Der Serviço Nacional de Saúde ist das formelle öffentliche Gesundheitssystem Guinea-Bissaus. MINSAP legt die Gesundheitspolitik fest, reguliert Dienste und leitet nationale Programme. Zum System gehören außerdem private, religiöse, NGO- und Anbieter traditioneller Medizin, deren formelle Einbindung in die öffentliche Versorgung jedoch begrenzt ist. INASA unterstützt Forschung, Qualitätskontrolle und das Nationale Gesundheitslabor. CECOME verwaltet Einfuhr, Beschaffung, Herstellung und Vertrieb von Arznei- und Gesundheitsprodukten; ARFAME reguliert Apotheken, Labore, Arzneimittel und weitere Gesundheitsprodukte. Guinea-Bissau hat 11 Gesundheitsregionen, darunter den autonomen Sektor Bissau, und etwa 114 Gesundheitsgebiete. Ein Gesundheitsgebiet versorgt gewöhnlich etwa 5.000 bis 12.000 Menschen. Gesundheitszentren der Typen A, B und C leisten lokale Primärversorgung mit Prävention und Behandlung. Regionalspitäler bilden die erste Überweisungsebene. Das Hospital Nacional Simão Mendes, meist HNSM genannt, ist das wichtigste nationale Referenzspital in Bissau und bietet mit anderen Fachspitälern spezialisierte und tertiäre Versorgung. Begrenzte Kapazitäten können eine Überweisung vom Gesundheitszentrum zum Regionalspital, dann zum HNSM oder eine Ausreise zur Behandlung erfordern, wenn die benötigte Leistung in Guinea-Bissau fehlt. Die nächstgelegene Einrichtung ist nicht immer die geeignete. Gesundheitsdienste konzentrieren sich in Bissau und den Regionalhauptstädten. Entfernung, Transport, Personal, Ausrüstung, Diagnostik und Instandhaltung unterscheiden sich regional. Etwa 66 % der Menschen leben mehr als 5 km von der nächsten Gesundheitseinrichtung entfernt; besonders schwierig ist der Zugang in ländlichen Gebieten, auf Inseln und an anderen schwer erreichbaren Orten. Mobile Kliniken, mobile Labore und Telemedizin können den Zugang erweitern, bieten aber nicht dieselbe Versorgung wie dauerhaft verfügbare lokale Einrichtungen. Ein Telemedizin-Pilot verbindet das HNSM mit Bubaque für Fachberatung, Überweisungen und Schulungen. 2026 wurden zwei mobile Kliniken, ein mobiles Labor und biomedizinische Geräte bereitgestellt; daraus lässt sich keine landesweit regelmäßige Versorgung ableiten. Gemeindegesundheitskräfte (Agentes de Saúde Comunitária) unterstützen die Versorgung in Wohnortnähe. 2025 waren mehr als 2.200 in allen 11 Gesundheitsregionen tätig. Sie leisten integriertes Fallmanagement für Lungenentzündung, Durchfall und Malaria, besuchen Haushalte, informieren, erfassen Schwangerschaften, untersuchen Kinder durch Messung des mittleren Oberarmumfangs und überweisen Menschen an Einrichtungen. 2025 erreichten sie monatlich etwa 123.320 Kinder mit grundlegenden Diensten und unterstützten die regelmäßige Schwangerschaftsvorsorge von etwa 45.203 Schwangeren. Prävention umfasst Impfungen, Malariavorbeugung, Ernährung und Stillberatung, Händehygiene, Moskitonetze, Untersuchungen und Familienplanung. Guinea-Bissau führte am 28. Januar 2026 einen Malariaimpfstoff ein, zunächst für etwa 58.000 Kinder im Alter von 5 bis 59 Monaten in 19 Gesundheitsgebieten und 24 Gesundheitszentren. Regelimpfungen und Nachholkampagnen bleiben erforderlich. Eine Masern-Röteln-Kampagne 2024 umfasste auch Vitamin A und Albendazol. 2025 erhielten 229.944 Kinder eine Gelbfieberimpfung, also 61 % der Berechtigten. Die saisonale Malariaprävention mit Medikamenten erreichte 98 % der Zielkinder. Malaria ist weiterhin eine der größten Krankheitslasten und verursacht mehr als ein Drittel der Konsultationen und Krankenhausaufnahmen. Guinea-Bissau meldete 2025 etwa 114.000 Fälle und mehr als 220 Todesfälle, darunter 45 Kinder unter fünf Jahren. 