Die Landschaften des Jemen bilden die Grundlage für Küstenfischerei, Landwirtschaft, Viehhaltung, Imkerei, Siedlungen und kulturelle Praktiken. Das Land hat etwa 2.500 Kilometer Küstenlinie und drei wichtige Gebiete der Meeresnutzung: das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab, den Golf von Aden sowie das Arabische Meer rund um Sokotra. Mangroven, Seegraswiesen, Korallenriffe, Feuchtgebiete und Küstenlagunen reagieren besonders empfindlich auf Verschmutzung, Überfischung, Infrastruktur und ungeplante Entwicklung. Im Landesinneren gibt es Akazien- und Wacholderbestände, Trockenwälder, Gebirgsökosysteme, Wadis, Terrassen, Weideland sowie Wüsten- und Steppenlebensräume. Der Sokotra-Archipel besteht aus vier Hauptinseln und zwei kleineren Felsinseln. Sein Haghier-Hochland, Kalksteinplateaus, Küstenebenen, Trockenwälder und Meereslebensräume beherbergen etwa 825 Pflanzenarten, darunter 307 endemische Arten. Rund 90 % der 34 Reptilienarten und 95 % der 96 Landschneckenarten sind endemisch. Der Archipel beheimatet außerdem 192 Vogelarten, riffbildende Korallen, Küstenfische, Krebstiere, Meeressäuger und Meeresschildkröten. Sokotra wurde 2008 zum UNESCO-Weltnaturerbe und 2003 zum Biosphärenreservat erklärt; die Detwah-Lagune wurde 2007 als Ramsar-Feuchtgebiet ausgewiesen. Das Welterbegebiet umfasst 410.460 Hektar mit einer Pufferzone von 1.740.958 Hektar; etwa 75 % der Landfläche liegen innerhalb der Welterbekomponenten. Zum formellen Naturschutzrahmen des Jemen gehören das Umweltschutzgesetz Nr. 26/1995 und die Durchführungsverordnung Nr. 148/2000. Die Umweltbehörde (EPA) unterstützt den Umweltschutz und die Verwaltung von Schutzgebieten im Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für Wasser und Umwelt (MoWE). Schutzgebiete können auf Empfehlung der EPA durch Beschluss des Premierministers eingerichtet werden. Das nationale Verzeichnis der Clearingstelle nennt sechs Schutzgebiete: die Feuchtgebiete von Aden, Bura'a, Hawf, die Insel Kamaran, den Sokotra-Archipel und Utoma beziehungsweise Autma. Es führt außerdem 40 ökologisch sensible Stätten und 15 Gebiete mit außergewöhnlichem Biodiversitätswert oder besonderem Schutzbedarf auf. Ältere Quellen nennen jedoch andere Zahlen; der lokale Status sollte deshalb überprüft werden. Der Naturschutz-Zonierungsplan Sokotras (CZP) bietet einen Rahmen für Entscheidungen darüber, wo Naturschutz, Besiedlung, Weidewirtschaft, Fischerei, Bau und andere Nutzungen stattfinden dürfen. Ein allgemeiner Managementplan, Entwicklungsrahmenplan, Biosicherheitsmaßnahmen, Abfallwirtschaft, Wiederherstellung von Lebensräumen sowie eine regulierte Weidewirtschaft, Fischerei und Brennholzsammlung bleiben zentrale Managementaufgaben. Für relevante Entwicklungsprojekte ist vorab eine Umweltverträglichkeitsprüfung (EIA) vorgeschrieben. Gouvernements- und Distriktbehörden, die Sokotra-Zweigstelle der EPA, Fischerei- und Tourismusbehörden, Gemeinschaften, Fischereigruppen und zivilgesellschaftliche Organisationen wirken an der Verwaltung mit. Gewohnheitsregeln, Vereinbarungen von Dörfern oder Stämmen, lokale Fischereiregeln, gemeinschaftliche Weide- und Wasserverwaltung sowie Ranger aus Gemeinschaften oder gemeinnützigen Organisationen können an manchen Orten praktisch mehr Einfluss haben als formelle Durchsetzung; ihre rechtliche Verbindlichkeit unterscheidet sich jedoch nach Stätte. Natürliche Ressourcen sind eng mit den Lebensgrundlagen der Haushalte