In Eritrea gibt es weder eine einzelne Familienbehörde noch ein einheitliches Verfahren für alle Familienangelegenheiten. Der Transitional Civil Code, auch TCCE genannt, und der Civil Code von 2015 regeln Familienbeziehungen einschließlich Ehe, Scheidung, Vaterschaft, Sorgerecht, Adoption, Unterhalt und Erbschaft. Auseinandersetzungen im Familienrecht werden von Muslimen häufig vor Scharia-Gerichten verhandelt. Wenn sich die Parteien einvernehmlich für den nationalen Code statt den Weg über ein Scharia-Gericht entscheiden, gilt der nationale Code. Religiöse und gewohnheitsrechtliche Eheschließungen sind weiterhin bedeutsam. Ihr Nachweis kann für spätere Familienverfahren eine Rolle spielen. Die rechtliche Ausgangslage legt das Mindestalter für die Eheschließung für alle Geschlechter auf 18 Jahre fest und verlangt gemäß dem TCCE die Zustimmung beider Personen. Auch der Civil Code von 2015 nennt 18 Jahre. In seiner Überprüfung von 2025 weist der CRC jedoch auf Ausnahmen in Artikel 287, 305 und 522(2)–(3) hin. Die Durchsetzung und Praxis sind uneinheitlich. Ältere nationale Daten ergaben, dass 41 % der Frauen im Alter von 20 bis 24 Jahren vor dem 18. Geburtstag geheiratet hatten oder in eine Partnerschaft eingetreten waren und 13 % bereits vor dem 15. Geburtstag. Der Indikator stammt aus dem Jahr 2010 und beschreibt die aktuelle Häufigkeit daher nicht genau. Eheschließungen werden dezentral über das Ministry of Local Government und regionale Zweigstellen registriert. Im verfügbaren Registrierungsprofil sind weder landesweit einheitliche Gebühren und Fristen noch einheitliche Bescheinigungsanforderungen dokumentiert. Die örtliche Behörde und das für die Ehe geltende Verfahren sollten daher direkt erfragt werden. Eltern und gesetzliche Vormunde tragen die Hauptverantwortung für Erziehung, Orientierung, Wohnort, Gesundheit, Bildung und Aufsicht. Unterhalt umfasst Nahrung, Unterkunft, Kleidung, Gesundheitsversorgung und angemessene soziale Bedingungen. Großfamilienangehörige, Nachbarn, religiöse Einrichtungen und Gemeinschaftsstrukturen leisten oft praktische Hilfe, besonders wenn formelle Dienste weit entfernt sind. Gesundheits- und Familienplanungsangebote sind im RMNCAH-NUT&HAA Strategic Plan 2022–2026 vorgesehen; Verfügbarkeit und Zugang können in ländlichen und abgelegenen Gegenden unterschiedlich sein. Die Geburtsregistrierung ist verpflichtend und wird vom Ministry of Local Government über regionale Zweigstellen verwaltet. Die Eltern machen die erforderlichen Angaben. Das verfügbare Landesprofil nennt als Ziel eine Registrierung innerhalb von 90 Tagen ohne Gebühr. Bei verspäteter Registrierung kann eine Gebühr oder Strafe anfallen. Zu den üblicherweise aufgeführten Angaben zählen der Name des Kindes, Ausweise der Eltern, deren Anwesenheit oder Zustimmung, ein Ehebeleg und ein Impfausweis. Formulare und Datenverknüpfungen sind regional nicht vollständig standardisiert, und Familien in ländlichen Gegenden können auf größere Zugangshürden stoßen. Die verfügbaren Belege weisen kein einheitliches landesweites Verfahren, keine einheitliche Gebühr und keinen einheitlichen Ablauf für Sterbeurkunden nach. Scheidung, Sorgerecht, Unterhalt, Vaterschaft und Erbschaft können je nach anwendbarem Weg vor nationalen Gerichten oder Scharia-Gerichten verhandelt werden. Die Proclamation 184/2023 des Ministry of Justice betrifft Reformen bei Gerichten und Staatsanwaltschaften und umfasst Aufgaben zur Verbesserung des Zugangs zur Justiz. Einheitliche landesweite Antragswege, Gebühren, Fristen und Rechtsmittelverfahren sind jedoch nicht dokumentiert. Deshalb können Bezirk, Religion, Eheform