2026 verteilte eine Kampagne mehr als 1,2 Millionen insektizidbehandelte Netze an über 400.000 Haushalte. Die gemeldete Netznutzung lag bei etwa 84 %, unter dem regionalen Ziel von 95 %. Frühe Tests und Behandlung, konsequente Netznutzung, saisonale Prävention und Impfung wirken zusammen; keine einzelne Maßnahme ersetzt die anderen. Schwangerschaftsversorgung erfordert frühzeitigen Kontakt mit einem Gesundheitszentrum und fortgesetzte Nachsorge. Der erste Vorsorgetermin ist verbreitet, spätere Termine sind weniger regelmäßig und Verhütungsmittel werden selten genutzt. Nationale Leitlinien zur Schwangerschaftsvorsorge und normalen Geburt wurden 2024 aktualisiert; die WHO empfiehlt acht Kontakte während der Schwangerschaft. Casa das Mães bietet vorübergehende Unterkunft für Schwangere, die nahe einer geburtshilflichen Versorgung bleiben müssen. Landesweit gibt es aber nur fünf solcher Einrichtungen, und der Zugang vom Land ist begrenzt. Bei erhöhtem Schwangerschaftsrisiko kann ein früher Umzug näher an eine Geburtshilfe nötig sein, auch wenn Entfernung, Kosten und Transport dies erschweren. Qualifizierte Geburtsbegleitung ist begrenzt; Haus- und Geburtshausgeburten können zusätzliche Risiken bergen. UNICEF schätzte die Müttersterblichkeit 2024 auf 725 je 100.000 Lebendgeburten und die Neugeborenensterblichkeit auf 35 je 1.000. Besuche von Gemeindegesundheitskräften in der ersten Lebenswoche helfen, Probleme früh zu erkennen und zu überweisen. Die Kindergesundheit umfasst Mangelernährung, Malaria, Lungenentzündung, Durchfall und Impfungen. UNICEF schätzte die Sterblichkeit unter Fünfjähriger 2025 auf 74 je 1.000 Lebendgeburten; etwa 30 % der Kinder waren wachstumsverzögert. 2025 wurden 115.972 Kinder gemeindlich untersucht. Das Programm zur integrierten Behandlung akuter Mangelernährung meldete eine Genesungsrate von 78 %; die Behandlung schwerer akuter Mangelernährung war in 52 Einrichtungen verfügbar, Vitamin A erhielten 344.529 Kinder. Mehrfachmikronährstoffe erhielten 5.703 Schwangere oder Stillende. Lebensmittelqualität, Stillen, sauberes Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene beeinflussen die Kindergesundheit neben der klinischen Behandlung. HIV, Tuberkulose, Hepatitis B und C, Durchfall, Lungenentzündung, Malaria und nichtübertragbare Krankheiten sind vorrangige Probleme. HIV-Dienste für Kinder sind in die Primärversorgung integriert. 2025 unterstützten 211 Gesundheitskräfte in allen 11 Regionen die Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung und antiretrovirale Behandlung von Kindern. Nationale Programme umfassen PNLS/HV für HIV, PNLT für Tuberkulose und PNLP für Malaria. Unterbrechungen der Tuberkulose-, antiretroviralen und Behandlung chronischer Krankheiten sind dokumentiert; ein Rezept allein ersetzt keine verlässliche Nachsorge. Seit dem 26. Juni 2026 wurde zudem ein aktiver Mpox-Ausbruch gemeldet. Bis zum 23. August 2026 gab es 58 Verdachtsfälle, 10 bestätigte Fälle und keine Todesfälle; etwa 90 % der bestätigten Fälle lagen in Bissau, einer in Biombo. Die Reaktion umfasst Überwachung, Kontaktbeobachtung, PCR-Tests, Isolation, unterstützende Behandlung, Infektionsprävention und Einbindung der Gemeinden. Etwa 98 % der Verdachtsfälle wurden innerhalb von 48 Stunden untersucht und 87 % der Laborergebnisse lagen innerhalb von 72 Stunden vor. Bei akuten Erkrankungen ist ein Gesundheitszentrum gewöhnlich die erste formelle Anlaufstelle, sofern es die benötigte Leistung sicher erbringen kann. Regionalspitäler nehmen Überweisungen entgegen; HNSM und Fachkliniken behandeln komplexere Fälle. Nationale Bewertungen stellen Lücken bei nichtübertragbaren Krankheiten, psychischer Gesundheit, Chirurgie und Bluttransfusion fest. Die Personalzahlen von MINSAP für 2022 umfassten 235 Allgemeinmediziner, 822 Pflegekräfte, 161 Hebammen, 144 Labortechniker und 63 Pharmazietechniker; Verteilung, Kompetenzen und Motivation sind jedoch ungleich. Das Integrierte Ambulanznetz (Rede Integrada de Ambulâncias) organisiert Notfalltransporte. Die Notrufnummer 112 ist kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Der Dienst verzeichnet im Durchschnitt etwa 15 Transporte zwischen Krankenhäusern und 5 Transporte vor Krankenhausaufnahme pro Monat. Fahrzeugwartung, Entfernung und der Zugang von Inseln oder ländlichen Gebieten bleiben Risiken. Ein