Das Inminban ist eine lokale Nachbarschaftseinheit, die üblicherweise etwa 20 bis 40 Haushalte umfasst. Ihre Führungspersonen arbeiten mit lokalen Parteistrukturen und Sicherheitsorganen zusammen, organisieren Versammlungen und Mobilisierungen und unterstützen Hausinspektionen, die unangekündigt oder nachts stattfinden können. In Berichten, auf die sich das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte bezieht, werden Informantennetzwerke beschrieben. Einer Schätzung zufolge gibt es mindestens eine informierende Person pro 50 Erwachsene. Erwachsene nehmen üblicherweise über eine staatliche Organisation am Organisationsleben teil. Von etwa drei Versammlungen pro Woche wird berichtet, darunter wöchentliche Sitzungen zur Überprüfung des eigenen Lebens, bei denen Selbstkritik und Kritik an anderen geübt werden. Auch Radio, Medien und Kommunikation unterliegen staatlicher Kontrolle. Wohnort und Beschäftigung werden häufig vom Staat zugewiesen oder stark gelenkt. Für Reisen innerhalb des Landes ist eine Genehmigung erforderlich oder sie werden eng kontrolliert; Auslandsreisen sind stark eingeschränkt. Ausländische Medien, nicht genehmigte Kommunikation und bestimmte digitale Inhalte können schwer bestraft werden. Die während COVID-19 eingeführten Einschränkungen verstärkten die Kontrolle über Bewegung und Kontakte zusätzlich. Diese Bedingungen prägen gewöhnliche Beziehungen, da Privatsphäre, Entscheidungen im Haushalt und Kontakte zu Menschen außerhalb zugelassener Strukturen das Risiko von Überwachung oder Denunziation mit sich bringen können. Songbun ist eine staatliche soziale Einstufung, die mit familiärer Herkunft, der wahrgenommenen Loyalität und dem Verhalten zusammenhängt. Sie kann den Zugang zu Wohnort, Arbeit, Lebensmitteln, Bildung und öffentlichen Dienstleistungen beeinflussen. Frauen spielen eine wichtige Rolle in den Jangmadang, den Märkten, die als bedeutende Orte des Austauschs dienen. Berichten zufolge sind sie dort jedoch Risiken wie willkürlicher Inhaftierung, Erpressung und sexueller Gewalt ausgesetzt. Häusliche Gewalt ist nach nordkoreanischem Recht verboten; lokalen Volkskomitees obliegen Aufgaben zu ihrer Prävention. Verlässliche Schutzangebote, sichere Unterkünfte und wirksame Abhilfemöglichkeiten sind kaum dokumentiert. Unabhängige Berichte beschreiben eine erhebliche Lücke zwischen formellen Regeln und der Alltagspraxis. Menschen mit Behinderungen, Menschen in ländlichen Gebieten oder Grenzregionen, Menschen mit niedrigerem Songbun und religiöse Menschen können zusätzlichen Hürden begegnen. Nordkoreanische Selbstberichte behaupten Gleichbehandlung und beschreiben Behindertenverbände und Beschwerdewege; die unabhängige Überprüfung bleibt jedoch begrenzt. Das formelle Beschwerde- und Petitionssystem ist der deutlichste staatlich anerkannte Weg, ein Anliegen vorzubringen. Nach dem Gesetz über Beschwerden und Petitionen kann eine Beschwerde mündlich oder schriftlich bei Stellen in Ministerien, Volkskomitees, Betrieben oder sozialen Organisationen eingereicht werden. Als offizielle lokale Bearbeitungstage werden der erste, elfte und einundzwanzigste Tag jedes Monats genannt; Sitzungen auf Provinzebene finden Berichten zufolge ungefähr monatlich statt. Ausgang, Durchsetzung und Schutz vor Vergeltung sind ungewiss. Eine unabhängige Ombudsstelle oder ein neutrales zivilgesellschaftliches Vermittlungssystem ist nicht verlässlich dokumentiert. Es lässt sich nicht davon ausgehen, dass kollektive Forderungen unabhängig geprüft werden können. Zivilgesellschaftliche Beteiligung findet meist über die Partei der Arbeit Koreas, den Sozialistischen Frauenverband Koreas, den Jugendverband, Gewerkschaften und den Verband der Landarbeiter statt. Die Beteiligung ist mit Beschäftigung und altersbezogenen Organisationsstrukturen