Das Strafrecht umfasst unter anderem Tötungsdelikte, Körperverletzung, Sexualdelikte, Diebstahl, Raub, Einbruch, Sachbeschädigung, Brandstiftung, Drogen- und Waffendelikte, Menschenhandel, Geldwäsche, Terrorismus, bandenbezogene Kriminalität, elektronische Straftaten und Verkehrsdelikte. Die Rechtsgrundlagen stehen in der Verfassung, dem Criminal Procedure Act, dem Magistrate's Code of Procedure Act, dem Evidence Act und Sondergesetzen wie dem Misuse of Drugs Act, dem Firearms Act, dem Proceeds of Crime Act, dem Electronic Crimes Act und dem Vehicles and Road Traffic Act. Auch einzelne Straftatbestände des Common Law können weiterhin relevant sein. Die Royal Police Force of Antigua and Barbuda nimmt Anzeigen auf jeder Polizeistation oder beim Criminal Investigation Department entgegen. Zu ihren Einheiten gehören General CID, Serious Crimes Unit, Special Victims Unit, Proceeds of Crime Unit, Narcotics, Forensic Evidence and Recovery Unit, Youth Intervention Unit und Cyber Lab. Die Polizei dokumentiert Tatorte, sichert Beweise und kann bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen wegen begründeten Verdachts ohne Haftbefehl festnehmen. Eine allgemeine Polizeianzeige kostet üblicherweise 100 ECD; eine Anzeige zu einem Verkehrsunfall kostet 200 ECD und wird häufig innerhalb von etwa einer Woche bearbeitet, sofern die Ermittlungen nicht mehr Zeit erfordern. Bei einer Festnahme muss die betroffene Person in einer Sprache, die sie versteht, über den Grund informiert werden. Sie darf unverzüglich auf eigene Kosten eine Anwältin oder einen Anwalt ihrer Wahl kontaktieren. Im Allgemeinen muss innerhalb von 48 Stunden nach Beginn der Festnahme ein Gericht eingeschaltet werden; Sonntage und gesetzliche Feiertage werden bei dieser Berechnung nicht mitgezählt. Die Verfassung schützt außerdem die Unschuldsvermutung, ausreichende Verteidigungsmöglichkeiten, einen kostenlosen Dolmetschdienst, die Befragung von Zeugen, eine öffentliche Anhörung und das Recht, nicht zu selbstbelastenden Aussagen oder Beweismitteln gegen die eigene Person gezwungen zu werden. Rückwirkende Strafbarkeit und eine erneute Strafverfolgung wegen desselben Delikts sind ausgeschlossen. Eine Kaution darf nicht übermäßig hoch sein; das Magistrate’s Court kann besondere Bedingungen festlegen. Weniger schwerwiegende Fälle werden als summarische Verfahren vor dem Magistrate’s Court verhandelt. Bei anklagefähigen Straftaten findet gewöhnlich zunächst eine Voruntersuchung oder Überstellung zur Hauptverhandlung statt, bevor der High Court of Justice das Verfahren übernimmt. Der Director of Public Prosecutions, bekannt als DPP, kann Strafverfahren einleiten oder übernehmen, sie zur summarischen Behandlung an das Magistrate’s Court zurückverweisen oder sie vor einem Urteil einstellen. Bei bestimmten summarischen Straftaten mit einer möglichen Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren kann die beschuldigte Person eine Verhandlung mit Jury beantragen, sofern keine gesetzliche Ausnahme gilt. Nach dem Criminal Proceedings (Trial by Judge Alone) Act 2021 ist ein Verfahren vor einem einzelnen Richter des High Court nur mit Zustimmung und den vorgeschriebenen Schutzvorkehrungen möglich. Strafrechtliche Rechtsmittel werden über die zuständigen Berufungsgerichte an den Court of Appeal des Eastern Caribbean Supreme Court weitergeführt. Mögliche Sanktionen sind Freiheitsstrafe, Geldstrafe, Einziehung oder Beschlagnahmung von Vermögenswerten, Entzug der Fahrerlaubnis, Bewährung, bedingte Entlassung und in geeigneten summarischen Fällen eine Entlassung ohne Verurteilung. Schadensersatz steht nur zu, wenn ein Gesetz oder ein Gericht ihn vorsieht. Der High Court kann unter den Voraussetzungen des Abolition of Minimum Punishments Act gesetzliche Mindeststrafen herabsetzen. Das Strafvollzugsrecht regelt unter anderem Haft, Strafminderung wegen guter Führung und vorübergehende Haftentlassung aus medizinischen Gründen. Eine erstmalige Verurteilung kann nach vollständiger Verbüßung der Strafe und Ablauf der Rehabilitationszeit als getilgt gelten; Ausnahmen sind möglich. Für Mord sieht das Gesetz formal weiterhin die Todesstrafe vor, während Verfassung und Kinderschutzrecht sie für Kinder ausschließen. Das Strafrecht behandelt Personen unter 18 Jahren besonders. Seit der Änderung des Child Justice Act liegt das Strafmündigkeitsalter grundsätzlich bei zwölf Jahren. Das Child Justice Board führt eine erste Beurteilung durch. Je nach Fall können ein kindgerechtes Verfahren, eine geeignete erwachsene Beratungsperson, Diversion, Wiedergutmachung, Freilassung oder staatliche Rechtsvertretung infrage kommen. Eine Inhaftierung soll bei Kindern nur das letzte Mittel sein. Die Änderungen von 2024 verschärfen die Regeln für schwere Straftaten nach Schedule II und III, darunter bestimmte Bandendelikte: Eine Freilassung zu den Eltern oder geeigneten Erwachsenen ist teilweise ausgeschlossen; ab 14 Jahren können längere