Notfall kann daher regionale Überweisung, zentrale Behandlung oder Ausreise erfordern. Die fünfte Ausgabe der Nationalen Liste essenzieller Arzneimittel (Lista Nacional de Medicamentos Essenciais) von 2024 führt Arznei- und Gesundheitsprodukte auf, die für die epidemiologische Lage, den nationalen Entwicklungsplan und validierte Behandlungsprotokolle ausgewählt wurden. Sie umfasst Impfstoffe, Rehydrierungsmittel, neonatale und geburtshilfliche Medikamente sowie Produkte für Malaria, HIV, Tuberkulose, nichtübertragbare Krankheiten, Palliativversorgung und Hilfsmittel. Ein Eintrag belegt nicht, dass ein Produkt in einer bestimmten Einrichtung vorrätig ist. Prüfe Produkt, Stärke, Verfallsdatum, Verpackung und Herkunft, da Engpässe, Qualitätsprobleme und gefälschte Arzneimittel möglich sind. Psychische Gesundheitsdienste sind schlecht dokumentiert und weisen erhebliche Lücken auf. Psychosoziale Unterstützung wird hauptsächlich durch Sozialarbeiter im Gesundheitswesen für von Gewalt oder geschlechtsspezifischer Gewalt betroffene Frauen und Kinder erbracht. Es gab 52 Sozialarbeitsassistenten, darunter 16 in Bissau, die Beratung, Überweisungen und Hausbesuche nach der Entlassung leisteten. Ein landesweit verlässlicher Zugang zu Psychiatrie und Psychotherapie ist nicht dokumentiert. Rehabilitation, Hilfsmittel und Palliativversorgung sind im nationalen Rahmen für Arznei- und Gesundheitsprodukte enthalten; die lokale Versorgungsdichte ist unklar. Nach einer Behandlung kann die Nachsorge Hausbesuche bei Neugeborenen, Sozialarbeitsbesuche in Schutzfällen, fortgesetzte HIV- oder Tuberkulosebehandlung, Kontrolle chronischer Krankheiten und Rehabilitation umfassen. Unterbrechungen können vermeidbare Verschlechterungen auslösen, insbesondere wenn Medikamente oder Transport schwer zu erhalten sind. Frage die Einrichtung nach zuständiger Kontaktperson, nächstem Termin und dem Vorgehen bei erneut auftretenden Symptomen. Direkte Haushaltszahlungen bleiben hoch. Daten der nationalen Gesundheitskonten für 2018 bis 2021 zeigen, dass Familien durchschnittlich mehr als 66 % der laufenden Gesundheitsausgaben finanzierten. In den geprüften Quellen wurde keine aktuelle landesweite Gebührenordnung ermittelt; Kosten können daher nach Einrichtung und Leistung variieren. Impfkampagnen, saisonale Malariaprävention und ausgewählte Programme können kostenlos oder durch Partner finanziert sein. Der Notruf 112 ist kostenlos; Fahrt, Medikamente, Tests und Überweisungen können dennoch finanzielle Hürden schaffen. Guinea-Bissau hat Gesundheitsgebiets-Verwaltungskomitees für gemeindliche Beteiligung, aber die geprüften Quellen belegen kein klar veröffentlichtes landesweites Verfahren für Patientenrechte und Beschwerden. Erkundige dich vor Ort nach Beschwerden, Einwilligung, Akten und Überweisungen.
Gesundheit in Guinea-Bissau
Die Gesundheitsversorgung in Guinea-Bissau erfolgt über den Serviço Nacional de Saúde unter MINSAP sowie private, religiöse, NGO- und traditionelle Anbieter. Gesundheitszentren leisten die Grundversorgung, Regionalspitäler bilden die erste Überweisungsebene und das Hospital Nacional Simão Mendes in Bissau bietet zentrale und fachärztliche Versorgung. Der Zugang unterscheidet sich stark nach Region: Etwa 66 % der Bevölkerung leben mehr als 5 km von einer Gesundheitseinrichtung entfernt; ländliche, Insel- und schwer erreichbare Gemeinden sind besonders betroffen. Prävention, Malariabekämpfung, Mutter-Kind-Versorgung, Medikamente, Notfalltransporte und Nachsorge sind zentrale Bestandteile des Systems.
Tipp
Plane den Zugang zur Gesundheitsversorgung in Guinea-Bissau als Versorgungsweg, nicht nur als Wahl einer Einrichtung. Kläre frühzeitig die geeignete erste Anlaufstelle, Überweisung, Transport, Medikamentenverfügbarkeit und Nachsorge – besonders bei ländlicher oder Inselversorgung, Schwangerschaft, Neugeborenen, Kindern und chronischen Krankheiten. Nutze bei Notfällen 112, plane aber mögliche Verzögerungen, Kosten und begrenzte Fachkapazität ein.