und Status des Kindes den konkreten Ablauf verändern. Genitalverstümmelung bei Frauen ist durch Proclamation 158/2007 verboten. Aktuelle Berichte von UNICEF und den Vereinten Nationen stufen Kinderehen und sexuelle Gewalt als strafbar ein. Der CRC fordert in seiner Überprüfung von 2025 zugleich Verbesserungen bei Meldung, Ermittlung sowie kindgerechter medizinischer, forensischer, psychosozialer und rehabilitativer Unterstützung. Die Regelungen zu Körperstrafen sind uneinheitlich; der CRC hat die Aufhebung von Bestimmungen gefordert, die angemessene Züchtigung oder Disziplin erlauben. Eine landesweite Hotline oder zentrale Schutzstelle mit umfassendem Angebot ist nach den verfügbaren Belegen nicht eingerichtet. Das Ministry of Labor and Social Welfare leitet den Kinder- und Sozialschutz. Die National Policy for Social Protection 2021 und der National Social Protection Strategic Plan 2023–2027 sehen ein zentrales Register, Beschwerdemechanismen, kindgerechte Dienste und Schutzvermittlungen vor. Anspruchsvoraussetzungen, Transferbeträge, Antragskosten und Bearbeitungszeiten für eine allgemeine Familienleistung sind jedoch nicht belegt. Zur alternativen Betreuung zählen das Asmara Child Care Center und zwei gemeinschaftliche Wohngruppen außerhalb der Hauptstadt, in Embaderho und Barentu. Das Zentrum nahm von 2021 bis 2023 28 verlassene Kinder, darunter 14 Mädchen, auf; in den beiden Wohngruppen lebten 21 Kinder, darunter 7 Mädchen. Im Jahr 2023 befanden sich im Zentrum 10 Kinder, darunter 4 Mädchen; in den Wohngruppen waren es 21. Zwischen 2021 und 2023 wurden 17 Adoptionen registriert. Die aktuelle Politik setzt eher auf Familiensuche, Wiedereingliederung sowie Betreuung in Familien und Gemeinschaften als auf Unterbringung in Einrichtungen. Vermittlung durch Sozialarbeitende und regelmäßige Überprüfung erfordern weiterhin eine bessere Abdeckung und klarere Standards. Die National Union of Eritrean Women, Gemeinschaften, religiöse Einrichtungen, Sozialarbeitende und örtliche Ausschüsse können praktische Unterstützung anbieten. Ihre Rolle und Erreichbarkeit unterscheiden sich jedoch nach Gebiet. Eritrea hat sechs Verwaltungsregionen. Die Antwort auf eine Familienfrage kann davon abhängen, in welchem Zoba, welchem Unterbezirksausschuss, welcher Religion und Eheform sowie in welcher ländlichen oder städtischen Umgebung die Familie lebt und welche Dokumente vorliegen. Wenn ein formelles Verfahren unklar ist, klären Sie bei der zuständigen regionalen Personenstandsbehörde, dem Dienst des Ministry of Labor and Social Welfare, einem Gericht, Scharia-Gericht oder örtlichen Vermittlungspunkt nach, statt von einem einheitlichen landesweiten Ablauf auszugehen.
Familie in Eritrea
Das Familienleben in Eritrea wird durch Zivilrecht, religiöse und gewohnheitsrechtliche Praktiken, Unterstützung durch die Großfamilie und öffentliche Dienste geprägt. Für Ehe, Elternschaft, Unterhalt, Sorgerecht, Erbschaft, Trennung und Kinderschutz können je nach Religion, Eheform, Wohnort und Umständen unterschiedliche Verfahren gelten. Geburten müssen registriert werden. Innerhalb von 90 Tagen ist die Registrierung in der Regel kostenlos; der Zugang zu anderen Registrierungen und Diensten unterscheidet sich regional.
Tipp
Behandeln Sie Familienangelegenheiten in Eritrea als örtlich und verfahrensbezogen unterschiedliche Fälle. Erfassen Sie zunächst Region, Religion, Eheform, Status des Kindes und verfügbare Unterlagen. Klären Sie anschließend bei der zuständigen Behörde, dem Gericht oder der Beratungsstelle nach, bevor Sie auf eine Frist, Gebühr oder einen Leistungsanspruch vertrauen.