betreuende Aufsicht oder eine Überstellung in Haft angeordnet werden. Die verfügbaren Quellen belegen keine eigene Haftanstalt für Jugendliche; Berichte beschreiben Überbelegung im His Majesty’s Prison. Geschädigte Personen können sich an die Polizei oder das CID wenden. Die Special Victims Unit ermittelt bei Sexualdelikten und kann Beratung vermitteln. Das Sexual Assault Referral Centre unterstützt Betroffene mit medizinischer Untersuchung zur Beweissicherung, psychosozialer und rechtlicher Beratung, Begleitung zu Gerichtsverhandlungen, Sicherheitsplanung, einem kinderfreundlichen Bereich und einer Notunterkunft von bis zu 48 Stunden. Das Directorate of Gender Affairs ist über die rund um die Uhr erreichbare Hotline 268-463-5555 erreichbar. Das Sexual Offences Model Court des High Court nutzt unter anderem Verfahrensplanung vor dem Prozess, beschleunigte Verfahren, geschultes Personal, einen Warteraum und Zeugenaussagen aus der Ferne für besonders schutzbedürftige beschwerdeführende Personen. Ein allgemein geltender Opferkodex ist nicht belegt; Unterstützung und Zugang hängen daher von der Straftat und dem Verfahren ab. Für bestimmte Straftaten gelten neuere Sonderregeln. Nach dem Anti-Gang Act 2024 kann die Gründung einer Bande mit bis zu zehn Jahren Haft und die Führung einer Bande mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden. Das Gesetz betrifft außerdem Mitgliedschaft, Anwerbung, Beherbergung, Verheimlichung, Vergeltung sowie den Besitz bestimmter Schutzwesten, Schusswaffen oder Munition. Dafür erweitert das Gesetz Ermittlungs-, Durchsuchungs- und Festnahmebefugnisse. Neben der Polizei können die Antigua and Barbuda Defence Force und das ONDCP zuständig sein. Der Electronic Crimes Act 2013 umfasst unter anderem unbefugten Zugriff auf oder Eingriffe in Computersysteme, elektronischen Betrug, Datenschutzverletzungen, Belästigung, gefälschte Websites, Spam, Abbildungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und elektronischen Terrorismus. Unter den gesetzlichen Voraussetzungen können Ermittler die Sicherung oder Offenlegung elektronischer Daten, Durchsuchungen und Beschlagnahmen sowie die Echtzeitüberwachung von Verkehrsdaten beantragen. Gesetzesentwürfe aus den Jahren 2025 und 2026 gelten nicht als geltendes Recht. Das staatliche AB govCIRT unterstützt bei der Reaktion auf Sicherheitsvorfälle, begründet aber keinen eigenen Straftatbestand. Für Verkehrsdelikte gelten der Vehicles and Road Traffic Act und die Änderung von 2025. In Antigua und Barbuda wird auf der linken Straßenseite gefahren. Bei einer ersten summarischen Verurteilung wegen Fahrens unter Alkohol- oder Drogeneinfluss können die Strafen 5.000 ECD, bis zu 18 Monate Haft und einen zwölfmonatigen Entzug der Fahrerlaubnis umfassen. Bei einer zweiten oder späteren Verurteilung können bis zu 10.000 ECD, drei Jahre Haft und – ab der zweiten gleichartigen Verurteilung – ein dauerhafter Entzug der Fahrerlaubnis folgen. Fahrlässiges Fahren kann eine Geldstrafe von 1.000 oder 2.500 ECD und weitere verkehrsbezogene Maßnahmen nach sich ziehen. Wer durch rücksichtsloses oder gefährliches Fahren den Tod einer Person verursacht, kann zu bis zu fünf Jahren Haft verurteilt werden. Das Verlassen eines Unfallorts ohne medizinischen Grund kann ebenfalls eine Straftat sein. Staatlich unterstützte Rechtshilfe über die Legal Aid and Advice Clinic richtet sich nach dem Einkommen und ist nicht automatisch kostenlos. Ein Antrag kann eine Bedürftigkeitsprüfung, eine Verwaltungsgebühr und einen Eigenanteil umfassen. Ein Anspruch ausländischer Staatsangehöriger ist grundsätzlich nicht garantiert und muss im Einzelfall geprüft werden. Untersuchungshaft und Verfahrensdauer hängen von der Straftat und dem Ablauf des Verfahrens ab; in schweren Fällen kann die Untersuchungshaft Jahre dauern. Director of Public Prosecutions, Gerichte, Polizei und die jeweils zuständigen Fachstellen haben unterschiedliche Aufgaben; sie werden nicht durch eine zentrale Strafrechtsbehörde ersetzt.
Strafrecht in Antigua und Barbuda
Das Strafrecht in Antigua und Barbuda regelt Straftatbestände, Ermittlungen, Strafverfahren, Sanktionen sowie die Rechte beschuldigter und geschädigter Personen. Es beruht auf der Verfassung von 1981, dem englischen Common Law und mehreren Einzelgesetzen, da es kein einheitliches Strafgesetzbuch gibt. Die Royal Police Force of Antigua and Barbuda ermittelt. Je nach Schwere und Art des Verfahrens sind das Magistrate’s Court oder der High Court of Justice zuständig. Verfassungsrechtliche Verfahrensrechte gelten ab Festnahme und Untersuchungshaft.
Tipp
Behandle eine polizeiliche Vorladung, Festnahme oder Beschuldigung in Antigua und Barbuda als zeitkritisch und hole frühzeitig rechtlichen Beistand. Halte Fristen, Haftzeiten, Kautionsbedingungen und übergebene Unterlagen schriftlich fest. Wenn dir Unrecht widerfahren ist, verbinde Anzeige, medizinische Versorgung und Schutzangebote möglichst frühzeitig.

