegen technologiebasierte Betrugsmaschen. Das Gesetz von 2026 nennt fünf Straftaten, darunter technologiebasierter Betrug, Organisation oder Leitung eines Online-Betrugszentrums, Anwerbung oder Ausbildung von Personen für solchen Betrug, böswillige Sammlung von Identitätsdokumenten oder Daten und bestimmte Geldwäsche. Es erlaubt Strafen bis hin zu lebenslanger Haft, Geldstrafen bis zu 1.000.000.000 Riel und Vermögenseinziehung. Polizeiliche Technologieeinheiten, Staatsanwälte und Gerichte bearbeiten solche Fälle nach den geltenden Regeln des Strafverfahrens.
Strafrecht in Kambodscha
Das Strafrecht in Kambodscha regelt Straftatbestände, persönliche Verantwortlichkeit, Ermittlungen, Strafverfolgung, Gerichtsverfahren und Sanktionen. Das kambodschanische Strafgesetzbuch (Criminal Code, ក្រមព្រហ្មទណ្ឌ) bestimmt Straftaten und Strafen; die Strafprozessordnung (Code of Criminal Procedure, ក្រមនីតិវិធីព្រហ្មទណ្ឌ) regelt Ermittlungen und Verfahren. Gerichte können Freiheitsstrafen, Geldstrafen in Riel und zusätzliche Maßnahmen verhängen; lebenslange Haft ist möglich, die Todesstrafe ist verfassungsrechtlich abgeschafft. Geschädigte können im Strafverfahren einen Zivilanspruch auf Entschädigung geltend machen; eine gewöhnliche Anzeige begründet diesen Status jedoch nicht automatisch.
Tipp
Behandle eine Strafsache in Kambodscha als zeitkritisches Verfahren, bei dem dein Status den nächsten sinnvollen Schritt bestimmt. Beschuldigte sollten anwaltliche Hilfe, nötigenfalls einen Dolmetscher und eine klare Dokumentation des Gewahrsams sichern. Wer als Opfer Entschädigung verlangt, sollte die Anerkennung als Zivilpartei beantragen und sich nicht auf eine gewöhnliche Anzeige verlassen. Gehe nicht davon aus, dass ein Verkehrsbußgeld eine Strafsache wegen Verletzung erledigt oder eine englische Übersetzung das aktuelle Khmer-Recht wiedergibt.

