Die Regierung ist der größte Arbeitgeber in Eritrea. Der formelle Arbeitsmarkt umfasst öffentliche Einrichtungen, staatliche oder mit der PFDJ verbundene Unternehmen, Bergbauprojekte und einen kleinen privaten Sektor. Private Investitionen werden durch Beschränkungen für Kapital, Devisen, Land und Arbeit begrenzt. Viele Menschen arbeiten außerdem in kleinen Betrieben, Familiengeschäften und anderen informellen Tätigkeiten. Die Afrikanische Entwicklungsbank schätzte den Anteil informeller Beschäftigung in ihrem Ausblick für 2026 auf etwa 58 Prozent. Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung leben in ländlichen Gebieten, wo regenabhängige und für den Eigenbedarf betriebene Landwirtschaft von Niederschlag und Wasserverfügbarkeit abhängt. Dürren können daher Produktivität und Haushaltseinkommen verringern. Städte bieten mehr öffentliche Dienste und formelle Einrichtungen; Bergbaustandorte schaffen spezialisierte Beschäftigungsmöglichkeiten. Verlässliche aktuelle Beschäftigungsdaten nach Zoba oder Stadt sind kaum verfügbar. Die Landwirtschaft ist weiterhin die größte Beschäftigungsquelle. In den verfügbaren Untersuchungen entfallen weniger als zehn Prozent der Beschäftigung auf die Industrie. Im Bergbau werden Gold, Kupfer, Zink und Kali abgebaut; dafür sind Fachkräfte nötig, doch die kapitalintensive Struktur begrenzt die Breitenwirkung für die Beschäftigung. Die Dienstleistungen stellten einer Schätzung der Afrikanischen Entwicklungsbank für 2025 zufolge etwa 52,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Auch Bau, Verkehr, Handel, öffentliche Verwaltung, Bildung, Gesundheitsversorgung, Tourismus, Hotels und kleine Fertigungsbetriebe bieten Arbeit. Eritrea weist eine hohe Erwerbsbeteiligung und laut Weltbank eine Schätzung des Humankapitals von 83,5 für 2022 auf. Die modellgestützte Arbeitslosigkeitsschätzung von Weltbank und ILO lag 2024 bei etwa 5,6 Prozent; die Afrikanische Entwicklungsbank schätzte die Jugendarbeitslosigkeit auf etwa 9,4 Prozent. Diese Werte sind modellgestützte Schätzungen und keine Ergebnisse einer vollständig verlässlichen nationalen Arbeitskräfteerhebung. Sie sollten daher nicht als präzise Messwerte behandelt oder ohne Prüfung von Methode und Bezugsjahr miteinander verglichen werden. Der Nationaldienst ist ein zentraler staatlich kontrollierter Weg zur Zuweisung von Arbeit. Proklamation 82/1995 legt für Personen, üblicherweise zwischen 18 und 40 Jahren, 18 Monate fest: sechs Monate militärische Ausbildung und zwölf Monate Dienst. In der Praxis berichten internationale Organisationen und Menschenrechtsberichte von einem Dienst, der unbegrenzt andauern und Verwaltung, Unterricht, Medizin, Bau, technische Tätigkeiten, Landwirtschaft und Bergbau umfassen kann. Die Entlassungspraxis ist uneinheitlich und kann einen Antrag erfordern. Private Arbeit ohne genehmigte Entlassung kann praktische Risiken mit sich bringen. Formelle zivile Arbeitsplätze werden oft durch direkten Kontakt zu Arbeitgebern oder Behörden vermittelt; persönliche Netzwerke und informelle Märkte spielen ebenfalls eine große Rolle. Die Arbeitsproklamation definiert arbeitssuchende Personen als arbeitsfähig und arbeitswillig sowie mindestens 18 Jahre alt. Ein Arbeitsvertrag kann ab 14 Jahren geschlossen werden; ein Vertrag mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr sollte schriftlich sein. Er enthält Dauer, Anfangsdatum, Tätigkeit, Arbeitsort, Lohn, Zahlungsmethode sowie Rechte und Pflichten der Parteien. Die Arbeitsproklamation Nr. 118/2001 gilt für private und staatliche gewinnorientierte Unternehmen und Projekte, nicht jedoch für Militär, Polizei, Sicherheitsdienste, Staatsdienst, Richter und Staatsanwälte sowie bestimmte Führungskräfte. Der Arbeitsinspektionsdienst und der Arbeitsbeziehungsrat zählen zu den zuständigen Einrichtungen. Für erfasste Beschäftigte haben Arbeitgeber Pflichten in Bezug auf Arbeit und Werkzeuge, Würde, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, medizinische Untersuchungen, Schulungen, Register und Arbeitszeugnisse. Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt bei weniger als einem Dienstjahr sieben Tage, bei ein bis zwei Jahren 14 Tage und danach längere Zeiträume. Abfindung kann unabhängig vom Kündigungsgrund fällig sein. Ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn ist in der verfügbaren Forschung nicht verlässlich belegt; ebenso wenig ein amtliches landesweites System der Arbeitslosenabsicherung. Hausarbeit ist weitgehend ungeregelt, im Nationaldienst gezahlte Löhne gelten Berichten zufolge als sehr niedrig, und landesweite Lohnstatistiken sind unzuverlässig. Tarifverhandlungen gibt es für einige qualifizierte Gruppen; ihre Reichweite ist durch den Nationaldienst begrenzt. Die Forschung bezeichnet NCEW als einzige gesetzlich anerkannte Gewerkschaft. Im Arbeitsbeziehungsrat sitzen sieben Vertreter der NCEW, sieben Arbeitgebervertreter und ein Regierungsvertreter. Streiks und Proteste sind in der Praxis stark eingeschränkt. Eritrea hat acht grundlegende ILO-Übereinkommen ratifiziert, darunter solche zu Zwangsarbeit, Vereinigungsfreiheit, Tarifverhandlungen, gleichem Lohn, Diskriminierung und Kinderarbeit. Die Übereinkommen zu Beschäftigungspolitik, Arbeitsschutz, Arbeitsstatistik und Arbeitsaufsicht wurden jedoch nicht ratifiziert. Ein verlässliches landesweites öffentliches Stellenportal oder ein Arbeitsmarktinformationssystem mit transparenten Fristen, Gebühren und Vermittlungsquoten ist nicht dokumentiert. Stellenvermittlung läuft hauptsächlich über den Staat und den Nationaldienst, direkte Arbeitgeberkontakte, persönliche Netzwerke und informelle Märkte. In Verwaltung und technischen Berufen treten wiederkehrend Qualifikationsengpässe auf; Bergbauprojekte beziehen spezialisierte Arbeitskräfte teilweise über Zuweisungen im Nationaldienst. Die technische und berufliche Aus- und Weiterbildung (TVET) fällt in die Zuständigkeit des Bildungsministeriums. Das 2018 dokumentierte Netz umfasste neun formelle TVET-Zentren, das College of Marine and Aquatic Science und das Hamelmalo Agricultural College. Grundstufen dauern sechs bis zwölf Monate, mittlere Stufen zwei Jahre und fortgeschrittene Stufen zwei bis drei Jahre. Zugang, Plätze und Gebühren sind nicht transparent; es gibt keinen nationalen Qualifikationsrahmen, und die Verbindung zwischen Ausbildung und verfügbaren Stellen ist schwach. Das jüngste Wachstum wurde vor allem durch Bergbau und Dienstleistungen getragen, während wirtschaftliche Diversifizierung und Wachstum des privaten Sektors schwach bleiben. Der Klimadruck auf die Landwirtschaft, bessere Qualifikationen durch TVET, höhere landwirtschaftliche Produktivität und beschäftigungsintensive Fertigung sind zentrale Entwicklungsaufgaben. Auswanderung hängt stark mit dem unbegrenzten Nationaldienst, niedrigen Löhnen, eingeschränkter Berufswahl und begrenzten Perspektiven für junge und qualifizierte Menschen zusammen. Für viele Eritreer sind Arbeitsvermittlung und Beschäftigung im Ausland sowie die Ausreise aus Eritrea eingeschränkt. Migration kann außerdem das Risiko von Menschenhandel und Zwangsarbeit erhöhen.
Arbeitsmarkt in Eritrea
Der Arbeitsmarkt Eritreas wird vom Staat, vom Nationaldienst und von informeller Arbeit geprägt. Die Landwirtschaft stellt den größten Anteil der Arbeitsplätze. Bergbau und Dienstleistungen tragen stark zur Wirtschaftsleistung bei, schaffen aber weniger breit verfügbare Beschäftigungsmöglichkeiten. Lohn, Zugang und Rechtsschutz unterscheiden sich; landesweite Arbeitsmarktdaten sind unvollständig.
Tipp
Betrachten Sie den Arbeitsmarkt in Eritrea als mehrere unterschiedliche Beschäftigungswege und nicht als einen transparenten Stellenmarkt. Vergleichen Sie Nationaldienst, erfasste formelle Beschäftigung und informelle Arbeit nach Einfluss auf die Tätigkeit, Nachvollziehbarkeit der Bezahlung, Risiko bei fehlender Entlassung und verfügbarem Schutz. Halten Sie Vereinbarungen möglichst schriftlich fest und prüfen Sie vor einer Zusage, über welchen Beschäftigungsweg die Stelle läuft.

