Zu den neun allgemein anerkannten Sprachgemeinschaften zählen Tigrinya oder Tigrigna, Tigre, Afar, Saho, Bilen oder Blin, Kunama, Nara, Hedareb oder Bidywaat oder Beja sowie Rashaida-Arabisch. Diese Kategorien beschreiben wichtige Sprachgemeinschaften, doch ethnische und sprachliche Grenzen decken sich nicht immer genau. Die Sprachen Eritreas gehören hauptsächlich zu den Sprachfamilien der semitischen, kuschitischen und nilosaharanischen Sprachen. Tigrinya und Tigre werden im Allgemeinen mit der Ge'ez-Schrift geschrieben, Arabisch mit arabischer Schrift und mehrere kleinere Sprachen mit lateinbasierten Orthografien. Schriftsysteme, Standardisierung und verfügbare Sprachressourcen sind nicht in allen Gemeinschaften gleichermaßen entwickelt. Tigrinya, Arabisch und Englisch dienen als faktische Arbeitssprachen. Arbeitssprachen sind Sprachen, die in Verwaltung, Geschäftsleben und formeller Kommunikation verwendet werden; dadurch werden sie nicht zu den alleinigen verfassungsmäßigen Amtssprachen des Landes. Der örtliche Zugang kann von der Region und der Institution abhängen. Gerichte und Verwaltungsstellen verwenden die für das jeweilige Verfahren erforderliche Sprache. Deshalb sollte man vor einem Termin klären, in welcher Sprache das Verfahren geführt wird und ob Dolmetschen möglich ist. Mitglieder der Gemeinschaft leisten oft informell Hilfe in lokalen Sprachen, doch außerhalb bestimmter verfassungsrechtlicher Schutzbestimmungen besteht kein allgemeiner landesweiter Anspruch auf kostenloses Dolmetschen. Artikel 4 der Verfassung garantiert die Gleichheit der Sprachen Eritreas, und Artikel 14 verbietet Diskriminierung aufgrund der Sprache. Artikel 17(3) verlangt, dass Haftgründe und damit verbundene Rechte in einer Sprache mitgeteilt werden, die die betroffene Person versteht. Dieser Schutz ist nicht als allgemeine Garantie für kostenloses Dolmetschen bei jeder Verwaltungs- oder Rechtsangelegenheit zu verstehen. Eine landesweit geltende Sprachanforderung für den Zugang aller Bürgerinnen und Bürger, feste Übersetzungsgebühren oder einheitliche Dolmetschfristen sind nicht verlässlich dokumentiert. Entfernung, begrenzte institutionelle Ressourcen und der Übersetzungsbedarf können Zeit und Kosten erhöhen. Die Bildung folgt einem mehrsprachigen Modell. Vorschul- und Grundschulunterricht kann in den Muttersprachen der Kinder stattfinden; die Grundschule dauert fünf Jahre. Ab der 6. Klasse wird Englisch zur Unterrichtssprache, während die Muttersprachen bis zur 12. Klasse als Fach weitergeführt werden. Lehrbücher und Lehrkräfte sind für alle neun Sprachgemeinschaften dokumentiert. Die Umsetzung unterscheidet sich jedoch wegen fehlender Materialien und qualifizierter Lehrkräfte. Dem Informationsministerium zufolge sendet der staatliche Rundfunk Dimtsi Hafash in allen neun eritreischen Sprachen. Tigrinya, Arabisch und Englisch erreichen innerhalb und außerhalb des Landes ein besonders großes Publikum; Inhalte in lokalen Sprachen hängen hingegen von den verfügbaren Angeboten und der Größe des Publikums ab. Medienangebote belegen für sich genommen keinen Amtssprachenstatus. Mündliche Literatur, Musik, religiöse Praxis und Gemeinschaftsleben sind weiterhin eng mit den lokalen Sprachen verbunden. Die öffentliche Politik beschreibt den Spracherhalt mit dem Grundsatz „Einheit in Vielfalt“, doch Finanzierung, Standardisierung und praktische Unterstützung sind ungleich verteilt. Regionale Varietäten bilden sprachliche Kontinua; manche sind untereinander nur eingeschränkt verständlich. Eine öffentlich zugängliche, landesweit zusammengeführte Dialektkarte oder ein einheitliches Statussystem gibt es für Eritrea nicht.
Sprachen in Eritrea
Eritrea hat eine stark mehrsprachige Sprachlandschaft, die von neun nationalen oder indigenen Sprachgemeinschaften geprägt ist. Keine einzelne Sprache hat den Verfassungsstatus als alleinige Amtssprache des Landes; Tigrinya, Arabisch und Englisch dienen als wichtigste Arbeitssprachen in der nationalen Verwaltung, im Geschäftsleben und in der öffentlichen Kommunikation. Die Sprachverwendung unterscheidet sich je nach Region, Institution und Situation.
Tipp
Behandeln Sie die Sprachwahl in Eritrea als Frage von Ort, Institution und Verfahren, nicht als eine landesweit einheitliche Regel. Klären Sie vor dem Besuch einer Schule, eines Gerichts oder einer Behörde, welche Arbeitssprache verwendet wird und welche Dolmetschmöglichkeiten bestehen, besonders wenn Dokumente oder Rechtsansprüche betroffen sind. Gehen Sie nicht davon aus, dass die gleiche Anerkennung der Sprachen überall dieselbe Servicequalität oder kostenloses Übersetzen garantiert.