verknüpft und kann für viele Erwachsene praktisch verpflichtend sein. Inminban-Einheiten und andere Organisationen können außerdem unbezahlte Arbeit mobilisieren. Unabhängige zivilgesellschaftliche Organisationen, unabhängige Gewerkschaften und unabhängige Medien stehen nicht als autonome Kanäle zur Verfügung; friedliche Versammlungen werden in der Praxis verhindert. Staatlich organisierte politische oder kulturelle Veranstaltungen erfüllen daher nicht dieselbe Funktion wie unabhängige öffentliche Beteiligung. Jangmadang-Märkte bieten halböffentliche Räume für Austausch und soziale Kontakte, doch ihre Nutzung und ihr Betrieb können rechtlich unsicher sein und sich je nach Ort unterscheiden. Frauen, die auf diesen Märkten tätig sind, können besonders Korruption, Inhaftierung und Gewalt ausgesetzt sein. Öffentliche Versammlungen, religiöse Aktivitäten, Zusammenschlüsse und Informationen bleiben kontrolliert. Die allgemeine Bevölkerung hat keinen offenen Zugang zum globalen Internet; staatliche Intranetdienste werden häufiger genutzt, und Mobiltelefone sind verbreitet. Internationale Anrufe, ausländische Medien und nicht genehmigte USB-Inhalte sind illegal oder werden schwer bestraft. Dadurch ist digitale Kommunikation Teil des kontrollierten Zusammenlebens und kein offener zivilgesellschaftlicher Raum. Die Wohnraumzuteilung und die Qualität der Wohnungen gehören hauptsächlich zur Wohnungspolitik. Sie prägen aber auch das Zusammenleben, etwa durch zugewiesene Wohnorte, Hausinspektionen und familiäre Pflichten. Es gibt keine verlässlichen Belege für ein breites autonomes System gemeinschaftlichen oder geteilten Wohnens. Nordkoreanische Berichte nennen Bauziele für Wohnungen, darunter 50.000 Wohnungen in Pjöngjang im Zeitraum 2021–2025 sowie Gesetze zum ländlichen Wohnungsbau aus den Jahren 2021–2023. Die unabhängige Überprüfung der Umsetzung und des Zugangs ist begrenzt. Formelle nordkoreanische Berichte beschreiben Rechte auf Gleichheit, Privatsphäre, Versammlung, Religion und Beschwerde. Erkenntnisse des OHCHR, die auf Interviews mit Geflüchteten, offen zugänglichem Material sowie Dokumenten der Vereinten Nationen und Vertragsorgane beruhen, beschreiben Überwachung, Zwang, Diskriminierung, Bewegungseinschränkungen sowie Beschränkungen der Meinungsäußerung, Vereinigungsfreiheit und Versammlungsfreiheit. Das OHCHR hatte über lange Zeiträume keinen regelmäßigen Zugang zum Land; deshalb können lokale Zahlen und Praktiken lückenhaft erfasst sein. Das Gesamtbild einer zunehmenden Kontrolle ist gut dokumentiert, während Angaben zu Gebühren, Bearbeitungszeiten und vorhersehbaren Abhilfen fehlen. Marktteilnahme und Reisen können mit wechselnden Kosten an Geld und Zeit sowie mit Risiken durch Bestechung, Inhaftierung oder Gewalt verbunden sein.
Zusammenleben in Nordkorea
Das alltägliche Zusammenleben in Nordkorea wird durch staatliche Einrichtungen, Organisationen am Arbeitsplatz und im sozialen Bereich sowie lokale Nachbarschaftseinheiten organisiert, nicht durch unabhängige zivilgesellschaftliche Gruppen. Das Inminban verbindet etwa 20 bis 40 Haushalte mit lokalen Führungspersonen und Sicherheitsstrukturen. Bewegung, Kommunikation, Zusammenschlüsse und Privatleben werden stark überwacht. Es gibt formelle Beschwerdewege, doch unabhängige Vermittlung und gemeinschaftliches zivilgesellschaftliches Handeln sind nicht verlässlich möglich.
Tipp
Behandle die alltägliche Zusammenarbeit in Nordkorea als staatlich kontrolliert und potenziell überwacht. Unterscheide zwischen formeller Genehmigung oder Zugang zu Beschwerdewegen und tatsächlichem Schutz, Vertraulichkeit und Durchsetzung. Nutze anerkannte Wege nur dann, wenn das praktische Risiko vertretbar ist, und vermeide nicht genehmigte Reisen, Kommunikation oder gemeinschaftliche Aktivitäten.