verbunden. Die meisten Fischereien sind kleinmaßstäblich. Den verfügbaren nationalen Zahlen zufolge sind ungefähr 115.000 Kleinfischer und etwa 1.000.500 Haushaltsmitglieder mit dieser Tätigkeit verbunden. Nachhaltige Bewirtschaftung der Bestände, saisonale Sperrzeiten und Verbote zerstörerischer Fangmethoden gehören zu den erklärten Biodiversitätszielen. Etwa 90 % der Wasserentnahmen entfallen auf die Landwirtschaft; Qat verursacht etwa 32 % der Grundwasserentnahmen. Schafe, Ziegen und Kamele tragen Viehhaltung und saisonale Wanderweidewirtschaft. Der Waldanteil wird auf etwa 1 % der Landesfläche geschätzt. Dennoch liefert Gehölzvegetation laut NAFSIP-Zahlen rund 70 % des Energiebedarfs und mehr als die Hälfte des Futters. Brennholzsammlung, Futtergewinnung, Bauholz, Überweidung und Wasserknappheit erzeugen daher unmittelbaren Naturschutzdruck. Dürre, Sturzfluten, Wirbelstürme, Erosion, Wüstenbildung, Boden- und Lebensraumdegradation, invasive Arten, Abfälle, Abwasser und Ölverschmutzung beeinträchtigen natürliche Ökosysteme. Entwicklungsprojekte, Straßen, Häfen, städtische Ausdehnung, Tourismus und Infrastruktur können mit Schutzgebietsregeln oder der Nutzung durch Gemeinschaften in Konflikt geraten. Naturtourismus konzentriert sich besonders auf Sokotra, darunter Orte wie das Meeresschutzgebiet Dihamri, den Delisha-Strand sowie Gebirgs- und Höhlenlandschaften. Lokale Reiseführer, Tourismusbüros, die EPA und zivilgesellschaftliche Gruppen können beteiligt sein; Infrastruktur, Sicherheit, Dienstleistungen und Beteiligung vor Ort sind jedoch unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt keinen verlässlichen landesweiten Standard für Zugangsgenehmigungen, Eintrittsgebühren oder Preise für Naturtourismus. Lokale Regeln, Sicherheitslage, saisonale Einschränkungen und Betriebsvereinbarungen müssen vor Reisen oder Feldarbeit bestätigt werden. Naturschutz, Wiederherstellung, Biodiversitätsinventare, Forschung und Umweltbildung werden von Universitäten, Forschungseinrichtungen, der nationalen Biodiversitätsdatenbank und dem Clearing-House-Mechanismus, Schulen, der EPA, gemeinnützigen Organisationen und internationalen Partnern getragen. Von GEF, UNDP, UNEP, FAO oder UNESCO unterstützte Projekte können finanzielle und fachliche Hilfe bereitstellen; diese Organisationen sind jedoch keine nationalen Vollzugsbehörden des Jemen. Aktuelle Bewertungen beschreiben Sokotras außergewöhnliche Biodiversität weiterhin als vorhanden, während sich terrestrische und marine Ökosysteme durch den kumulativen Druck von Entwicklung, invasiven Arten, Verschmutzung, Klimawandel und nicht nachhaltiger Ressourcennutzung verschlechtern. Praktische Maßnahmen hängen vom konkreten Gouvernement, Schutzgebiet, der Gemeinschaft, dem Ökosystem und der Sicherheitslage ab.
Natur im Jemen
Die Natur im Jemen umfasst Küsten am Roten Meer, am Golf von Aden und am Arabischen Meer, die Tihama-Ebene, Mangroven, Seegraswiesen, Korallenriffe, das westliche Hochland, Wadis, Terrassen, Weideland, Wüsten und Steppen. Sokotra ergänzt dies um Gebirgs-, Plateau-, Küsten- und Meeresökosysteme mit besonders vielen endemischen Arten, darunter Lebensräume des Drachenblutbaums und von Weihrauchbäumen. Naturschutz stützt sich auf nationales Recht, Schutzgebietsverwaltung, lokale Behörden, Gemeinschaften und gemeinnützige Organisationen; Zugang und Durchsetzung unterscheiden sich jedoch je nach Ort.
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